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silbernem Zeichengeld. Was soll es für einen Sinn
haben, die Barzahlung, wo sie besteht, um jeden
Preis aufrecht zu erhalten, wie manche Vorschlägen?
Als 1848 die österreichische Nationalbank,
die Vorgängerin der österreichisch-ungarischen
Bank von einem Run heimgesucht wurde,
hat sie die Barzahlungen so lange aufrecht erhalten,
als sie konnte. Sie stellte sie ein, als sie
fast kein Geld mehr in ihren Kassen hatte.
Der Effekt dieser Bereitwilligkeit zur Barzahlung
war keine Erhöhung, sondern schließlich
eine Erschütterung des Prestiges. Da die Regierung
aber Geld brauchte, um die Truppen in
Italien zu versorgen, mußte das Silber mit großen
Kosten wieder — zum Teil aus dem Auslande—
zurückgekauft werden. Viel zweckmäßiger verfuhr
die Bank von Frankreich, welche im deutschfranzösischen
Krieg die Barzahlungen zu einer
Zeit einstellte, als die Noten zu 2 / ;i metallisch
gedeckt waren. Noch weiter ging die bulgarische
Regierung während des Balkankrieges, indem sie
überhaupt jeden Goldexport unmöglich machte.
Sie verhinderte z. B. auch Zahlungen ans Ausland
mit der Post. Wollte jemand ins Ausland
verreisen und benötigte dringend Bargeld, so erhielt
er ein mäßiges Quantum von der Nationalbank
ausbezahlt, wenn er durch seinen Paß und
andere Dokumente seinen Zweck beweisen
konnte. Hingegen erhielten Lieferanten von Kriegsmaterial
Gold- und Golddevisen jederzeit anstandslos
ausgefolgt.
Wir sehen, welche Bedeutung im Falle eines
Krieges von mittlerer Ausdehnung die Gold- und
Golddevisenbestände der Notenbank haben. Ich
will an Hand der Bilanz der österreichisch-ungarischen
Bank die für Kriegszwecke wichtigen
Posten der Reihe nach besprechen. In Tabelle XVI
ist eine ergänzte Bilanz der österreichisch-ungarischen
Bank veröffentlicht. Die in schiefer Schrift
eingefügten Postentitel sind entweder an anderer
Stelle von der Notenbank selbst veröffentlicht
worden, oder aber sie beruhen auf Vermutungen,
die sich auf die Geschäfte der Bank stützen.
Beginnen wir mit dem Metallschatz. Wie ich
schon mehrfach betonte, muß man den Goldschatz
von jenem Schatz trennen, der nur aus Zeichengeld
besteht, ln traditioneller Weise bildet die
Bankbilanz noch immer die Summe beider. Außerdem
finden wir im Metallschatz auch Devisen
verzeichnet. Sie werden nur juristisch dem Metallschatz
zugezählt, sie gehören mit den übrigen
Devisen zusammen in den Posten «Andere Aktiven».
Würde man aber die Meinung vertreten, die Devisen
seien überhaupt dem Metallschatz zuzuzählen,
so müßten alle Devisen in den Metallschatz
eingerechnet sein, nicht nur 60 Millionen.
Diese 60,000.000 werden nämlich auf
Grund des Bankstatuts regelmäßig dem Metallschatz
zugerechnet. Was bedeutet dies? Die
Deckung der Noten ist mit 2 / ä festgesetzt. Sie
wurde aber einmal etwas verringert, indem man
60 Millionen Devisen als Gold rechnete, um
die Notenemission nicht einstellen zu müssen.
Man hätte korrekterweise die Bestimmungen folgendermaßen
formulieren müssen: Die Deckung
der österreichischisch ungarischen Bank beträgt
zu mindestens % der umlaufenden Notenmengen,
verringert um 60,000.000. Die bankmäßige Deckung,
besteht dafür aus a /s der Notenmenge, vermehrt
um 60,000.000 aus Wechsel und Devisen. Von
dieser bankmäßigen Deckung muß aber, im Falle
die Metalldeckung weniger als a / 5 beträgt, dies
weniger, welches 60,000.000 nicht übersteigen
darf, aus Devisen bestehen. Wir sehen, daß der
Goldschatz aus Gold in gemünztem und ungemünztem
Zustande besteht. Alles Gold, das nicht
österreichische oder ungarische Prägung aufweist,
wird nach dem Kilogramm in die Bilanz gestellt
und zwar das Kilogramm zu 3278 Kronen, da ja
die Prägegebühr für die österreichisch-ungarische
Bank, wie wir oben erwähnt haben, 2 Kronen
beträgt. Unter den Devisen sehen wir englische
und deutsche ausgewiesen.
Diese Devisentypen sind auch im Posten
«Andere Aktiven» vorwiegend vertreten. Früher
spielten auch die französischen eine große Rolle.
Sie sind heute weniger beliebt, weil sie weniger
tragen, dann aber auch, weil die Bank von Frankreich
mit der Goldabgabe Schwierigkeiten macht.
Uebrigens ist im Kriegsfall der Besitz von Devisen,
die in einem Ort zahlbar gestellt sind, der im
Gebiet einer kriegführenden Partei liegt, keineswegs
immer mit Sicherheit zur Goldbeschaffung
verwendbar. Der Vorschlag, Oesterreich-Ungarn
möge möglichst viele Devisen der Tripleentente
ansammeln, um im Kriegsfall deren Börsen zu
stören, ist nicht ohneweiters realisierbar, da im
Kriegsfall wohl auch die Tripleentente ein
Moratorium erlassen dürfte, ganz abgesehen
davon, daß es noch viele andere Mittel und Wege
gibt, um die Bezahlung von Wechselsummen
hinauszuschieben. Während des Deutsch-französischen
Krieges sank auf ein paar Tage der Kurs
der englischen Devisen in Berlin rapid, weil die
Befürchtung auftauchte, England könnte intervenieren
und dann die Bezahlung der Devisen
verhindern. Vielleicht wird England im Interesse
seines internationalen Kredites auch an den Feind
Gold abgeben, wenn er englische Devisen präsentiert,
aber sicher ist das keineswegs. Jedenfalls
wäre es verfehlt, damit zu rechnen. Der Posten
«Darlehen gegen Handpfand» hat insoferne größeres
kriegswirtschaftliches Interesse, als sich unter den
Pfandobjekten auch Gold befinden kann. Devisen
könnten gelegentlich einmal sich auch unter den
Anlagen des Reservefonds verstecken, der Hauptteil
befindet sich aber im Posten «Andere Aktiven»,
dessen Schwankungen in erster Reihe mit der
Devisenpolitik Zusammenhängen. Man kann aus
den Veränderungen dieses Postens mancherlei ablesen.
Um ein einfaches Beispiel zu erwähnen.
Wenn z. B. der Posten «Andere Aktiven» um
5 Millionen anwächst, der Posten «Goldschatz»
aber um 5 Millionen fällt, dann dürfte dies wohl