Object: Währung und Handel

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Von 1854 bis 1850 sinken die Getreidepreise, nnd zwar 
ganz ausgiebig, nämlich um 19®/* Perc. ; nnter normalen Ver 
hältnissen hätte dies ohne Frage eine Ermässignng aller 
anderen Preise, oder — wenn man gelten lassen will, dass 
anderweitige Ursachen eine gleichsam säcnlare, allmälige 
Preissteigernng involvirten — doch znm mindesten einen Still 
stand im Preisaufschlage zur Folge haben müssen. Statt dessen 
sehen wir, dass die Productenpreise um 5 80 Perc., die Lebens 
mittelpreise um 12 71 Perc. und der Taglohn vollends um 
80 U7 Perc. gestiegen sind. Der Geldwerth hatte sich ver 
bessert und die Preise beharrten auf den nominellen Sätzen, 
und zwar genau in jener Reihenfolge, die als nothwendig vor 
hergesehen wurde, nämlich die Löhne am entschiedensten, die 
Lebensmittel preise schon im minderen Grade und die Producten 
preise in noch geringerem. In dieser Epoche müssen sich also 
die Arbeiter sehr wohl befunden haben, denn sie hatten es 
verstanden, jede nominelle Lohnverkürzung von sich abzu 
wenden, und erhielten doch für denselben Lohn verhältniss- 
mässig mehr Lebensmittel als früher. Ebenso befand sich der 
Kl ein verkehr in trefflicher Lage, denn seine Preise gingen 
nominell nur unwesentlich zurück, die Anschaffungen aber 
waren ihm zu nominell, und soweit es sich um die Beschaffung 
von Cerealien handelte, sogar zu essentiell ermässigten Preisen 
ermöglicht. Sehr schlecht aber befanden sich die Prodncenten. 
Sie alle mussten im Durchschnitte nominell die alten, ja zum 
Theil erhöhte Lohnsätze bewilligen, bekamen aber für ihre 
Producte fast ohne Ausnahme reducirte Preise. Tn der Land- 
wirthschaft war diese Reduction für Cerealien nicht blos eine 
nominelle, sondern sogar eine essentielle ; doch mag hier immer 
hin das günstige Ernteergebniss, welches eben die starke Preis- 
ermässigung herbeiführte, den Schaden zum Theil ausgeglichen 
haben. Eine vollständige Ausgleichung wird aber schwerlich 
auch hier vorhanden gewesen sein, denn das inzwischen ent 
standene Missverhältniss zwischen Preisen und Löhnen war 
allzugross, es stieg allmälig bis auf nahezu 50 Perc. Wenn 
z. B. im Jahre 1854 auf eine bestimmte Anzahl von Arbeits 
tagen 100 ff. gewendet und für eine bestimmte Menge Ge 
treide ebenfalls 100 ff. gelöst wurden, so mussten im Jahre 
1850 für dieselben Arbeitstage 180 ff. bezahlt werden, während
	        
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