Full text: Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

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Dieses Vorgehen der österreichischen Hausfrauen ist sicherlich 
zu begrüßen, zeugt es doch von starkem Konsumentenbewußtsein. Ob 
die gewählte Form die richtige ist, ist eine andere Frage. Zwistig 
keiten werden sich nicht vermeiden lassen. Ob diese Zwistigkeiten zu 
einer Auflösung des Vertragsverhältnisses, oder ob sie zu einer immer 
straffer werdenden Organisation führen werden, bleibt abzuwarten. 
Ist letzteres der Fall, so würde allmählich ein der Konsumgenossen 
schaft ähnliches Gebilde entstehen. Möglich wäre es sogar, daß sich 
die Organisation nach und nach zu einer vollständigen Konsum 
genossenschaft entwickeln würde. Diese Genossenschaft würde sich 
dann nur durch ihre historische Entwicklung von anderen Konsum 
genossenschaften unterscheiden. 
Um einen größeren Einfluß auf die Produzenten zu gewinnen, 
ist es auch möglich, sich mit Kapital an einem Unternehmen zu 
beteiligen; besonders leicht dürfte das bei Aktiengesellschaften 
fallen. Ebenso wie die Angestellten heute schon Aktien erwerben, 
um sich ihre Rechte zu wahren oder noch zu erhöhen, können es auch 
die Konsumenten tun. Das geschieht auch heute schon von beson 
ders straffen Konsumentenorganisationen, wie den Konsumgenossen 
schaften. So hat der Verband schweiz. Konsumvereine 
sich Ende 1913 dadurch einen Einfluß auf eine schweiz. Groß 
schlächterei erworben, daß er einen Teil ihrer Aktien ankaufte. Es 
handelt sich dabei um die Aktien der sich aus die ganze Schweiz 
ausdehnenden Fleischerei der Firma Bell. Schon seit langem trugen 
! sich die schweiz. Konsumvereine mit dem Gedanken der gemeinsamen 
Beschaffung von frischem Fleisch. Man dachte an die Errichtung 
einer Großschlächterei durch den Verband schweiz. Konsulnvereine 
oder an die Errichtung einer selbständigen Genossenschaft für die 
Fleischversorgung u. a. Die Schwierigkeiten, die sich überall zeigten, 
führten schließlich zu dem Plane, die Fleischversorgung in Ver 
bindung mit einer bereits bestehenden Privatgesellschaft durch 
zuführen. Dafür konnte nur die Großschlächterei Bell A.-G., das 
größte und besteingerichtetste Unternehmen nicht nur der Schweiz, 
sondern vielleicht auf dem ganzen Kontinent, in Frage kommen. 
Dieses Unternehmen hat 2,6 Millionen Franken Aktienkapital, ein 
geteilt in Aktien (Namensaktien) zu 500 Franken Nominalwert 
und einen Umsatz von 20 Millionen Mark im Jahre 1912, gegen 
2 Millionen Mark im Gründungsjahre 1909. Der Verband schweiz. 
Konsumvereine trat an die betr. Firma heran mit der Anfrage, ob 
eine Beteiligung an der Gesellschaft mittels Uebernahme von Aktien 
möglich wäre. Sie kündete gleichzeitig an, daß im verneinenden
	        
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