Full text: Kaufmanns Herrschgewalt

212 XVIII. Was für Tarife würde ich aufstellen, 
weniger angegriffen. Wir haben hier in der Tat eine reiche 
Goldmine, welche bei der nächsten Tarifgesetzgebung ausgenutzt 
werden sollte. Wenn wir die Abgaben auf Luxusartikel ver 
doppeln und auf diese Weise andere 114 Millionen Dollar ein 
sammeln könnten, so wäre die Regierung imstande — selbst bei 
einer Verminderung des Gebrauches dieser Gegenstände um ein 
volles Viertel infolge der erhöhten Taxen — 57 Millionen von den 
Schultern der arbeitenden Klassen zu nehmen und auf die der 
vergnügungssüchtigen und extravagant luxuriösen Klassen der Ge 
sellschaft abzuwälzen. Diese vermögen sehr wohl für ihre Extra 
vaganzen zu zahlen — nicht nur zum Nutzen für sie selbst, son 
dern auch für die Gesamtnation. Wollte man es mit einer Zusatz 
gabe versuchen, dann deckten die Einnahmen sehr bald die ganze 
Summe der außerordentlichen Ausgaben; freilich müßte der Zu 
schlag volle 50 Proz. betragen. Das ist weder Schutzzoll noch 
Freihandel und hat mit keinem von beiden etwas zu tun: sondern 
bildet einfach eine Frage des Staatseinkommens; auf keinem 
anderen Wege, so darf man ruhig sagen, sind die notwendigen 
Staatsbedürfnisse so weise: zu decken, als durch Steuern auf aus 
ländische Luxusgegenstände 1 , welche von den Reichen und der 
extravaganten Klasse konsumiert werden. Mein Tarif würde die 
Abgaben auf alle diese Luxusgegenstände verdoppeln. 
Angesichts der Tatsache, daß die hauptsächlichste Veränderung, 
welche das Wilsongesetz hervorbrachte — eine Reduktion der Ab 
gaben auf zwei Drittel der gesamten Tarifeinnahmen — einzig 
und allein zum Nutzen der die importierten Artikel benutzenden 
Reichen ist, muß man sich die Frage vorlegen, weshalb ein so 
ehrenhafter, eifriger und sittlich reiner Mann, wie Herr Wilson, 
die Schultern des Volkes nicht von dieser schweren Last er 
leichterte? Die Antwort darauf ist leicht genug: Er besaß keine 
Erfahrung, hätte die Frage nicht studiert, und ich zweifle sehr, 
ob er heute eine Maßregel vorschlagen würde, die seinen eigenen 
von ihm bekundeten Absichten so vollkommen fremd ist. Die 
Wichtigkeit der Tatsache, daß solch ein Mann, wie er, auf ein 
bloßes Privatleben beschränkt blieb, nur weil ein Distrikt für den 
anderen Stimmen abgab, zeigt sich' hier deutlich. Unsere Gewohn 
heit, nur Repräsentanten zu wählen, die in demselben Distrikt
	        
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