Full text : Der finanzielle Aufbau der deutschen industriellen Aktiengesellschaften in den Jahren 1901 bis 1910

III.  Industrie  der  Maschinen  und  Apparate  (ohne  Elektrizitätsindustrie).
Die  Gruppe  der  Maschinenindustrie  ist  unterteilt  in
1.  Einzelmaschinenbau,  d.  h.  die  Maschinen  werden  im  Einzelbau  oder  beschränktem  Massenbau
hergestellt;  hierhin  gehört  der  Bau  von  Kraftmaschinen  und  Lokomotiven,  Pumpen  und
Werkzeugmaschinen,  Hebezeugen,  Hartzerkleinerungsmaschinen  und  Mühlen  sowie  von
Bergwerksmaschinen.
2.  Massenmaschinenbau,  d.  h.  die  herzustellenden  Maschinen  ermöglichen  weitgehende  Massenfabrikation; ­
  hierhin  wurden  gerechnet  die  Fabriken  für  Textilmaschinen,  landwirtschaftliche
Maschinen,  Fahrräder,  Nähmaschinen,  Schreibmaschinen,  Regulatoren,  Phonographen  und
Gasmessern,  ferner  die  Schloßfabriken  und  eine  Geldschrankfabrik.
3.  Kessel-  und  Apparatebau,  zu  dem  die  Herstellung  von  Kesseln,  Dampfheizungen,  Öfen,  Einrichtungen ­
  für  Zuckerfabriken  und  Brennereien,  von  Armaturen  und  Apparaten  gezählt  wurde.
4.  Eisenbahnwagenbau,  zum  Teil  verbunden  mit  allgemeinem  Maschinen-  oder  Lokomotivbau,
5.  Schiffbau,  meist,  verbunden  mit  Kraftmaschinenbau.
6.  Sonstiger  Maschinenbau,  in  dem  Gesellschaften  verschiedener  Art  zusammengefaßt  sind,  wie
Eisenkonstruktionsfabriken,  Tiefbqhr-  und  Schachtbauunternehmungen,  die  daneben  auch
Maschinenbau  betreiben,  ferner  die  Deutsche  Gas-Glühlicht-A.-G.,  deren  Hauptbetrieb,
die  Herstellung  von  Glühkörpern,  nach  der  gewerblichen  Betriebsstatistik  zum  Maschinenbau ­
  gehört.
1.  Einzelmaschinenbau.
Tabelle  7.
Die  Anzahl  der  Gesellschaften  wächst  von  34  im  Jahre  1901  auf  48  im  Jahre  1910.
Das  eigene  Kapital  .bezogen  auf  das  Aktienkapital  bleibt  in  der  Zeit  der  Untersuchung  ziemlich  gleich;
die  größte  Abweichung  vom  Durchschnitt,  der  126,2°/,,  des  Aktienkapitals  beträgt,  zeigt  das  Jahr  1901
mit  128,7  °/ 0 .  Das  fremde  Kapital,  das  sich  durchschnittlich  auf  58,0  °/ 0  des  eigenen  Kapitals
beläuft,  wovon  22,9  °/ 0  auf  Obligationen  und  Hypotheken  entfallen,  die  28,9  °/ 0  des  Aktienkapitals
betragen,  schwankt  zwischen  50,1  und  69,5  °/ 0 .  Die  großen  Verschiedenheiten  beruhen  meist  auf
Veränderungen  der  kurzfristigen  Schulden;  sie  bewirken  auch  die  gegen  die  benachbarten  Jahre  auffallende ­
  Höhe  des  fremden  Kapitals  in  den  Jahren  1901  und  1907.  Der  niedrige  Anteil  des  fremden
Kapitals  im  Jahre  1909  beruht  auf  starker  Erhöhung  des  Aktienkapitals  bei  gleichzeitiger  Abnahme
des  langfristigen  Kredits,  während  die  Inanspruchnahme  des  kurzfristigen  Kredits  auf  der  Höhe  des
Vorjahres  bleibt.
Der  Anteil  des  produzierenden  Anlagevermögens  am  produzierenden  Vermögen  sinkt  in  den
10  Jahren  von  50,6  auf  38,4  °/ 0 ;  im  Durchschnitt  beträgt  er  43,6  °/ 0 ,  der  des  Betriebsvermögens
56,4  °/ 0 .  Die  Vorräte  mit  einem  Anteil  am  produzierenden  Gesamtvermögen  von  21,2  °/ 0  bleiben
ziemlich  konstant,  zeigen  aber,  entsprechend  den  Kreditoren,  in  den  Jahren  1901  und  1907  den
höchsten  Stand.
Der  Anteil  der  Wertpapiere  und  Beteiligungen  am  Gesamtvermögen  hat  im  ganzen  sinkende
Tendenz;  er  fällt  von  12,1  aufö,5°/ 0 ;  durchschnittlich  beträgt  er  10,0°/ 0  des  Gesamtvermögens  und
20,3  %  des  Anlagevermögens.  Die  Abschreibungen  belaufen  sich  im  Durchschnitt  auf  2,5  °/ 0  des
'Gesamtvermögens.
Die  durchschnittliche  Liquidität  beträgt  2,59;  die  Jahre  1901  und  1907  weisen  mit  2,27
und  2,40  den  niedrigsten  Wert  auf,  da  bei  der  ungewöhnlichen  Höhe  der  kurzfristigen  Schulden
wohl  ein  entsprechendes  Anwachsen  der  Vorräte,  aber  nicht  des  ganzen  Betriebsvermögens  vorliegt.
Betrachtet  man  die  Liquidität  zusammen  mit  dem  Verhältnis  des  dauernd  verfügbaren  Kapitals  zum
Gesamtanlagevermögen,  das  durchschnittlich  1,50%  beträgt,  so  daß  also  das  dauernd  verfügbare
Kapital  zu  einem  Drittel  für  das  Betriebsvermögen  frei  ist,  so  erscheint  die  Liquidität  niedrig,  jedoch
muß  man  bei  ihrer  Bewertung  auch  den  Anteil  des  Betriebsvermögens  am  produzierenden  Vermögen
berücksichtigen,  der  mit  56,4  °/ 0  recht  hoch  ist.
2.  Massenmaschinenbau.
Tabelle  8.
Die  Tabelle  umfaßt  im  Jahre  1901  20  Gesellschaften,  im  Jahre  1910  29  Gesellschaften.
Das  eigene  Kapital  zeigt  bei  großer  Unregelmäßigkeit  in  den  einzelnen  Jahren  im  ganzen  in  seinem
Verhältnis  zum  Aktienkapital  ein  Anwachsen;  im  Durchschnitt  beträgt  es  128,3  °/o  des  Aktienkapitals.
Der  Anteil  des  fremden  Kapitals  am  gesamten  Kapital  zeigt  in  den  letzten  6  Jahren  eine  starke
Zunahme.  An  seiner  Zusammensetzung  sind  die  kurzfristigen  Verpflichtungen  etwas  stärker  als  die
            
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