Full text: Moratorien und andere Sonderregelungen des Zahlungsverkehrs im Auslande

V. Die Hanse und die nordischen Länder 
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mag ein Bild geben von dem Verkehr, der sich zwischen Hamburg und Lübeck 
bewegte, sie mag aber auch ein Gefühl dafür geben, was eine Störung dieser 
Verkehrslinie für Lübeck bedeuten mußte. Und diese Gefahr drohte ständig 
von Dänemark. 
Wie eine drohende Wetterwolke, aus der immer wieder der zündende Strahl 
zucken konnte, hing im Norden der Landverbindung an der verwundbarsten 
Stelle des lübeckisch-hansischen Verkehrssystems die dänische Macht, den 
Rücken nach der Nordsee, das Gesicht nach Süden gekehrt. Es ist ein eigen- 
tümlich Ding um die imperialistischen Bestrebungen der mittelalterlichen 
dänischen Könige. Zweifellos hat eine Reihe echter Herrschernaturen von 
zroßem Zuschnitt auf dem Throne Dänemarks. gesessen. Von Knut dem 
Großen an geht die Reihe über Waldemar den Sieger zu Anfang des 13. Jahr- 
hunderts, dann über Erich Menved zu Beginn des 14. Jahrhunderts zu 
Waldemar IV. und endlich der großen Margarethe um die Wende vom 14. zum 
15. Jahrhundert. Aber immer wieder steht und fällt alles mit der einen 
Persönlichkeit. Es ist typisch, wie der Nachfolger Margarethes, Erich der 
Pommer, in kurzer Zeit das große politische Erbe verdirbt, das ihm die kluge 
Margarethe hinterlassen hatte. Diese schroffen Wechsel mögen darin ihre 
Ursache haben, daß es sich in Dänemark um das Machtgefühl einzelner 
starker Herrscherpersönlichkeiten handelt, hinter denen aber nicht die 
Lebensnotwendigkeiten eines Volkes standen. Denn das in der Haupt- 
sache agrarische Dänemark mit seinem nur gering entwickelten Städtewesen 
war durch keine inneren Interessen mit dem Imperialismus der größten 
seiner Herrscher verbunden. Hinter dem politischen Gegenspieler seiner 
Könige, der Städtehanse, standen aber die Lebensinteressen der kräftig- 
sten und politisch geschultesten Kaufmannschaft Nord- 
auropas. Und deshalb hebt sich die innere Logik des Werdens dieser Hanse 
gar seltsam ab von dem wirren und oft zusammenhanglosen Auf und Nieder 
der mittelalterlichen dänischen Geschichte. 
Immerhin haben bereits im Mittelalter einzelne dieser dänischen Könige 
Lübeck und seinen Genossen schwer zu schaffen gemacht; und ihr Erfolg 
wäre ein noch weit gründlicherer gewesen, wenn nicht immer wieder 
schroffe Glückswendungen das eben Errungene in nichts hätten zerfließen 
lassen. Durch seine geographische Lage war Lübeck selbst dann am ge- 
fährdetsten, wenn der dänische Stoß nach Süden zielte. 1201 mußte sich die 
Stadt zum erstenmal fügen. Ihre Kaufleute waren auf den damals zuerst 
hervortretenden Schonenschen Märkten, die im dänischen Machtbereich 
lagen, gefangen gesetzt, ihre Güter mit Arrest belegt worden. In dieser 
Zwangslage, ganz auf sich selbst gestellt, wählte Lübeck von zwei Übeln das 
kleinere und nahm die dänische Schutzherrschaft an. Einen Augenblick 
schien es, als ob die deutsche Zentralmacht, das Königtum, den von den 
Dänen überfluteten deutschen Landen an der Wurzel der jütischen Halbinsel
	        
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