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Es gibt ferner noch eine Reihe von anderen Maßnahmen, um
dem Uebel der stillen Geschäftsstunden zu steuern. Wie allgemein
üblich, läßt man die Zeit durch Putzen der Wagen, Maße, Regale
usw. ausfüllen. Man stellt weniger Verteilerinnen an als es für
den Abend- und Lohntagsverkehr eigentlich nötig wäre ,und bedient
sich dafür einer oder mehrerer Aushilfen. Auch die Abgabe von
frischem Gemüse, wodurch die Mitglieder bereits vormittags in die
Abgabestelle gelockt werden, ist ein Mittel zur Abhilfe; ferner das
Schließen der Abgabestellen zwischen ein und drei Uhr in manchen
Vereinen. Aus den vielen Maßnahmen, die getroffen werden, geht
jedenfalls hervor, wie unangenehm der Uebelstand empfunden wird.
Wer in eine konsumgenossenschaftliche Verteilungsstelle tritt,
dem muß es auffallen, daß ungeheuer viel Kinder Bedarfsgüter
entnehmen. Es gibt Verteilungsstellen, wo 5Q Prozent und mehr
der umgesetzten Güter von Kindern entnommen wurden. Der Pro
zentsatz würde noch höher sein, wenn man die Zahlen der ein
zelnen Güterentnahmen berücksichtigt hätte, anstatt den Gesamt
umsatz, da die größeren Quantitäten in der Regel von Erwachsenen
geholt werden. Auch diese Erscheinung hat teilweise ihren Grund
darin, daß die meisten Mitglieder der unteren Schicht angehören.
Sie haben wenig Zeit, selbst zu kommen, ein Dienstmädchen können
sie nicht schicken, und so müssen eben die Kinder gehen. Weiter
scheint es auch an dem größeren Vertrauen zu liegen, daß man dem
indirekt selbst angestellten Verteilungspersonal des eigenen Unter
nehmens entgegenbringt. , Es soll ja in Erwerbsgeschäften vor
kommen, wenn auch vielleicht selten, daß man Kinder in Quantum
und in Qualität schlechter behandelt als Erwachsene. Derartiges ver
trägt sich nicht mit dem konsumgenossenschaftlichen Charakter. Würde es
aber vorkommen, so wäre das Beschwerderecht bei einem großen Teil
der unteren Schicht im Konsumverein weit größer als im Erwerbs
geschäft, wo der Käufer vielfach dem Verkäufer durch Borgwirtschaft
verschrieben ist.
Es war mir interessant, daß Holyoake bereits in Rochdale
die verhältnismäßig große Entnahme von Bedarfsgütern durch Kin
der konstatierte und darüber in seiner Geschichte der Pioniere von
Rochdale wie folgt schreibt:
„Anderswo sendet man Kinder nicht gern in die Materialwarenläden,
wenn es möglich ist, Erwachsene zu schicken, denn es ist bekannt, daß die
Händler den Kindern in die Hände stecken, was sie wollen. Daß eine große
Anzahl Kinder in die Genossenschaftsläden geschickt werden, um Einkäufe zu
machen, ist ein ehrenvoller Beweis des Vertrauens, welches man zu der
Genossenschaft hat."