Full text: Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

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unterschiede zu urteilen. Außerdem sind es heute oft gerade die 
Käufer, die Schundartikel wünschen. Handel und Industrie kommen 
darin leider dem Wunsche der Konsumenten nach. Darunter haben 
die Konsumvereine in ihrem Bestreben, den Mitgliedern nur Quali 
tätsgüter zu verschaffen, sehr stark zu leiden. 
Aus der Eigenart der Konsumvereine ergeben sich noch weitere 
Abweichungen vom Warenverkehr der Erwerbsgeschäfte. Die nahen 
Beziehungen der Konsumvereine zu den Gewerkschaften einer 
seits und das Bestreben der Konsumvereine, ihren Abnehmern mög 
lichst einwandfreie Güter zu beschaffen, andererseits, gab An 
laß zu folgender Resolution auf dem 7. ordentlichen Genossenschafts 
tag des „Zentralverbandes deutscher Konsumvereine" 1910 in 
München: 
„Hausindustrie und Heimarbeit erweisen sich sowohl in ihrer 
alten, wie in ihrer neuen Form als eine überaus rückständige Betriebsweise. 
Ihre Kennzeichen sind: Lange Arbeitsdauer, niedrige Löhne, Ausbeutung der 
Kinder und ungesunde Arbeits- und Wohnräume, wodurch die Arbeiterklasse 
wirtschaftlich und gesundheitlich schwer geschädigt wird. Die ungeeigneten 
Arbeitsstätten und der schlechte Gesundheitszustand der Heimarbeiter machen 
die Heimarbeit zu einem furchtbaren Herd aller Infektionskrankheiten, wodurch 
eine hohe Gefahr für alle Konsumenten von Heimarbeitsprodukten sowie für 
die gesamte, Bevölkerung entsteht." 
„Soweit die Herstellung der Nahrungs- und Genußmittel durch die Haus 
industrie in Frage kommt, sind generell die hausindustriellen Produkte von 
der Bedarfsbefriedigung der organisierten Konsumenten auszuschließen." 
Die Strafanstaltserzeugnisse betreffend, wurde u. a. 
folgendes beschlossen: 
„Die Arbeitskraft der Gefangenen wird meistens zu einem niedrigen 
Preise an Privatunternehmer verkauft, welche mit Hilfe dieser billigen Arbeits 
kraft minderwertige und billige Produkte herstellen, durch deren Vertrieb 
die reelle Warenverteilung, die Konsumenten und die freien Arbeiter gleicher 
maßen geschädigt werden." 
„Die Vorstände der Konsumvereine werden ersucht, bei ihren Waren- 
einkänfeu und Bestellungen keine Artikel zu kaufen, die ganz oder teilweise 
in Strafanstalten angefertigt sind, und Firmen, die in solchen Anstalten her 
stellen lassen oder Strafanstaltserzeugnisse in Vertrieb bringen, bei Einkäufen 
oder Bestellungen nicht mehr zu berücksichtigen." 
Diese Resolution wie auch die erste werden von den Konsum- 
Vereinen ziemlich streng beachtet. Nicht weniger findet folgende Re 
solution gegenüber den Gewerkschaften die Berücksichtigung der Kon 
sumvereine: 
„Der Vorstand des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine verpflichtet 
sich, den Konsumvereinen zu empfehlen, daß bei Lieferungsaufträgen sowie bei 
Vergebung von Arbeiten der Vereine nur solche Firmen Berücksichtigung finden,
	        
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