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halben Jahre herbeilassen, um dann im Herbst bei der bevorstehenden
Milchknappheit hohe Preise durchdrücken zu können. Auch sollten die
Konsumvereine einwilligen, keine Milch an andere Konsumvereine
oder Händler zu verkaufen. Da man diese Forderungen nicht
anerkennen konnte, brach man die Verhandlungen ab. Die Konsumvereine
konnten anderwärts genügend Milch bekommen. Wie der
Markenartikelverband, so war denn auch der Milchproduzentenverband
einige Monate später zu einer Einigung bereit. Diese kam auch
zustande, nachdem die Milchbauern ihre den Konsumenten nachteiligen
Bestimmungen aufgegeben hatten.
Ein anderer Fall wird aus England berichtet. Dort wurde
ein Seifenkartell gegründet. Um sich seiner Willkür zu entziehen,
bestellten die englischen Konsumvereine nunmehr ihre Seife
in viel größerem Maße als vorher bei den Seifenfabriken ihrer Großeinkaufsgesellschaft.
Das bedeutete für das Kartell einen großen Rückgang
ini Absatz; man muß berücksichtigen, daß in England ein Drittel
der Bevölkerung in Konsumgenossenschaften organisiert ist. Nach ganz
kurzem Bestehen mußte sich auch daun die monopolistische Organisation
auflösen.
Diese wirtschaftlichen Siege, deren hier noch mehr zitiert werden
könnten — man blättere nur die Konsumgenossenschaftliche Rundschau
durch —, zeigen uns den gewaltigen Einfluß, den die Konsumvereine
im Verkehr mit den Erwerbsgeschäften ausüben: Man tritt aus dem
Kartell aus, um die Konsumvereine nicht als Abnehmer zu verlieren;
man löst sogar Kartelle auf, weil die Konsumgenossenschaften die
Kartellbestimmungen nicht anerkennen wollen. Das ist die ungeheure
Wirkung jener Riesenorganisationen zur Wahrung der Konsumenteninteressen.
Die Konsumgenossenschaften sind sich ihrer Macht
und Stärke natürlich auch bewußt. „Proletarisches Selbstbewußtsein"
nennt es Paul Göhre. Im Jahre 1890, als der Leipzig-Plagwitzer
Verein noch verhältnismäßig jung war, schreibt dieser schon an
eine Firma, die ihn um Referenzen gebeten hatte: „Wir teilen Ihnen
kurz mit, daß wir es nicht für nötig erachten, Referenzen zu geben.
Seit den letzten vier Jahren ist uns dieser Fall nicht mehr vorgekommen
. . . ."?) Im allgemeinen schreiben die Konsumgenossenschaften
in höflichem Geschäftston, ohne allerdings dabei zu „kriechen".
Auch das Schmiergelderunwesen scheint im konsumgenossenschaftlichen
Güterverkehr weniger üblich zu sein als im erwerbs-6
) Paul Göhre, Die deutschen Arbeiterkonsumvereine. Berlin 1910.
S. 190.