Fall, wo man also in dieser Beziehung von den privaten Waren
hausbetrieben abweicht. Die Abgabestellen der Konsumvereine sind
deshalb Vollfilialen: „Hier ist Firmenbezeichnung, Betriebskapital,
Wareneigentum und -bezug sowie kaufmännische Oberleitung in weite
stem Umfange gemeinsam."^)
Bei der Errichtung von Verteilungsstellen wird den
Konsumvereinen die größte Vorsicht empfohlen. Niemals sollen
die Konsumvereine mit der Errichtung einer Verteilungsstelle
ein latentes Bedürfnis zu wecken suchen, sondern das Bedürfnis
nach ihr soll schon bei der Errichtung der Abgabestelle zur Genüge
bestehen, d. h. die Rentabilität der Verteilungsstelle soll von vorn
herein durch die Zahl der Mitglieder in der Gegend, wo die Abgabe-
stelle errichtet wird, ganz oder zum großen Teil garantiert sein. Nach
.Heinrich Kaufmanns sollte die Mindestzahl der Mitglieder in
kleinen Orten vor der Errichtung einer Verteilungsstelle 150—200
sein, da erfahrungsgemäß neue Mitglieder vorerst nur einen kleinen
Teil ihres Bedarfes aus der Genossenschaft beziehen. Der Dnrch-
schnittsumsatz, so sagt Kaufmann, stelle sich oft nur auf 120—150
Mark, was einem Jahresumsatz von 18 000—30 000 M. entspreche.
Nun dürften aber die durchschnittlichen Kosten einer Abgabestelle, wenn
sie rentabel sein sollte, 6o/o nicht übersteigen. Bei einem Umsatz von
nur 18 000 Mark würde dieser Prozentsatz überschritten, sofern ein
Verteiler im Hauptberuf angestellt wäre. Deshalb müsse man sich
auf einen Verteiler im Nebenberuf beschränken, was aber nur in kleinen
ländlichen Verhältnissen mit Erfolg durchgeführt werden könne. Wo
aber nur eine einigermaßen beachtenswerte Konkurrenz bestehe, würden
derartige Vereine leicht erdrückt. Im allgemeinen sollte deshalb keine
Abgabestelle errichtet werden, wo nicht von vornherein die Aussicht
vorhanden sei, daß der Umsatz recht bald 25—30 000 M. erreichen
würde. Diese Summe gilt nur für kleine Orte und ländliche Be
zirke. In der Großstadt beginnt nach Kaufmann die Renta
bilität der Verteilungsstellen erst mit einem Umsatz von
mehr als 100 000 M. Vielen Vereinen ist das voreilige
Eröffnen der ersten Abgabestellen oder neuer Abgabestellen ver
hängnisvoll geworden. Kaufmann weist darauf in seinen
Grundsätzen mit besonderem Nachdruck hin, ebenfalls O p p e r m a n n
und H ä n t s ch k e in ihrem Handbuch. Es ist tatsächlich vorgekommeu,
daß man Verteilungsstellen für 20—30 Mitglieder errichtete. K a u f-
i a ) I. Hirs ch, Die Filialbetricbe im Detailhandel. Bonn 1913. S. 7.
2 ) Grundsätze der konsumgenossenschaftlichen Praxis. Hamburg 1907. S. 13.
Echlocsser, Die konsiimgenossenschafrlichc Giitervermittlung. 9