Metadata: Theorie der forstlichen Oekonomik

Preisbildung des Holzes. 27 
[lichen Handelns des Menschen vorhanden; für die 
Frage, ob wirtschaftliches menschliches Handeln 
heute auf ihn verwandt werden soll, sind die Pro- 
duktionsk osten, die im Laufe der letzten hundert 
o d er zweihundert Jahre auf ihn verwandt worden 
sind, völlig gleichgültig. Es wird niemandem einfallen, der 
Forstwirtschaft die Daseinsberechtigung absprechen zu wollen, wenn sich 
herausstellen sollte, daß die aufgewandten Produktionskosten sich in jedem 
Falle nur sehr niedrig verzinst haben. 
Die Frage, die in bezug auf die wirtschaftliche Benutzung eines 
vorhandenen Waldes zu stellen ist, lautet im einfachsten denkbaren Falle: 
Ist der Holzpreis höher als die Werbungskosten ? 
Wird der Begriff der Fortdauer des Waldes mit dem der wirtschaftlichen 
Benutzung verbunden, so lautet die Frage: I st d er Holzpreis so 
hoch, daß er außer den Werbungskosten auch die 
Kosten der Neubegrün dung des Bestandes auf der 
abge h o lzten Fläche de < t ? Und wird endlich die wirtschaftliche 
Benutzung dahin erweitert, daß nachhaltig gleiche Erträge bezogen werden 
sollen, so würde die wirtschaftliche Erwägung zu lauten haben: Ist der 
Holzpreis so hoch, d aß die nachhaltigen jährlichen 
Erträge die jährlich en Werbungs-, Kultur- und 
Verwaltungskosten übersteigen ? Die erste der drei Er- 
wägungen wird heute praktisch vor der wirtschaftlichen Erschließung von 
Urwaldungen angestellt werden; sie kommt im modernen, nachhaltig 
bewirtschafteten Erwerbswalde unter Umständen in Betracht bei 
Beurteilung der Frage, ob gewisse geringwertige Sortimente aufgearbeitet 
werden oder im Walde verbleiben sollen. Im übrigen ist im modernen 
Erwerbswalde das Ansstellen der drei Erwägungen überflüssig, da ein 
Überwiegen der laufenden Erträge über die laufenden Kosten im 
allgemeinen entweder schon in der Gegenwart oder bei ausgedehnten 
Jungbeständen in der Zukunft sicher ist. Eine Ausnahme bildet die forstliche 
Bewirtschaftung gewisser Ödländereien und die Neuaufforstung, die nicht 
aus wirtschaftlichen, sondern aus forstpolitischen Gründen erfolgt, und die 
r dem Staate oder kapitalkräftigen Kommunalverbänden über- 
lassen bleibt. 
Wir sstellen also fest, daß der Holzpreis eine 
Voraussetzung, aber niemals eine Folge der Wirt- 
s< a f t se in k an n. Das schließt im Einzelfall nicht aus, daß durch 
bestimmte Wirtsschaftsmaßnahmen, z. B. Aufästen wertvoller Eichen-
	        
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