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Die Heimarbeit im Kriege

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Bibliographic data

fullscreen: Die Heimarbeit im Kriege

Monograph

Identifikator:
897012496
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-11642
Document type:
Monograph
Author:
Madelung, Ernst http://d-nb.info/gnd/116654805
Title:
Die Entwicklung der deutschen Portland-Zement-Industrie ...
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Duncker & Humblot
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (99 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

162 
nur das Streben nach einem Maximum des Reingewinnes kennt. Die Ver 
waltungswirtschaft dagegen, wie sie die Übemangswirtschaft darstellen wird, 
benötigt die Naturalrechnung, um einzelne Schritte tatsächlich unternehmen 
zu können. 
Die Verwaltungswirtschaft der Übergangszeit kann sich auf eine weit 
gehende staatliche Kontrolle der Markt Verhältnisse beschränken und 
nur gewisse Import- und Produktionszweige zentralisieren, 
sie kann zu einer Verstaatlichung bedeutsamer Produktions 
zweige, zu einer Verstaatlichung des Kredits und Zwischen 
handels führen, sie kann aber auch die Form eines Verbandssystems 
annehmen, wie es etwa Wilhelm Neurath in seinem Pankartellismus vorge 
schlagen hatte. Ein System von Verbänden übt ähnliche Wirkungen auf Pro 
duktion und Verteilung wie ein staatlicher Apparat aus. Es bleibt aber die 
freie Vereinbarung zwischen in gewissem Sinne unabhängigen Faktoren 
gewahrt. Die Einkommensverteilung kann bei den verschiedenen Möglichkeiten 
im ganzen die gleiche sein. Ein System von Verbänden verhält sich in mehr 
als einer Richtung anders als Einzelkartelle. Es hat kein Interesse daran, den 
Reingewinn zu erhöhen, indem es Arbeitskräfte entläßt oder Rohstoffe nicht 
nützt, weil es unmittelbar die Nachteile zu spüren bekommt. Ein Verbands 
system kann unter Umständen die Produktion so regeln, daß die einzelnen Ver 
bände von der vollen Ausnützung aller Kräfte Vorteil haben, wobei es beliebig 
große Differenzen zwischen den einzelnen Einkommen geben mag. Es fragt 
sich nun, wie eine derart staatlich oder verbandsmäßig organisierte Übergangs 
wirtschaft wirkt. 
Die ganze Tendenz führt notwendigerweise zu einer gewissen Stabili 
sierung der Wirtschaft ; stürmische Veränderungen mit krisenhaften Folgen 
entfallen, wenn Verbände in freier Vereinbarung oder unter staatlichem Ein 
fluß Preise, Produktion, Löhne und so weiter bestimmen. Der wirkliche 
Bedarf wirkt unmittelbar auf die Produktion. Jede Änderung 
der Produktion muß in dem ganzen System einen vereinbarten Platz finden ; 
daß Einzelne durch eigenwilliges Verhalten vielleicht die ganze Wirtschaft 
erschüttern und eventuell sich auch selbst schwer schädigen, ist nicht gut 
möglich. Diese Stabilisierungsneigung tritt uns auch sonst entgegen, wenn wir 
die Verfügungen über Wohnungsmieten oder die Bestimmungen über Minimal 
löhne ins Auge fassen. Hieher zählt auch die wachsende Neigung, den Bauern 
ein gewisses Stück Land zu garantieren, indem man es dem Zugriff des 
Gläubigers entzieht, wie dies in manchen Ländern seit langem geschieht. 
Siedlungspolitische Anregungen aller Art durchschwirren die Luft. So ver 
schieden ihre Ursprünge und Ziele sind, eines haben sie gemeinsam: die 
Verringerung oder Ausschaltung des freien Verkehrs und die Schaffung ge 
meinwirtschaftlicher Grundlagen für die Verteilung und Ausnützung von Grund 
und Boden. Was man früher für einen Segen hielt, die Eingliederung des 
Bauern in den Marktverkehr, in die Geldordnung, sehen heute immer mehr 
Menschen als nicht unbedenklich au, weil dadurch der Bauer in seiner Sta 
bilität erschüttert werde. Welche fördernden oder lähmenden Wirkungen eine 
solche allgemeine Stabilisierung des Daseins psychologisch und soziologisch 
auszuüben vermag, bleibe ununtersucht. Viele werden der Meinung sein, daß der 
Wegfall der Konjunktur, welche vernichtet und erhebt, den Menschen einen 
wesentlichen Anreiz zur Entfaltung nehme. Andere wieder werden die Meinung 
vertreten, daß man ein gesichertes wirtschaftliches Dasein, eine Beseitigung 
des Elends, dazu verwenden könne, um die frei werdenden Kräfte auf anderen 
Gebieten zu verwerten. Gerade die Absorption höherer Fähigkeiten durch die 
wirtschaftlichen Vorgänge drücke die Kultur nieder. Mancher nimmt lieber das 
Risiko des freien Verkehrs auf sich, ehe er sich der Gnade und Ungnade eines 
Verbandes oder einer Stadtgemeinde ausliefern will, welche vielleicht die 
aus Lieferungsverträgen herrührende Verpflegung vor allem politischen Partei 
gängern zuweisen werde. Und er sieht nicht ohne Bedenken die Protektion 
an Stelle der Konjunktur treten, der sie sich jetzt schon manchmal vermähle. 
Die Stabilisierungstendenz ergreift in wachsendem Ausmaß die Arbeits 
verhältnisse. Es spielt an sich eine geringe Rolle, welche Form gewählt wird.
	        

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Die Entwicklung Der Tobler-Unternehmung Und Ihrer Arbeiter-Fürsorge Und Wohlfahrtseinrichtungen. Polygraphische Gesellschaft, 1919.
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