Full text : Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

folge  warten  kann,  die  so  lange  auf  keinen  Erfolg  zu  hoffen  hat,  als
bis  die  Nachbarn  erzogen  und  auf  das  gleiche  Gesinnungs-  und
Bildungsniveau  gehoben  sind"?")  Solche  Leute  waren  eben  die  Rochdaler
  Pioniere.
Eine  Unannehmlichkeit  der  Abgabe  zu  Tagespreisen  ist,  daß  bei
jeder  Preisänderung  der  Verteilungsgüterbestand  in  dem  betr.
Artikel  aufgenommen  werden  muß.  So  berichtet  der  Breslauer  Konsumverein ­
  von  238  Preisänderungen  im  letzten  Geschäftsjahr;  es  mußten ­
  also  in  jeder  Abgabestelle  die  entsprechende  Zahl  von  Bestandsaufnahmen ­
  stattfinden.  Die  Preisänderungen  werden  an  einer  leicht  ersichtlichen ­
  Stelle  bekanntgegeben.  Es  besteht  dabei  nicht  die  sonst
übliche  Gepflogenheit,  nur  die  Preis  e  r  m  ä  ß  i  g  n  n  g  e  n  bekanntzugeben. ­
  Bei  Artikeln,  die  großen  Schwankungen  unterworfen  sind  und
den  Verteilungsstellen  direkt  vom  Lieferanten  unter  Angabe  des  Preises ­
  geliefert  werden,  hat  man  den  Lagerhaltern  besondere  Listen  für
Preisänderungen  an  Hand  gegeben,  nach  denen  er  selbst  die  Aenderungen ­
  vornehmen  kann?"»)
Der  Apparat  wird  dadurch  für  die  Verwaltung  wesentlich  erleichtert. ­

Einzelne  Konsumgenossenschaften  geben  ihre  Verteilungsgüter
unter  dem  lokalen  Tagespreise  ab  und  geben  dafür  eine  entsprechend ­
  niedrigere  Rückvergütung.  Heinrich  Kaufmann  bemerkt
dazu  in  seinen  „Grundsätzen",")  daß  die  Rückvergütung  immerhin
3  bis  5o/o  betragen  sollte,  da  eine  gewisse  Höhe  der  Rückvergütung
das  Interesse  des  Mitgliedes  an  der  Genosseuschyft  hebe  und  der  Spartrieb ­
  durch  die  Rückvergütung  angeregt  würde.  Wenn  man  diese
Punkte  berücksichtigt,  ist  auch  wohl  nichts  weiter  gegen  das  Prinzip
der  Abgabe  unter  lokalem  Tagespreis  einzuwenden.  Im  Gegenteil,
ein  Vorteil  dieses  Systems  ist  es,  daß  wirtschaftlich  schlecht
g  e  st  e  l  l  t  e  Konsumenten  in  höherem  Maße  als  vorher  ihren  Bedarf
in  der  Konsumgenossenschaft  decken,  da  die  niedrigeren  Preise  auf

JO)  Holyoake-Häntschke  0.  a.  O.  S.  217.
w a)  Als  Beispiel  diene  eine  der  Praxis  entnommene  Liste  für  Eier:

Einkaufspreis

Verkaufspreis

pro  100  Stück

pro  Stück

4.—  bis  4.50  M.

6  Pfg.

4,60  „  4.90  „

5  Vs  „

5.-  „  6.40  „

6  „

5.50  „  5.80  „

6  V2  „

usw.
■)  S.  23.

usw.

?,
            
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