Full text : Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte

‚60

V. Die Hanse und die nordischen Länder

Schutz und Freiheit bringen würde: Als Philipp von Schwaben sich im Reiche
eine gesicherte Stellung geschaffen hatte, rüstete er zum Zuge gegen Dänemark.
 Das war im Jahre 1208. Aber mitten in den Vorbereitungen machte die
sinnlose und schmachvolle Mordtat Ottos von Wittelsbach diesen aussichtsreichen
 Plänen ein Ende. Der dann folgende Tiefstand der königlichen Macht
in Deutschland hat gerade für die norddeutschen Interessen ein bedauerliches
Zeugnis in jenem Diplom des jugendlichen Friedrich II. von 1214 hinterlassen.
 Um die Dänen von den Welfen abzuziehen, bestätigt Friedrich dem
Dänenkönig alle Eroberungen jenseits Elbe und Elde sowie in Slawien.
Philipps Verhalten läßt ahnen, was für Segen aus dem aktiven Eingreifen
des Königtums in die nordischen Dinge hätte erwachsen können, das Friedrichs
 erwies die Unmöglichkeit, daß das im Süden ganz engagierte Königtum
 die norddeutschen Angelegenheiten überhaupt sachlich zu behandeln
vermochte. Die norddeutschen Gewalten gingen ihren eigenen Weg, und
ihnen ist es zu verdanken, wenn 1227 der dänische Vorstoß bei Bornhöved
zusammenbrach und das verhängnisvolle Privileg von 1214 seinen Inhalt
verlor*?2).
Es sind für Lübeck und die von Lübeck ausgehende Führerpolitik überaus
erfolgreiche Jahrzehnte, die dem Kampf bei Bornhöved folgten. Zu Ende des
Jahrhunderts stand die Stadt wirtschaftlich und politisch auf einer ungemeinen
 Machthöhe. Die Führung der deutschen Ostseepolitik war damals
endgültig der Genossenschaft der deutschen Kaufleute, die Gotland besuchten,
 entglitten und Lübeck als das caput der deutschen Seestädte anerkannt.
Nur der Name Städtehanse fehlte noch, in der Sache war sie bereits vorhanden.
 Gerade in diesem kraftvollsten Aufstieg wird die Stadt abermals von
einer dänischen Invasion betroffen, Es waren die Zwistigkeiten deutscher
Territorialfürsten, die hier wie so oft den Ausländer ins Land riefen. Diesmal
Streitigkeiten zwischen Brandenburg und Mecklenburg. 1301 stand ein
dänisches Heer in Mecklenburg, also auf der rechten Flanke Lübecks. Und
gleichzeitig hatte der Dänenkönig, diesmal war es Erich Menved, Partei
für den Grafen von Holstein in dessen Kampf mit seinem aufsässigen Adel
genommen. Die Gefahr, holsteinische Landstadt zu werden, stand für Lübeck
unmittelbar bevor. In dieser gefährlichen Lage griff die Stadt zu dem Mittel,
den Dänenkönig selbst, zunächst auf zehn Jahre, “als Schutzherrn anzuerkennen.
 Damit war wenigstens die schlimmere Gefahr behoben, nämlich
die, holsteinische Landstadt zu werden und damit in ein weit fühlbareres
Abhängigkeitsverhältnis zu einem unmittelbar benachbarten Landesherrn
zu geraten. Es ist hier nicht der Ort, den Verlust Lübecks an seiner Führerstellung
 als Folge der dänischen Schutzherrschaft im einzelnen nachzuweisen.
Der erneute Zusammenbruch der dänischen Macht mit dem Tode Erich
Menveds im Jahre 1319 hat es Lübeck dann ermöglicht, in mühsamer Arbeit
das wieder einzuholen, was es 1300 bereits in der Hand hatte: die Führer-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.