Full text : Wissenschaftlicher Sozialismus, Kommunismus, Anarchismus und Bolschewismus

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Die  Grundlage  des  ganzen  marxistischen  Lehrsystems  ist  nun  der  sogen,
„geschichtliche,  historische  Materialismus".  Um  von  vornherein  ein  grobes
Mißverständnis  auszuschließen,  so  sei  mit  allem  Nachdruck  betont,  daß  diese
große  sozialphilosophische  Lehre  mit  dem  plattesten  philosophischen  System,
das  es.  überhaupt  gibt,  dem  des  „Materialismus",  wonach  alles  geistige
Leben  lediglich  und  ausschließlich  auf  die  Bewegung  der  Materie  zurückzuführen ­
  ist,  gar  nichts  zu  tun  hat.  Dieser  philosophische  Materialismus  sucht
Antwort  zu  geben,  worauf  alle  geistigen  Vorgänge  zurückzuführen  sind,  der
geschichtliche  Materialismus  dagegen  sucht  die  Triebkräfte  der  gesellschaftlichen ­
  Entwickelung  zu  erklären!.  Er  will  alles  und  jedes  gesellschaftliche
Leben  in  letzter  Linie  auf  rein  wirtschaftliche  Vorgänge  zurückführen.  Er
leugnet  keineswegs,  wie  manche  Kritiker  gemeint  haben,  die  Ideale  restlos
und  will  noch  vüel  weniger  alles  und  jedes  restlos  auf  grob  materielle  Genüsse ­
  zurückführen  und  diese  als  höchstes  Lebensgut  preisen.  Auch  diese  einheitliche ­
  und  in  sich  geschlossene  Weltanschauung  des  ökonomischen  oder
historischen  Materialismus  erkennt  Ideale  als  wirksam  durchaus  an,  aber
sie  haben  nach  ihm  keinerlei  selbständige  Bedeutung,  haben  keine  Urkraft
und  bilden  nicht  die,Wurzel  der  Dinge,  alle  und  jegliche  Ideale  sind  vielmehr ­
  weiter  nichts  als  die  Schatten,  bloße  Reflexe  wirtschaftlicher  Vorgänge. ­
  Ihre  klarste  und  knappste  Formulierung  hat  diese  Lehre  in  der
Vorrede  zu  der  1859  erschienenen  „Kritik  der  politischen  Oekonomie"  gefunden. ­
  Dort  sagt  Marx  ß.  XI:  „In  der  gesellschaftlichen  Produktion  ihres
Lebens  gehen  die  Menschen  bestimmte,  notwendige,  von  ihrem  Willen  unabhängige ­
  Verhältnisse  ein,  Produktionsverhältnisse,  die  einer  bestimmten
Entwickelungsstufe  ihrer  materiellen  Produktionskräfte  entsprechen.  Die
Gesamtheit  dieser  Produktionsverhältnisse  bildet  die  ökonomische  Struktur
der  Gesellschaft,  die  reale  Basis,  worauf  sich  ein  juristischer  Und  politischer
Ueberbau  erhebt,  und  Melcher  bestimmte  gesellschaftliche  Bewußtseinsformen
entsprechen.  Die  Produktionsweise  des  materiellen  Lebens  bedingt  den  sozialen ­
  politischen  und  geistigen  Lebe-nsprozeß  überhaupt.  Es  ist  nicht  das
Bewußtsein  der  Menschen,  das  ihr  Sein,  sondern  umgekehrt,  ihr  gesellschaftliches ­
  Sein,  das  ihr  Bewußtsein  bestimmt.  Auf  einer  gewissen  Stufe  ihrer
Entwickelung  geraten  die  materiellen  Prodüktionskräfte  der  Gesellschaft  in
Widerspruch  mit  den  vorhandenen  Produktionsverhältnissen,  oder  was  nur
ein  juristischer  Ausdruck  dafür  ist,  mit  den  Eigentumsverhältnissen,
innerhalb  derer  sie  sich  bisher  bewegt  hatten.  Aus  Entwickelungsformen ­
  der  Produktivkräfte  schlagen  diese  Verhältnisse  in  Fesseln  derselben ­
  um.  Es  tritt  dann  eine  Epoche  sozialer  Revolution  ein.  Mit  der  Veränderung ­
  der  ökonomischen  'Grundlage  wälzt  sich  der  ganze  ungeheure
Ueberbau  langsamer  oder  rascher  um."  Rach  großen,  ehernen,  unerbittlichen
Naturgesetzen  müssen  wir  also  alle  unseres  Daseins  Kreise  vollenden.  Ebenso
wie  in  der  Naturgeschichte,  so  herrscht  auch  in  der  Menschheitsgeschichte,  im
ganzen  sozialen  Leben,  nur  allein  das  Kausalitätsgesetz,  Zwecke  und  Zielsetzungen ­
  gibt  es  nicht,  ebensowenig  Ideale.  Gänz  ausdrücklich  erklärt  Marx:
„Sie  fd-  h.  die  Arbeiterklasse)  hat  keine  Ideale  zu  verwirklichen,  sie  hat  nur
die  Elemente  der  neuen  Gesellschaft  in  Freiheit  zu  setzen,  die  sich  bereits  im
Schoße  der  zusammenbrechenden  Bourgbigesellschaft  entwickelt  hat."  Und
weiter  in  seiner  Vorrede  zur  zweiten  Auflage  des  „Kapital"  (S.  XVII)  be ­
            
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