Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

214 Sechstes Buch. Zweites LKapitel. 
auch in den altkirchlichen Organismus; die Kathedralstifter 
wurden Ebenbilder reformierter Klöster, der Priesterstand ward 
von unlauteren Elementen gereinigt, in seinen frommen Bestand⸗ 
teilen geläutert und erzogen: die Gesamtkirche setzte sich in 
Einklang mit der Thatsache des Erblühens einer erstmaligen 
national⸗christlichen Frömmigkeit. 
Und höher reckten die begeisterten Freunde der Reform ihre 
Häupter. Sie sahen zum Koͤnig empor als dem Einiger des 
Reiches, wie einst die fränkische Reichskirche auf die neuen 
Imperatoren des Universalstaates geschaut hatte; von ihm er— 
hofften sie Förderung. Nicht vergebens. Wie Ottos Bruder 
Brun ein Anhänger der Reform aus vollem Herzen war, so 
gehörte auch Otto der Große ihr an; nie ist er unter der Krone 
gegangen, ohne vorher gefastet zu haben. 
Der Reform schien das Reich auch in seinen inneren welt⸗ 
lichen, in seinen universalen äußeren Beziehungen offen; inner⸗ 
halb der Kirche schien es fast, als habe sie Kraft genug, die 
alte hierarchische Ordnung zu sprengen: da trat eine neue 
geistige Erscheinung neben sie, die Ottonische Renaissance.
	        
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