Full text : Die deutsche Hausindustrie

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I.  Kap.:  Begriff  und  Einteilung  der  Hausinduftrie

der  nationalen  Hausindu  ftrie  jene  Gegenftände  auf,  welche  vom  Volke  für  den
eignen  Gebrauch  im  Haufe  hergeftellt  werden  und  zugleich  ein  ethnographifches
  und  künftlerifches  Intereffe  bieten  !  Das  Bedürfnis,  einen  in  fchärfern
Umriffen  gezeichneten  Begriff  der  Hausindu  ftrie  zu  haben,  fühlte  man  er  ft
recht,  als  die  fchaudererregenden  Zuftände  in  den  verborgenen  Winkeln  der
Hausinduftrie  immer  mehr  ans  Tageslicht  kamen,  als  die  Wiffenfchaft  notgedrungen ­
  fich  eingehender  auch  mit  diefem  Problem  zu  befchäftigen  begann
und  man  zunächft  daran  ging,  den  Umfang  der  Hausinduftrie  ftatiftifch  zu  erfaffen.
  Es  kam  daher  auf  dem  Internationalen  Statiftifchen  Kongrejz  zu  Budapeft
  im  Jahre  1876  unter  den  Vertretern  der  verfchiedenen  Nationen  zu  intereffanten
  Erörterungen  über  den  Begriff  der  Hausinduftrie,  wobei  der  Vertreter
Preujzens,  Dr.  Engel,  unter  Hausindujtrie  diejenige  gewerbliche  Betriebsform
verftanden  wiffen  wollte,  bei  welcher  ein  Handlungshaus  von  felbftändigen
oder  u  n  felbftändigen,  aber  in  eigner  Behau  fung  arbeitenden  Gewerbetreibenden
Waren  nach  beftimmten  Vorfchriften  oder  Muftern  gegen  Stückbezahlung  anfertigen ­
  läjzt  und  in  der  Regel  auch  die  Rohftoffe  zu  den  Waren  oder  Warenteilen ­
  liefert.  2 )  Dem  preujzifchen  Vertreter  hatte  dabei  die  im  Frühjahr  1876  in
Preujzen  verfuchte  Enquete  zur  Erfaffung  der  Hausinduftrie  und  die  dabei
zugrunde  liegende  Auffaffung  vorgefchwebt.  Als  nun  bei  der  Berufszählung
im  Deutfchen  Reiche  im  Jahre  1882  die  Hausinduftriellen  zum  erftenmal  Berückfichtigung
  fanden,  ging  man  von  einer  ähnlichen  Begriffsbeftimmung  aus.
Nur  diejenigen,  die  zu  Haufe  in  der  eignen  Wohnung  für  ein  fremdes  Gefchäft
arbeiten,  zu  Haufe  für  fremde  Rechnung  tätig  find,  d.  h.  den  Rohftoff  von  diefem
Gefchäft  geliefert  bekommen,  galten  als  Hausinduftrielle:  eine  Auffaffung,  die
auch  den  fpätern  Berufs-  und  Gewerbezählungen  im  wefentlichen  zugrunde
liegt.
Inzwifchen  hatten  auch  angefehenc  Theoretiker  den  Begriff  der  Hausinduftrie ­
  mehr  und  mehr  entwickelt  und  eine  fefte  Definition,  die  in  ihren
wefentlichen  Punkten  von  den  meiften  angenommen  wurde,  aufgeftellt.
G.  S  ch  m  o  11  e  r,  der  im  übrigen  die  Nationalökonomie  noch  nicht  für  fo  ausgebildet ­
  hält,  da(z  fie  überall  kurze  und  knappe  Definitionen  (durch  die  nächfthöhere
  Gattung  und  den  artbildenden  Unterfchied)  geben  könnte,  weil  ihr  noch
ein  relativ  feftftehendes  Begriffsfyftem  fehlt,  charakterifiert  doch  die  Hausinduftrie ­
  bündig  nach  Art  einer  Definition  als  ,,e  i  n  e  gewerbliche  Unternehmungsform, ­
  bei  welcher  der  kleine  Produzent
nicht  direkt  ansPublikum  verkauft,  fondern  den  Ab-*)
  W.  Stieda,  Literatur,  heu'.igc  Zuftände  und  Entftehung  der  deutfchen  Hausinduftrie, ­
  Leipzig  1889,  14-
            
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