Full text: Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

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bedingungen zu, die ja in innigem Zusammenhang mit den Preisen 
stehen. Ich weiß nicht, ob darüber schon Untersuchungen angestellt 
worden sind, doch trifft meine Behauptung jedenfalls für die Praxis 
zu. Wo aber jener Preisrückgang aufhört, tritt ein anderes Moment 
ein, d. i. die Kulanz, welche in der nachträglichen Gewährung von 
Vorteilen besteht, z. B. daß man in besonderen Fällen die Abnahme- 
frist verlängert, oder daß man den größeren Abnehmer bei der Liefe 
rung von stark begehrten Artikeln bevorzugt, und endlich, daß man in 
der Expedition die Sendungen für den Großabnehmer möglichst schnell 
abzufertigen sucht. 
Man kann bei den Einkaufsvereinigungen der Konsumvereine von 
einer besondern Preispolitik sprechen. Sie wird durch folgenden 
Fall, der mir aus Württemberg mitgeteilt wurde, illustriert. Vor 
einigen Jahren schlossen sich die Kräuterkäsefabrikanten zusammen 
und suchten recht hohe Preise für ihre Waren zu erlangen. Die 
Württembergischen Konsumvereine setzten sich dem entgegen durch Zu 
sammenlegen ihrer Orders, die sie nur einem Fabrikanten über 
schrieben. Dadurch verloren die anderen einen Teil ihrer Kundschaft 
und es trat Uneinigkeit bei ihnen ein. Die Folge war eine starke 
Preisherabsetzung. 
Auch das folgende Beispiel ist interessant für das Wirken der 
Einkaufsvereinigungen. Dieser Fall wurde mir ebenfalls in liebens 
würdiger Weise aus Württemberg von einem dort bekannten Konsum 
genossenschaftspraktiker mitgeteilt. 
Die beiden Tochtergesellschaften des Rockefcller - Trusts, die 
Deutsch-Amerikanische Petroleumgesellschaft und die Mannheim- 
Bremer Petroleumgesellschaft, hatten bis vor ca. 4 Jahren die 
Alleinherrschaft in Württemberg in der Lieferung von Petroleum. 
Die Preise beider Gesellschaften waren gleich hoch und für den Ver 
braucher ziemlich drückend, auch bei Abschlüssen ließen sich keine 
Sondervorteile bei der einen Gesellschaft gegenüber der andern her 
ausholen. Das Petroleum mußte seinerzeit bei größeren Abschlüssen, 
je nach der Lage des betreffenden Platzes, mit 21 -22 Pfennig für das 
Liter bezahlt werden. 
Nun erschien die österreichische „Olex"-Petroleumgesellschaft auf 
dem Plan und versuchte, ihr galizisches Petroleum zu verkaufen. 
Dies wurde von den Württembergischen Einkaufsvereinigungen wahr 
genommen. Auf Grund ihrer regen Tätigkeit waren sie bald in der 
Lage, mit der „Olex"-Petroleumgesellschaft, die nunmehr in einen 
schweren Kampf mit den Amerikanern eingetreten war, einen Jahres 
abschluß für die Württembergischen Konsumvereine zu tätigen, der es
	        
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