Contents : Sozialismus und Regierung

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bestimmte  Bedeutung  haben.  Politisches  Talent  deckt  sich  durchaus
nicht  mit  Hochschulbildung  und  Prüfungsreife.  Um  nur  einen  Unterschied ­
  herauszugreifen,  so  muß  jedermann  einsehen,  daß  ein  Bildungsnachweis ­
  weniger  eine  wohl  erwogene  und  durchdachte  Meinung  bezeugt, ­
  als  die  Auszeichnung  einer  Klasse,  die  hohe  Gebühren  bezahlen
kann,  und  als  einen  intellektuellen  Mechanismus,  der  bezeugt,  daß  er
zur  Zeit  der  Prüfung  bestimmte  Fragen  beantworten  konnte.
Selbst  wenn  es  der  Demokratisierung  der  Universitäten  gelänge,
meinen  Einwand  zu  beseitigen,  wäre  die  Stichhaltigkeit  eines  Bildungsgrades ­
  als  Erfordernis  der  Wahlfähigkeit  noch  nicht  gesichert.  Erinnert ­
  man  sich  nur  der  Tatsache,  daß  es  Aufgabe  der  Wählerschaft
ist,  der  ganzen,  ungeteilten  Erfahrungsskala  im  Staatsleben  eine  Vertretung ­
  zu  verbürgen,  so  macht  Unkenntnis  des  Lesens  und  Schreibens ­
  zur  Ausübung  des  Wahlrechts  nicht  unfähiger  als  Weltfremdheit,
gelehrte  Abgeschlossenheit  in  der  Lebensweise  oder  als  jeder  andere
soziale  oder  intellektuelle  Defekt,  der  den  Menschen  von  der  innigen
Berührung  mit  den  weltlichen  Geschäften  abschneidet.  Seinen  Namen
nicht  schreiben  zu  können,  ist  dem  praktischen  Urteil  eines  Menschen
über  die  allgemeinen  Lebensangelegenheiten  bei  weitem  nicht  so  verhängnisvoll, ­
  als  die  erwähnten  Nachteile  der  Bildung,  die  seine  Weisheit ­
  verdunkeln  und  seinen  Ausblick  verengen.  Vielmehr  kann  behauptet ­
  werden,  daß  eine  oberflächliche  Bildung,  die  zur  Verschlingung ­
  wertloser  Literatur,  von  den  Zeitungen  bis  zu  den  Romanen,
geführt  hat,  die  politische  Tüchtigkeit  des  Gemeinwesens  verschlechtert
und  die  öffentliche  Meinung  unter  das  Niveau  gedrückt  habe,  auf  dem
sie  sich  befand,  als  die  Bücherweisheit  weniger  verbreitet  war,  als
sie  heute  ist.
Es  wäre  jedoch  nutzlos  und  Zeitvergeudung,  wollte  ich  die  Kritik
an  diesem  Vorschlag  fortsetzen.  Die  Wählerschaft  hat  nicht  Wissen,
sondern  Verstand  und  Klugheit  zu  zeigen.  Unsere  Erziehungsanstalten
haben  allerdings  heute  noch  kaum  den  Unterschied  zwischen  beiden
erkannt.  Jemand,  der  z.  B.  gern  wählen  möchte,  mag  imstande  sein,
eine  Prüfung  zu  bestehen,  die  ihm  Anwartschaft  auf  die  höchsten  akademischen ­
  Grade  gäbe,  doch  wenn  er  unter  Sozialismus  Vernichtung
der  Familie  oder  Konfiskation  verstände  oder  glaubte,  daß  die  Friedenspartei ­
  unpatriotisch  sei,  so  fiele  er  bei  einer  entsprechenden  Prüfung ­
  seiner  politischen  Intelligenz  sofort  durch,  zu  seinen  Studien
            
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