fullscreen: Vom Wirtschaftsgeist in Amerika

40 Anschauungen über den Beruf 
händler mußten schon sehr reich sein, um aus der Gering- 
achtung herauszugelangen. Als degradierend werden sonst 
nur persönliche Dienste und Handreichungen für andere be- 
trachtet, weswegen ja nur wenige sich für den Hausdienst 
hergeben und man dort, wo es möglich ist, Neger hierzu 
heranzieht. Das Verhältnis zwischen den Dienstboten, den 
„helps“, die weniger Achtung genossen als die Arbeiter, und 
der „Herrschaft“, den „employers‘“, war deshalb auch lange 
so gesialtet, daß jene gleiche gesellschaftliche Stufe, die An- 
rede mit Mr. und Mrs. und gemeinsame Mahlzeiten mit der 
Familie beanspruchten; so betrachtet zu werden wünschten, 
als ob sie wie Nachbarn von Zeit zu Zeit zur Aushilfe 
kämen %. Dagegen schadet es dem Ansehen nicht, wenn 
etwa Studenten und junge Mädchen aus guter Familie sich 
einen Nebenerwerb als Kellner in Seebädern oder anderen 
sommerlichen Erholungsstätten zu verschaffen suchen. 
In Europa ist in weitestem Umfang der Beruf durch das 
Herkommen geregelt, die meisten sind in ihn hineingeboren 
oder bleiben wenigstens innerhalb eines engen Rahmens, den 
eben die Tradition festlegt, wenn nicht gar die Eltern auf 
einen bestimmten Beruf hindrängen. Derartige Einflüsse 
machen sich in Amerika nur in geringem Grade geltend, weil 
der Beruf nur die Möglichkeit zum Sichdurchsetzen, nur ein 
Mittel zur Erzielung des Erfolges abgeben soll, und man 
wendet sich daher dorthin, wo die besten Aussichten hier- 
für winken. Jeder glaubt für alles geschaffen und geeignet 
zu sein, traut sich alles zu und denkt wie jener Mann, der auf
	        
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