Full text : Die deutsche Hausindustrie

§  2.  Berufliche  und  gecgraphifche  Verteilung  der  Hausinduftrie

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Diefe  Vorteile  liegen  auf  der  Hand  bei  der  hausinduftriellen  Tabakfabrikation,
die  auch  beftändig  zunimmt,  in  der  Konfektion  wären  an  und  für  fich  die
hier  möglichen  Motoren,  Spezialmafchinen  nebft  der  Arbeitsteilung  geeignet,
die  Außenarbeit  in  Fabriken  und  Werkftätten  zu  konzentrieren,  wie  es  in
England  und  Amerika  großenteils  gefchehen  ift.  ln  Deutfchland  aber  behält
die  Heimarbeit  in  der  Konfektion  wegen  des  hier  fehr  ftark  auftretenden
Saifoncharakters,  wegen  der  Zerfplitterung  der  Arbeiterfchaft  und  —  wie
einige  glauben  —  wegen  der  geringen  Kapitaikraft  unferer  Konfektionäre
noch  immer  den  Vorzug.
Der  auf  Dezentralifation  gerichteten  Tendenz  der  Unternehmer  in  gewiffen
Gewerbearten  kommt  übrigens  die  Arbeiterfchaft  oft  ebenfo  begierig  entgegen.
Viele  haben  das  Beftreben,  lieber  im  eignen  Haufe  als  in  der  Fabrik  zu  arbeiten, ­
  um  neben  der  Erwerbsarbeit  auch  den  Pflichten  des  Haushalts  und  der
Kindererziehung  gerecht  zu  werden.  Vor  allem  aber  ift  günftig  für  die  Entwicklung ­
  der  Hausinduftrie  das  Überangebot  von  Arbeitskräften,  namentlich
von  weiblichen,  die  zu  voller  anftrengender  Tagesarbeit  in  der  Fabrik  nicht
fähig  find,  und  die  von  dem  großftädtifchen  Arbertsmarkt  nie  fchwinden
werden.  Denn  im  allgemeinen  ift  es  richtig,  was  Sombart  fagt,  und  die  neuefte
Entwicklung  hat  esbeftätigt,  daß  diezunehmendenHausinduftrien  die  modernen,
die  großftädtifchen  find,  jene  Hausinduftrien,  die  zum  großen  Teil  bafieren
auf  den  in  die  Großftadt  ftrömenden  Bevölkerungsmaffen  und  namentlich
der  weiblichen  Überfchußbevölkerung, r )  während  die  abnehmenden  vorwiegend ­
  die  ältern,  mehr  auf  dem  Lande  anfäffigen  Hausinduftrien  find.
Die  Hausinduftrie  ift  über  das  Gebiet  des  Deutfchen  Reiches
höchft  ungleichmäßig  verteilt.  Zwar  hat  die  ftatiftifche
Erhebung  in  allen  Landesteilen  Heimarbeiter  entdeckt,  aber  oft  in  fo
geringer  Zahl  und  mit  fo  wenig  ausgeprägtem  Charakter,  daß  die  Einwohnerfchaft
  von  dem  Dafein  einer  Hausinduftrie  kaum  etwas  weiß.
Dagegen  verleiht  anderwärts  eine  vorherrfchende  Hausinduftrie  der  ganzen
Gegend  ihr  eigentümliches  Gepräge.  Wollte  man  die  deutfehe  Hausinduftrie
kartographifch  darftellen,  ähnlich  wie  es  Bittmann  in  feinem  Werke  für
Baden  getan,  fo  würde  fich  zeigen,  daß  der  größte  Teil  derfelben  ein
geographifch  zufammenhängendes  Territorium  bildet,  das  fich  vom  Glatzer
Gebirgskeffel  und  dem  Eulengebirge,  jenen  uralten  Sitzen  der  Hausinduftrie, ­
  an  den  Nordabhängen  des  Riefen-  und  Erzgebirges  entlang,
füdweftlich  zum  Fichtelgebirge,  nordweftlich  zum  Thüringer  Wald  und  dem
J )  Sombart,  Art.  „Verlagsinduftrie“  im  Handwörterbuch  der  Staatswiffenfchaften
  VIII  8 .
            
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