Full text: Die Selbstkosten-Berechnung industrieller Betriebe

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möglichen, das Schätzungsverfahren vereinfachen und dadurch die 
Fehlerquellen verhüten, die finanziellen Folgen des Verschätzens 
möglichst einschränken. Dem Arbeiter wird in der Regel ein Teil 
des bei schnellerer Arbeitsausführung gegenüber einer mit dem 
Arbeiter vereinbarten Normalleistung (einer bestimmten Grundzeit 
oder einem bestimmten Lohn) als Zuschlag zu dem Stundenlohn ge 
zahlt. Je nach dem beabsichtigten Zweck — Begrenzung des stünd 
lichen Höchstverdienstes, konstanten oder mit dem Lohnsatz sich 
verändernden stündlichen Mehrverdienst — pind die Bedingungen 
im einzelnen sehr verschieden. Die Vorteile des Prämienlohnsystems 
sind die folgenden: Dem Arbeiter wird ein Mindeststundenlohn 
garantiert; Zeit- und Kostenersparnis kommen auch dem Arbeiter 
zugute; die Prämie ist eine dauernde und kann während der Dauer 
des Vertrages 1 ) nicht gekürzt werden. Beim gewöhnlichen Akkord 
wird eine Durchschnittsleistung einseitig und unkontrollierbar vom 
Unternehmer kalkuliert/während bei dem Prämienlohnsystem in der 
Regel eine Grundzeit für die zu leistende Arbeit vereinbart wird 2 ). 
Einige Prämienlohnsysteme 3 ) sollen hier kurz; erklärt 
werden. 
a) Bei dem Halseyschen und Rowansehen Prämiensystem wird 
für jede Arbeit eine Normalherstellungszeit — die Norm oder Grund- 
r ) Beim freien Arbeitsvertrag (Einzelvertrag) zwischen Arbeitgeber 
und Arbeitnehmer stehen sich beide als Vertragschließende gegenüber und verein 
baren für den Einzelfall Akkord- oder Stundenlohn. Bei kollektiven Ar 
beitsverträgen sind Unternehmer und Arbeiter organisiert. Der Unternehmer 
bzw. die Unternehmerorganisation verhandelt mit der Gesamtheit der Arbeiter. 
Solche Tarifverträge setzen eine verhältnismäßig einfache Produktionstechnik 
voraus, die eine Uniformierung der Arbeitsbedingungen erleichtert, a) Es sind 
kollektive Bestimmungen für einzelne Unternehmungen; die Arbeiter verlangen 
bei der Festsetzung der Akkordpreise die Mitwirkung einer von Arbeitern ge 
wählten Kommission (Vertrauensmänner) und die Aushängung der Listen der 
Akkordpreise in deD Arbeitsräumen, b) Tarifgemeinschaften beruhen auf 
kollektiven Vereinbarungen für bestimmte Berufe und auf der kollektiven Fest 
setzung einer Arbeitsordnung als Unterlage für die Einzelarbeitsverträge. Über 
einzelne Fragen vgl. I m 1 e, Tarifverträge. Jena 1907; Selter, Über die Einführung 
von Tarifverträgen in den Großbetrieben des Maschinenbaues und verwandter 
Industrien. Berlin 1911; Herkner, Die Arbeiterfrage. 6. Aufl. Berlin 1916. 
2 ) Die Einführung von Prämienlöhnen ist praktisch fast ausschließlich von 
der Stellungnahme der Arbeiterorganisationen abhängig. 
3 ) Wegen der Prämiensysteme vgl. das früher zitierte Werk von 
Grimshaw (S. 72); dann: Preuß, Das Prämiensystem der Arbeiterlöhnung, 
Zeitschr. des Vereins deutscher Ingenieure, 1903, S. 712 ff.; Schiller, Das 
Prämiensystem der Lohnberechnung, ebenda, S. 1720 ff.; Möller, Eine Studien 
reise in den Vereinigten Staaten von Amerika, ebenda 1903,' S. 972 ff.; dann in 
der gleichen Zeitschrift, S. 439, 440, 1472; Levin, Werkstättenbuchführung für 
moderne Fabrikbetriebe, Berlin 1907, S. 11 f., 123 f. (Diagramme). Schwarze, 
Das Lohnwesen in amerikanischen Eisenbahnwerkstätten, in: Glasers Annalen 
für Gewerbe- und Bauwesen. 1910.
	        
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