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Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Bibliographic data

fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Monograph

Identifikator:
895603128
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10120
Document type:
Monograph
Author:
Merck, Klemens http://d-nb.info/gnd/1064962637
Title:
Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
Edition:
Sechste, völlig neu bearbeitete Auflage
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (IV, 555 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
V
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Index

Full text

Verbandstoffe 
467 
Vichy 
Kochen in einer Harzseifenlösung, darauf in 
einer Sodalauge und Spülen in reichlichem 
Wasser folgt die Bleiche durch Einwirkung von 
schwacher Chlorkalk- oder Chlornatriumlösung, 
die Zerstörung der unterchlorigen Säure durch 
längere Lüftung und die Entfernung des Kalks 
durch schwache Salzsäure. Schließlich wird die 
Baumwolle entweder direkt gespült und ge 
trocknet, meist aber vorher mit Antichlor (unter 
schwefligsaurem Natron) und einer geringen 
Menge Stearinseife behandelt. Aus letzterer 
macht die noch vorhandene Salzsäure Stearin 
säure frei, welche in dieser kleinen Menge das 
so beliebte Knirschen verursacht. Neuerdings 
wird auch vielfach die elektrische Bleiche an 
gewandt, welche darauf beruht, daß aus Chlor 
verbindungen (Kochsalz) durch den elektrischen 
Strom Chlor freigemacht wird. Die ganz trok- 
kene Baumwolle wird endlich auf der Watte 
krempel zu einem Vlies verarbeitet, das 70 bis 
loo cm breit, 180—250 cm lang und 250—500 g 
schwer ist. — Die an den Kapseln der Baum- 
wollsamen nach dem Entkörnen sitzengeblie 
benen kurzen Baumwollfasern werden durch 
besondere Maschinen von den Kapseln getrennt 
und kommen unter dem Namen Linters in 
Ballen von 250 kg, meist stark durch Samen 
schalen u. a. verunreinigt, in den Handel. Sie 
finden zwar meist Verwendung zu Schneider 
und Polsterwatten sowie, teils roh, teils ge 
bleicht, als Füllmittel, zum kleineren Teile aber 
auch zu geringwertigen Verbandwatten. —'Ge 
bleichter hydrophiler Mull, der dieselbe 
Entfettung und Bleichung durchzumachen hat 
wie die medizinische Verbandwatte, wird eben 
falls zu verschiedenen Verbandstoffen weiter 
verarbeitet. — Appretierte Gaze zu Verband 
zwecken ist gekleisterter, in gespanntem Zu 
stande getrockneter und gebleichter Mull, bei 
dem nur die Fäden gekleistert, die Maschen 
aber kleisterfrei sind. Eine besonders dichte, 
appretierte Gaze, bei der nicht nur die Fäden 
gekleistert, sondern auch die Zwischenräume 
mit Kleistermasse ausgefüllt sind, sog. Organ 
dingaze, dient, genäßt, zur Anfertigung von 
Kleisterverbänden, als Ersatz der Gipsverbände. 
■— Lint, früher unter dem Namen englische 
Scharpie gehandelt, ist ein dichtes weiches, 
auf einer Seite gerauhtes Baumwollgewebe. Mit 
Borsäure impägniert, allgemein als Borlint be 
kannt, dient es zu Verbandzwecken. — Schließ 
lich findet als Verbandstoff ein baumwollenes 
Kambrikgewebe Verwendung, dessen Kett 
fäden gewöhnlich die Stärke der Mullfäden 
haben, während die Schlußfäden aus stärkeren 
Garnen mit geringem Draht hergestellt werden. 
Das Kambrikgewebe kommt gemangelt in den 
Handel, wodurch die dickeren Schußfäden platt 
gedrückt sind, so daß sie die Maschen mitunter 
ganz ausfüllen. — Infolge des Mangels an 
Baumwolle mußte während des Krieges dazu 
übergegangen werden, auch die Verbandstoffe, 
■wie Watten, Binden usw., aus Ersatzstoffen 
herzustellen. Für die Watten wurde Zell 
stoffwatte angefertigt, für Bindenstoff e griff 
man zu Papiergeweben. Letztere haben sich 
aber nicht besonders eingeführt, es lag, dies 
tum Teil daran, daß für einzelne Zwecke die 
^apierbinden sich infolge des Aufweichens bei 
Zutritt von Feuchtigkeit unbrauchbar zeigten, 
ferner aber auch Verbände, z. B. bei Finger 
verletzungen, sich nur sehr schlecht herstellen 
lassen. Ein weiterer Mißstand war der unver 
hältnismäßig hohe Preis, der für die Papier 
garngewebe gefordert wurde. 
Verbenaöl. Das echte Verbenaöl wird aus 
den Blättern der in Spanien, Südfrankreich und 
Amerika vorkommenden strauchartigen Ver- 
bene, Lippia citriodora (Verbena triphylla, 
Alsysia citriodora), bereitet, ist aber kein 
regelmäßiges Handelsprodukt. Es kann in den 
meisten Fällen durch das viel billigere Lemon- 
grasöl, das deswegen auch ostindisches Ver 
benaöl genannt wird, ersetzt werden. 
Veronal (Diäthylbarbitursäure, Diäthyl- 
malony Iharnstoff, lat. Acidumdiaethylobarbi- 
turicum, frz.Vdronal, engl.Veronal), ein weißes, 
schwach bitter schmeckendes, in heißem Wasser, 
Alkohol und Äther leicht lösliches Kristailpulver, 
(C 2 H 5 ) 2 C(CO . HN) 2 CO, wird als ein vortreff 
liches Schlafmittel verordnet. Es erzeugt wie 
Alkohol einen mit Behaglichkeit und Gleich 
gültigkeit verbundenen Rauschzustand. Die Ab 
gabe ist in den Apotheken nur gegen ärztliche 
Verordnung gestattet, was bei den beobachteten 
schädlichen Nebenwirkungen des V. begründet 
erscheint. 
Verrin, eines der neueren Kehrmittel, die in 
öffentlichen Gebäuden, besonders Schulen, an 
Stelle des früher viel benutzten feuchten Säge 
mehls zur Verhinderung des Aufwirbelns von 
Staub ausgestreut werden, besteht aus 70 0/0 Ko 
niferenholzschliff mit 30 0/0 Talkpulver. Ein ähn 
lich wirkendes Gemisch von Sand und Kreide 
mit 10 0/0 Schmieröl wird als Bronil in den Ver 
kehr gebracht. 
Vesuvin, ein dem Bismarckbraun sehr nahe 
stehender Farbstoff, soll aus salzsaurem Tri- 
amidoazobenzol bestehen. 
Vetiverwurzel (Kuskus, Iwaranchusa, lat. 
Radix ivaranchusae seu vetiveris, frz. Racine de 
vetiver, engl. Vetiver root). Das ostindische 
Gras Vetiveria zizanioides (Andropogon mu- 
ricatus s. squarrosus) treibt aus einem kurzen 
Wurzelstock eine Menge langer, dünner, viel 
fach verästelter Wurzeln, deren sehr dünner 
Holzkörper von einer schwammigen Rinde um 
geben ist. Die in der Mitte der letzteren liegen 
den Drüsen enthalten ein sehr kräftig und an 
genehm riechendes, dickflüssiges ätherisches öl 
von dunkelblonder bis dunkelbrauner Farbe. 
Die getrockneten Wurzeln werden namentlich 
über, Kalkutta ausgeführt und in Indien selbst 
zur Herstellung von Matten, Fensterschirmen u. 
dgl. benutzt, die in der heißen Jahreszeit, mit 
Wasser besprengt, Wohlgeruch verbreiten. Die 
Wurzel wird wegen ihres anhaftenden Geruchs bei 
uns in der Parfümerie und als mottenvertreibendes 
Mittel angewandt. Das Öl (lat. Oleum vetiveris 
s. ivaranchusae, frz. Essence de vetiver, engl. 
Oil of vetiver root) findet in der Parfümerie nur 
als Zusatz Verwendung. Es hat ein spez. Gew- 
von 0,990—1,040, löst sich in 1—2 Teilen 800/0- 
igem Alkohol und dreht die Polarisationsebene 
ziemlich stark nach rechts, a D = + 22 bis -(- 38°. 
Vichy, ein alkalisch-muriatischer Säuerling, 
enthält in 1 kg: Bikarbonate des Natriums 
4)883 g, Kaliums 0,3-520 g, Ammoniums 0,352 g.
	        

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Merck’s Warenlexikon Für Handel, Industrie Und Gewerbe. G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft, 1919.
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