Full text : Die deutsche Hausindustrie

§  2.  Berufliche  und  geographifche  Verteilung  der  Hausinduftrie  63

reichs  Sachfen  etwas  Zigarrenfabrikation,  außerdem  einige  hundert  Handfchuhmacher.
  —  In  Schwarzburg-Rudolftadt  wird  Glas-  und  Porzellanbearbeitung  vielfach ­
  hausinduftriell  betrieben.  —  In  Hamburg  ift  zwar  die  Zigarrenhausinduftrie
die  ältere  und  berühmtere,  ift  aber  von  der  Kleiderkonfektion  weit  überholt.
Im  Reichsland  Elfafz-Lothringen  ift  die  bekanntere  Hausinduftrie ­
  die  Woll-  und  Baumwollweberei,  die  fich  um  das  Städtchen  Markirch
gruppiert  und  fich  über  die  Kreife  Schlettftadt  und  Rappoltsweilcr,  teilweife
auch  bis  in  die  Kreife  Molsheim  und  Erftein  ausdehnt.  Im  lothringifchen  Kreife
Saarburg  ift  die  von  Frankreich  herübergekommene  Perl-  und  Weifzzeugftickerei
  zu  Haufe.  In  Unterelfajz  und  Lothringen,  in  der  Gegend  von  Saarunion
und  Saaralben,  befchäftigt  die  Strohhutfabrikation,  und  zwar  insbefondere
die  Strohhutflechterei,  eine  beträchtliche  Anzahl  ländlicher  Hausarbeiter.
Ein  wefentlicher  Teil  des  Hausgewerbes  ift  in  den  Grofzftädten
vertreten.  In  fämtlichen  42  Grofzftädten  (mit  mehr  als  100  000  Einwohnern)
wurden  gezählt  78  110  hausgewerbliche  Haupt-  und  3928  Nebenbetriebe  mit
40  505  männlichen  und  76  665  weiblichen,  insgefamt  117  170  hausgewerblich
tätigen  Perfonen.  Von  den  279  558  Hauptbetrieben  in  der  Hausinduftrie
entfallen  demnach  27,9  Prozent,  von  den  36  110  Nebenbetrieben  10,88  Prozent
auf  die  Grofzftädte.
Von  den  405  263  Hausgewerbetreibenden  entfielen  117  170  oder  28,9
Prozent  auf  die  Grofzftädte.  Die  Verteilung  ift  aber  nach  Gefchlechtern  verfchieden.
  Die  männlichen  Heimarbeiter  in  den  Grofzftädten  umfaffen  23,7
Prozent  von  denen  im  Reiche,  die  weiblichen  dagegen  32,7  Prozent.
Die  Hausinduftrie  ift  jedoch  keine  fpezififch  grofzftädtifche  Erfcheinung
in  dem  Sinne,  dajz  fie  mit  jeder  Grojzftadtbildung  notwendig  verknüpft  fei,
wie  etwa  die  rafche  Bevölkerungszunahme,  die  Induftrialifierung  und  andere
Sozialphänomene.  Die  Hausinduftrie  folgt  vielmehr  gewiffen  verlagsmäfzig
organifierten  Gewerben,  die  in  beftimmten  Grofzftädten  ihren  Standort  gewählt ­
  haben,  namentlich  der  Bekleidungs-  und  Textilinduftrie.  In  den  Zentren
der  fchweren  Induftrie,  wie  Dortmund,  Bochum,  Gelfenkirchen,  Duisburg,
Effen,  ift  das  Hausgewerbe  kaum  beachtenswert.  Dagegen  ift  es  ftark  vertreten
in  den  großen  Konfektionszentren,  namentlich  in  Berlin,  wo  allein  48  402
Heimarbeiter  mit  der  Nadel  befchäftigt  find,  ferner  in  Breslau,  München,
Stettin,  Cöln,  wo  das  Hausgewerbe  ebenfalls  den  dortigen  grofzen  Konfektionsfirmen ­
  fich  angliedert.  Unter  den  übrigen  Grofzftädten  weifen  verhältnismäßig
viel  Hausinduftrie  auf:  Elberfeld,  Barmen  und  Chemnitz  in  der  Weberei,
Plauen  in  der  Spitzenverfertigung,  Hamburg,  Bremen  und  Altona  in  der  Tabakfabrikation ­
  und  Nürnberg  in  der  Metallverarbeitung.
            
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