Full text : Die deutsche Hausindustrie

§  4-  Wohnung,  Ernährung  und  Gefundheit

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Mieten  finden  wir  nach  der  vorliegenden  Enquete  in  Berlin  und  Frankfurt.
Auch  Düffeldorf,  Stuttgart,  Hamburg  und  Wiesbaden  haben  unverhältnismäßig ­
  teure  Wohnungen.  In  Berlin,  Frankfurt  und  Düffeldorf  gibt  es  keine
Dreizimmerwohnung  unter  35  M.  In  Berlin  find  nur  drei  Zweizimmerwohnungen
aufgeführt,  die  weniger  als  20  M.  koften,  und  in  Wiesbaden  nur  eine.  Von
217  Einzimmerwohnungen  kofteten  in  Berlin  104  mehr  als  20  M.  Auch  in
Frankfurt  koftet  die  große  Mehrzahl  aller  Zweizimmerwohnungen  mehr  als
25  M.  auf  dem  freien  Markt.
In  den  Städten  des  Oftens  find  die  Mietpreife  mäßiger.  Im  Weften  (einfchließlich
  Berlin)  wird  der  teilweife  höhere  Lohn  der  Heimarbeiterinnen
durch  die  höhere  Miete  wieder  ausgeglichen.
Das  traurige  Bild  von  der  Wohnungsnot  der  Heimarbeiter  fei  noch  vervollftändigt
  durch  einige  konkrete  Schilderungen,  die  den  Berichten  der  Berliner
Stadtmiffion  entnommen  find 1 )  und  auch  heute  noch  als  „typifche  Fälle“
angefprochen  werden  dürfen.
In  der  Urbanftraße  auf  dem  Hof,  im  Keller,  neben  Wagenremifen  und
Ställen,  liegt  eine  Stube  von  16  qm,  die  von  zwei  Schlafburfchen  benutzt  wird,
die  8  qm  große  Küche  wird  von  einer  40jährigen  Witwe  mit  4  Kindern  bewohnt,
die  Wohnung  ift  fo  feucht,  daß  das  Mobiliar  fchimmelt.  —  In  der  Naunynftraße
  liegt  eine  Wohnung  im  zweiten  Hof  im  Keller.  Auf  dem  Hof  befindet  pch
ein  Pferdeftall,  ein  Kuhftall  mit  15  Kühen  und  eine  Düngergrube.  Die  Wohnung ­
  befteht  aus  einem  10  Schritt  langen,  7  Schritt  breiten  und  3  m
hohen  Raum  und  wird  bewohnt  von  einem  Schneider  mit  Frau  und  3  Kindern.
—  In  der  Pallifadenftraße  im  Quergebäude,  3  Treppen,  wohnt  in  einem
Raume  von  18  qm  Grundfläche  eine  33jährige  Näherin  mit  3  Kindern  von  7,
10  und  12  Jahren.  —  In  der  Greifswalder  Straße  befindet  fich  im  6.  Stock
eine  Dachwohnung  von  Stube  und  Küche.  Sie  wird  bewohnt  von  einem  Mann,
der  an  Kehlkopfkrebs  leidet,  feiner  Frau,  die  Konfektion  näht,  3  Kindern  von
2,  7  und  17  Jahren  und  einem  32jährigen  Schlafmädchen.  Die  Kinder  find
fkrofulös.  —  In  der  Manteuffelftraße  befindet  fich  eine  Kellerwohnung,
beftehend  aus  zweifenftriger  Stube  und  fenfterlofer  Küche.  Die  Wohnung
ift  außerordentlich  feucht  und  dumpfig  und  wird  bewohnt  von  einem  feit
Jahren  bettlägerigen  kranken  Mann,  feiner  Frau,  die  Konfektion  näht,  und
4  fchulpflichtigen  Kindern.  Für  die  6  Perfonen  find  2  Betten  vorhanden,
wovon  eins  der  kranke  Mann  benutzt.  —  In  der  Klofterftraße  im  Quergebäude
befindet  fich  eine  Dachwohnung  von  Stube  und  dunkler  Küche.  Sie  wird  bewohnt ­
  von  einem  55jährigen  Schneider,  feiner  Frau,  einem  17jährigen,  einem

')  Mitgeteilt  bei  G  r  a  n  d  k  e  a.  a.  O.  313  ff.
            
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