Full text : Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

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Die  erste  Form,  die  Abgabe  zum  S  e  l  b  st  k  o  st  e  n  p  r  e  i  s  e,  ist
fast  ganz  verschwunden.  Sie  ist  aber  in  den  ersten  Anfängen  der  Konsumgenossenschaftsbewegung ­
  die  gebräuchlichste  Form  gewesen.  Im
§  1  eines  im  Jahre  1855  in  Frankfurt  am  Main  gegründeten  Konsum-Vereins
  heißt  es  unter  der  Ueberschrift  „Vereinszweck":  „Lebensbedürfnisse ­
  im  großen  anzuschaffen  und  den  Mitgliedern  zum  Kostenpreise ­
  zu  überlassen.  Der  Kostenpreis  versteht  sich  unter  Hinzurechnung ­
  von  Unkosten  und  Spesen"?)  Auch  Paul  G  ö  h  r  e  berichtet  von
den  älteren  deutschen  Konsumvereinen,  daß  „der  Verkauf  entweder  zum
Einkaufspreise  oder  auch  schon  zum  ortsüblichen  Verkaufspreise  erfolgte, ­
  im  ersteren  Falle  werden  noch  die  eigenen  Spesen  hinzugeschlagen, ­
  im  letzteren  am  Vierteljahrsschlusse  die  Ueberschüsse  verteilt."")
Die  Abgabe  der  Verteilungsgüter  zum  lokalenTagespreise
und  der  Auszahlung  des  Ueberschusses  am  Jahresschlüsse  als  Rückvergütung ­
  gehörte  zu  den  Prinzipien  der  Rochdaler  Pioniere  und  ist  wie
die  anderen  Rochdaler  Grundsätze  in  allen  Landen  durchgedrungen.
Der  Umstand  aber,  das;  unvorhergesehene  Ausgaben  eintreten  können,
zwingt  schon  die  Konsumvereine  dazu,  die  Bedarfsartikel  nicht  zum
Selbstkostenpreise  abzugeben.  Weiter  bedeutet  die  Zurückhaltung
des  Ueberschusses  einen  Sparzwang  für  die  Mitglieder,  der  manchen
aus  seiner  Schuldenwirtschaft  herausgerissen  hat.  Auch  der  Verein  als
solcher  zieht  Vorteil  daraus.  Die  bis  Ende  des  Geschäftsjahres  zurückbehaltene ­
  Ersparnis  ist  für  ihn  ein  billiges  Betriebskapital.  Dazu
kommt,  daß  die  Statuten  in  der  Regel  der  Verwaltung  gestatten,  vom
Ueberschuß  einen  Teil  in  besondere  Fonds:  Reservefonds,  Dispositionsfonds, ­
  Produktionsfonds,  Notfonds  usw.  abzuführen,  sowie  ferner,
evtl,  einen  Teil  der  den  einzelnen  Mitgliedern  auszuzahlenden  Ersparnis ­
  zur  Vervollständigung  noch  nicht  voll  eingezahlter  Geschäftsanteile ­
  zurückzubehalten.  Für  die  Kapitalbildung  des  Vereins  ist  es
also  ein  fast  unentbehrliches  Mittel.  Welche  Schwierigkeiten  es  aber
hatte,  das  für  den  Konsumgcnossenschafter  von  heute  so  selbstverständliche ­
  Prinzip  einzuführen,  sagt  uns  treffend  Holyoake.  „Man
fürchtete,  daß  ein  Sparzwang  und  ein  Zurückhalten  der  Gewinne  den
Fortschritt  der  Genossenschaft  aufhalten,  von  der  Mitgliedschaft  abschrecken ­
  und  Unzufriedenheit  hervorrufen  würde.  Zur  Ausführung
eines  solchen  Planes  gehörten  Enthusiasten,  jene  seltene  Mischung  von
Enthusiasmus  und  geduldigem  Zelotismus,  die  lange  Jahre  auf  Er-8

 )  Wie  man  sieht,  war  man  sich  über  den  Begriff  des  Kostenpreisesschon ­
  damals  klar.
8 )  Paul  G  ö  h  r  e  a.  a.  O.  S.  34.
            
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