Full text : Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

48

Diese  Situation  wurde  ausgenutzt  von  einem  Privatier,  Herrn
Pabst,  der  in  Hamburg  „die  Einkaufsagentur  deutscher  Konsumvereine", ­
  anfangs  ein  reines  Erwerbsgeschäft,  gründete,  das  aber  sofort
Zutrauen  fand.  Erst  als  dann  in  Bremen  von  Ludolf  P  a  r  i  s  i  u  s,
einem  früheren  Gegner  von  Einkaufszentralen,  eine  Großeinkaufsgesellschaft ­
  mit  genossenschaftlichem  Charakter  —  wenn  auch  vorläufig ­
  mit  privatem  Kapital  —  gegründet  wurde,  ließ  sich  auch  Pabst
zu  einer  Umgründung  in  ein  genossenschaftliches  Unternehmen  herbei. ­
  Er  wurde  von  den  interessierten  Vereinen  zum  Geschäftsführer
gewählt,  aber  bald  wieder  infolge  von  Unstimmigkeiten  seines  Amtes
enthoben.  Noch  einmal  traten  die  interessierten  Vereine,  speziell
sächsische  Konsumgenossenschaften,  zur  Konstitutierung  zusammen,  und
am  29.  März  1894  wurde  das  Unternehmen  in  das  Hamburger
Handelsregister  unter  der  Firma  „Großeinkaufsgesellschaft
deutscher  Konsumvereine  m.  b.  H."  mit  einem  Kapital  von
34  500  M.  eingetragen.  An  die  Spitze  der  Gesellschaft  stellten  die
Vereine  Ernst  S  ch  e  r  l  i  n  g,  einen  geschäftsgewandten  Kaufmann,
der  bis  vor  wenigen  Monaten  das  Unternehmen  geleitet  hat.
Die  Gesellschaft  von  P  a  r  i  s  i  u  s  mußte  bald  liquidieren,  was
hier  noch  der  Vollständigkeit  halber  erwähnt  sei.
Die  G.  E.  G.Z  aber  beginnt  ihren  Siegeslauf.  Mag  sie  auch
anfangs  noch  unter  Kapitalmangel  und  organisatorischen  Schwierigkeiten ­
  zu  leiden  gehabt  haben,  eine  feste  Basis  war  ihr  jedenfalls
gegeben  in  dem  genossenschaftlichen  Geist,  von  dem  sie  stets  durchdrungen ­
  war.  Die  Entwicklung  der  G.  E.  G.  wäre  aber  noch  viel
schneller  vor  sich  gegangen,  wenn  sie  vom  Allgemeinen  Verbände  gefördert ­
  worden  wäre.  Die  Produzentennatur  der  Mehrzahl  der  diesem ­
  Verbände  angeschlossenen  Genossenschaften  verhinderte  das
natürlich.
Anfangs  vermittelte  die  Großeinkaufsgesellschaft  nur  Waren
gegen  Provision,  ohne  eigenes  Lager  zu  führen.  Bald  aber  ging  sie
zum  Kauf  auf  Lager  über.  Infolge  des  Barzahlungsprinzips  hatte
die  Gesellschaft  bei  ihren  Lieferanten  schnell  Achtung  erworben.  Auch
die  Abnehmerzahl  nahm  fortwährend  zu.  Ein  Warcnbericht
hielt  die  oft  nur  wenig  vorgebildeten  Geschäftsführer  der  Vereine  auf
dem  Laufenden.  Sehr  wichtig  für  die  weitere  Entwicklung  war,  daß
der  Konsumverein  Zwickau-Schedewitz  im  Jahre  1897  seine  Räume
der  G.  E.  G.  für  die  Errichtung  des  ersten  Zweiglagers  zur  Verfügung ­
  stellte.  Etwas  später  wurde  der  erste  Reisende  angestellt.
8 )  Diese  Abkürzung  ist  in  konsumgenossenschaftlichen  Kreisen  allgemein
gebräuchlich.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.