Full text : Die Selbstkosten-Berechnung industrieller Betriebe

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Produktes.  In  solchen  Fällen  können  Aufträge,  die  sich  gegenüber
dem  Kalkulationspreis  als  verdienstlos  darstellen,  immerhin  übernommen ­
  werden;  denn  in  diesem  Preis  steckt  ein  indirekter  Nutzen:
die  Verzinsung  des  eigenen  Kapitals.
y)  Ähnlich  liegt  der  Fall,  wenn  gegenüber  der  Konkurrenz  das
mögliche  Minimum  des  Verkaufspreises  zu  bestimmen  ist.  Hier
wird  ein  umsichtig  organisiertes  Kostenwesen  die  Möglichkeit  bieten,
zu  ermitteln,  wie  weit  der  Unternehmer  mit  seinem  Angebot  heruntergehen ­
  darf  —  wie  lange  er  ,,mitlaufen“  kann  —  ohne  Schaden  zu
erleiden.
b)  Es  gibt  Fälle,  in  welchen  die  Preise  mehrerer  Güter  in
einem  gegenseitigen  Abhängigkeitsverhältnis  oder  doch  in  einem
solchen  Zusammenhang  stehen,  daß  die  Preisbildung  des  einen  durch
die  des  anderen  unmittelbar  beeinflußt  wird  (Zusammenhängende
Preise) 1 ).  Solche  Fälle  sind:
a)  Zusammenhängende  Produktion  mehrerer  Güter.  Z.  B.  Bei  der  Einzelproduktion ­
  ergeben  sich  neben  dem  Hauptprodukt,  auf  das  das  Ziel  der  Produktion ­
  gerichtet  ist,  Nebenprodukte  (Teile  der  Rohstoffe  oder  Reste  des  Verarbeitungsprozesses). ­

b)  "Verschiedene  Produktionen  werden  durch  die  Einheit  des  Unternehmens
zusammengehalten:  die  Betriebe  hängen  technisch  vielfach  untereinander  zusammen; ­
  zwar  werden  die  Kosten  der  verschiedenen  Produktionsabteilungen  gesondert ­
  verrechnet,  doch  ist  die  Rentabilität  des  Unternehmens  nicht  von  der
günstigen  Preisgestaltung  in  jedem  Produktionszweig  abhängig.
c)  Verschiedene  Unternehmen  mit  selbständiger  Produktion  werden  durch
die  Einheit  des  Vermögens  zusammengehalten:  Es  besteht  zwar  kein  sachlicher
Zusammenhang  zwischen  den  Einzelproduktionen,  aber  sie  werden  von  einem
Eigentümer  geleitet.  Die  Preise  der  Produkte  haben  zunächst  die  Kosten  der
eigenen  Produktion  zu  decken.
Gemeinsam  diesen  Fällen  ist,  daß  der  Preis  des  einzelnen  Produktes  überhaupt ­
  nicht  der  Ausdruck  seiner  Produktionskosten  sein  kann,  weil  die  Produktionskosten ­
  nur  für  die  Gesamtheit  aller  Güter  festgestellt  werden  können.  Oder  es
wird  ein  Produktionskostenpreis  zwar  gefunden,  der  für  die  Wirtschaftsführung
und  die  Möglichkeit  der  Fortführung  insofern  keine  Rolle  spielt,  als  er  durch
die  Preisentwicklung  anderer  Produkte  ausgeglichen  werden  kann.  Infolgedessen ­
  kann  bei  der  Produktion  innerhalb  des  gleichen  Unternehmens  und  Vermögens ­
  andauernd  unter  den  Produktionskosten  verkauft  werden,  wenn  die
damit  zusammenhängenden  Produktionen  hinreichend  Gewinn  abwerfen,  um  den
Gesamterfolg  der  Wirtschaftsführung  rentabel  zu  machen.
Die  technischen  und  wirtschaftlichen  Vorteile  einer  Betriebsvereinigung ­
 2 )  (Fälle  b  und  c)  kommen  unzweifelhaft  in  den  verminderten ­
  Selbstkosten  der  Produktion  zum  Ausdruck:  Geringere

*)  Vgl.  Philippovich,  Grundriß  der  politischen  Ökonomie.  Tübingen
1913,  I.  Bd.,  S.  274.  Wagner,  Die  gemischten  Werke  der  Großeisenindustrie.
Berlin  1912,  S.  156  f.,  218  f.
*)  Vgl.  Hey  mann,  Die  gemischten  Werke  im  deutschen  Großeisengewerbe.
Berlin  1904,  S.  211  ff.
            
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