Full text : Wissenschaftlicher Sozialismus, Kommunismus, Anarchismus und Bolschewismus

—  9  —

vermögen  ist  zu  beseitigen,  eine  Ersparung  von  solchem  ist  also  ganz  ausgeschlossen. ­
  Eine  Teilung  aller  vorhandenen  Vermögen  dagegen,  die  früher
ihm  oft  in  der  vulgären  Bekämpfung  vorgeworfen  wurde,  erstrebt  er  dagegen
ebensowenig  als  die  ihm  gleichfalls  so  oft  vorgehaltene,  allerdings  völlig
undurchführbare  Gleichstellung  aller.  Gar  nichts  zu  tun  hat  mit  diesem
Sozialismus  die  Sozialdemokratie,  Sie  ist  eine  politische
Partei,  welche  unter  anderen  politischen  Forderungen  die  Republik  für
die  beste  Staatsform  hält  und  die  Herrschaft  der  unmittelbaren
Demokratie  durch  Veranstaltung  von  Plebisziten,  Referendum  und
Initiative  anstrebt,  Ihr  wirtschaftliches  Endziel  ist  freilich  sozialistisch,  ihr
wissenschaftliches,  wirtschaftliches  Programm  baut  sich  ganz  auf  dem  stolzen
Lehrgebäude  des  Karl  Marx  auf,  wie  wir  es  später  noch  kennen  lernen
werden.
Jeder  Sozialdemokrat  ist  also  Sozialist,  aber  längst  nicht  jeder
Sozialist  auch  Sozialdemokrat,  Es  gab  und  gibt  Gelehrte,  welche  auf  Grund
ihrer  Studien  davon  überzeugt  sind,  daß  das  Privateigentum  an  den  Produktionsmitteln ­
  nicht  zweckmäßig  sei  oder  doch  zufolge  naturnotwendiger
wirtschaftlicher  Entwicklung  dem  Gemeindeeigentum  weichen  müsse,  aber
durchaus  nicht  die  politischen  Lehren  und  die  ganze  Weltanschauung  der  Sozialdemokratie ­
  teilen.  Hierher  gehört  u,  a,  insbesondere  der  berühmte
Agrarpolitiker  R  o  d  b  e  r  t  u  s  -  Jagetzow  (1805  bis  1873),  politisch  stand  er
weit  rechts.  Auch  unser  großer  deutscher  Philosoph  Johann  Eottlieb  Fichte
(1762-^1814)  vertrat  in  seinen  Schriften  „Beiträge  zur,Berichtigung  der  Urteile ­
  über  die  französische  Revolution"  (1793),  „Grundlagen  des  Naturrechts
nach  den  Prinzipien  der  Wissenschaftslehre"  (1796)  und  „Der  geschlossene
Handelsstaat"  (1801)  was  heute  selbst  in  hochgebildeten  Kreisen  leider  fast  ganz
unbekannt  ist  —<  durchaus  sozialistische  Ansichten.  Auch  den  berühmten  Ferdinand ­
  L  a  s  a  l  l  e  kann,  wie  wir  später  noch  in  einem  besonderen  Aufsatz
nachzuweisen  hoffen,  schwerlich  die  Sozialdemokratie  als  einen  ihrer  geistigen
Väter  für  sich  in  Anspruch  nehmen,
III.
Der  Kommunismus,  den  wir  an  dritter  Stelle  besprechen  müssen,
geht  noch  ganz  erheblich  weiter  als  der  Sozialismus,  Er  überträgt  der  Gesamtheit ­
  der  Volksgenossen  das  Eigentum  „sogar  an  den  verbrauchbaren
Sachen,  an  den  sogenannten  „Konsumtibilien".  Während  also  in  der  sozialistischen ­
  Staats-  und  Gesellschaftsordnung  das  Individuum  wenigstens  an
Kleidungsstücken  und  Haushaltungsgegenständen  sowie  am  Schmuck  und
Büchern  ein  persönliches  Eigentum  besitzt,  läßt  dieses  der  Kommunismus
nicht  zu.  Die  Gesamtheit  mißt  jedem  einzelnen  sein  Maß  an  Nahrung,
körperlicher  wie  geistiger,  und  Kleidung  zu.  Hier  ist  das  Individuum  nichts
anderes,  als  der  Staats-  oder  Gesellschaftssklave  in  der  Totalität  seiner  Beziehungen. ­
  Der  Kommunismus  verpönt  sogar  das  Privateigentum  an  den
Arbeitserzeugnissen,  während  der  Sozialismus  sich  mit  der  Beseitigung  des
Privateigentums  an  den  Arbeitsmitteln  begnügt.  Die  meisten  Kommunisten
so  namentlich  die  Franzosen  Morelly,  Mably,  Condorcet,  Labeuf  und
seine  Eleichheitsverschwörung  1797,  Buonarotti,  Labet  „Voyage  en  Icarie“
(1840,  und  Blanqui  „Critique  soziale“  verlangen  sogar  die  völlige  gleiche
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.