Full text : Wissenschaftlicher Sozialismus, Kommunismus, Anarchismus und Bolschewismus

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gründet  Marx  seine  Ablehnung  der  Hegelschen  Philosophie,  wonach  die  Ideen
ein  durchaus  selbständiges  Leben  führen  und  die  Schöpfer  des  Wirklichen
sind  mit  den  Worten  „Bei  mir  ist  umgekehrt  das  Ideelle  nichts  Anderes
als  das  im  Menschenkopf  umgesetzte  Und  übersetzte  Materielle."  Eine  ausführliche ­
  kritische  Auseinandersetzung  mit  dieser  Lehre  ist  hier  nicht  am
Platze.  Nur  einige  wenige  kritische  Bemerkungen,  in  Anlehnung  an  das
grundlegende  große  Werk  Rudolf  Stammler's  „Wirtschaft  und  Recht"  (3.
Auflage  1914),  das  die  endgültige  wissenschaftliche  Ueberwindung  des  historischen ­
  Materialismus  bedeutet.  Danach  gibt  die-Lehre  die  beste  Anregung,
die  bisher  entstanden  ist,  in  der  Wissenschaft  überhaupt,  aber  sie  ist  unfertig
und  unausgedacht.  Alles  soziale  Leben  der  Menschheit  ist  ein  unter  äußeren ­
  Regeln  stehendes.  Diese  Regeln  aber.rühren  -von  Menschen  her,  Menschen ­
  aber  wiederum  sind  denkende,  wollende,  Ziele  sich  setzende  und  erstrebende ­
  Wesen.  Sie  bedienen  sich  einzeln  und  noch  mehr  im  planmäßigen
bewußtem  Zusammenwirken  von  Vereinen  und  Parteien  bestimmter  Mittel
zur  Erreichung  bestimmter  Ziele.  Kurz,  allenthalben  im  sozialen  Leben  der
Menschheit  herrscht  das  Zweckgesetz  und  nicht  wie  Marx  es  gelehrt  hat,  das
blinde  eherne  unerbittliche  Naturgesetz.  Der  historische  Materialismus  teilt
den  schweren  Fehler,  alles  und  jeden  Empirismus,  die  Erfahrung  selber  als
absolut  bestehend  zu  nehmen.  „Er  beschränkte  sich  grundsätzlich  auf  die  Konstatierung ­
  desserg-was  im  sozialen  Leben  nun  wirklich  geschieht  uNd  tatsächlich ­
  erstrebt  wird.-Das  aber  kann  Gesetz  und  Einheit  im  menschlichen
Gesellschastsdasein  nimmer  liefern.  Denn  dieses  ist  auf  bestimmte  äußere
Regelung  gegründet,  deren  eigentümliches  Wesen  die  Zweckverfolgung  «ausmacht." ­
  Die  angeblich  souveränen  „Produktionsverhältnisse"  des  Karl.Marx
sind  weiter  nichts  als  „Rechtsverhältnisse",  Ausflüsse  von  RechtsinstitutioNen
  und  diese  wieder  sind  die  Ergebnisse  zweck-  uickn,  zielbewußten
menschlichen  Handelns.  .Der  Mensch  ist  eben  der  Bürger  zweier  Welten:
nicht  nur  der  Körperwelt  und  dem  Naturreich  gehört  er  an,  auch  des  Reichs
des  Geistes  ist  er  teilhaftig,  in  ihm  aber  gilt  das  Zweckgefetz  und  nicht  unerbittliches ­
  NatUrgebot.  Aür  das  Werdende  und  Seinsollende  ist  Erfahrung
allein  schlechthin  unbrauchbar.  Wie  Kant  mit  Mcht  lehrt:  „in  Betracht
der  Natur  gibt  uns  Erfahrung  die  Regel  an  die.Hand  und  ist.der  Quell
der  Wahrheit;  in  Ansehung  der  sittlichen  Gesetze  aber  ist  Crfahtung  leider
die  Mütter  des  Scheins  und  es  ist  höchst  verwerflich,  die  Gesetze  über  das,
was  ich  tun  soll,  von  demjenigen  herzunehmen  oder  einschränken  zu  wollen,
was  getan  wird."
Mit  aller  Entschiedenheit  muß  besonnene  kritische  Ueberlegung  die  einfach ­
  fatale  Verwechselung  von  Naturgesetz  und  sozialem  Gesetz,  von  natürlichen ­
  Verlauf  und  .geistig-sozialer  Entwickelung  zurückweisen.  Mit  Recht
erklärt  daher  Cohen  (a.  a.  O.  S.  313)  die  materialistische  Geschichtsauffassung
für  einen  logischen  und  auch  ethischen  Fehler.  „Wer  sich  auf  die  These  versteigt, ­
  daß  der  Mensch  schlechterdiUgs  das  Produkt  der  Wirtschaft  und  des
Verkehrs  sei,  gerade  weil  er  als  Produzent  derselben  bedingt  und  verdingt
sei,  der  hat  sich  Mephisto  verschrieben  ;  der  hat  den  Unterschied  zwischen  der
Materie  und  dem  Geiste  Und  der  Sittlichkeit  des  Menschen  preisgegeben.
Der  Geist  des  Menschen  ist  seine  sittliche  Freiheit."  Einige  wenige  praktische
Beispiele  aus  dem  Leben  seien  zur  Erhärtung  unserer  grundlegenden  Bemer-
            
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