Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Postverkehr.

959  mm

setzen  die  Dinge  ganz  ähnlich  aus:  umfangreiche,  z.  T.  großartige  Projekte  und  Vorarbeiten,
aber  noch  wenig  positive  Leistungen!  Besonders  hervorgehoben  sei  der  1909  in  Angriff
genommene  Umbau  des  schwedischen  Trollhätta-Kanals  (vgl.  S.  473),  der  bis  zum  Jahre
1915  auf  4  m  Tiefe  gebracht  werden  soll.
In  den  Vereinigten  Staaten  ist  von  den  großartigen  Plänen,  die  u.  a.  auf  die
Schaffung  eines  Großschiffahrtsweges  von  den  Großen  Seen  bis  zum  Mexikanischen  Golf
und  zur  Hudsonmündung  hinauslaufen,  ebenfalls  noch  wenig  verwirklicht  worden.  Die
bedeutsamste  Leistung  der  letzten  Jahre  war  der  Umbau  des  in  seinen  Anfängen  aus
dem  Jahre  1825  stammenden  Eriekanals,  der  die  überaus  wichtige  Verbindung  zwischen
dem  Hudsonfluß,  d.  h.  also  New  Jork,  und  den  Großen  Seen  vermittelt.  Der  alse  Kanal
genügte  natürlich  für  die  Dimensionen  der  heute  gebräuchlichen  Schiffe  in  keiner  Weise  mehr.
Nach  langen  Überlegungen  und  hitzigen  Kämpfen  über  die  vorteilhafteste  Umgestaltung  wurde
1903  ein  nachträglich  durch  Volksabstimmung  gutgeheißener  Gesetzentwurf  veröffentlicht,
der  insgesamt  751  km  Kanalweg  im  Erie-,  Champlain-  und  Oswegokanal  mit  einem
Kostenaufwand  von  424  Millionen  Mark  für  Schiffe  von  1000  t  (später  auf  2000  t  erhöht)
Tragfähigkeit  umzubauen  empfahl,  wozu  später  noch  37  weitere  irrn  zur  Verbindung  mit
dem  Cayuga-  und  Senecasce  bewilligt  wurden.  Die  Tiefe  wurde  auf  3,66  m,  die  Spiegelbreite ­
  auf  37,52  m,  die  Sohlenbreite  auf  22,8  irr  festgelegt.  Mit  dem  Bau  wurde  1905
begonnen;  ursprünglich  sollte  er  in  sieben  Jahren  beendet  werden,  doch  dürfte  wohl  das
Jahr  1915  herankommen,  bevor  die  Betriebsübergabe  erfolgen  kann.
In  Kanada  ist  der  wichtigste  Fluß,  der  St.  Lorenzstrom,  der  der  Schiffahrt  eine
vortreffliche  Wasserstraße  bis  ins  Herz  des  Landes  öffnet,  der  aber  von  Ozeanschiffen  ohne
weiteres  nur  bis  Quebec  befahren  werden  kann,  seit  1907  bis  Montreal  hinauf  auf  eine
Tiefe  von  10,4  m  gebracht  worden,  nachdem  schon  in  den  vorausgegangenen  Jahrzehnten
das  ursprünglich  nur  3 2 / s  m  tiefe  Flußbett  zu  wiederholten  Malen  vertieft  worden  war.
Ebenfalls  im  Jahre  1907  wurde  mit  dem  Bau  des  Trentkanals  begonnen,  der  den
Ontario-  mit  dem  Huronsee,  zwischen  Trenton  und  Toronto,  verbinden  wird:  bisher  ist
der  Kanal  jedoch  noch  nicht  beendet.
Postverkehr.
Tie  Ausgestaltung  des  Postwesens  in  allen  Kulturländern  ist,  vor  allem  dank  der
genialen  Tätigkeit  Heinrichs  v.  Stephan,  schon  in  der  letzten  Hälfte  des  19.  Jahrhunderts
so  großartig  gewesen,  daß  es  kein  Tadel,  sondern  eine  ehrende  Anerkennung  ist,  wenn  man
feststellt,  daß  seit  der  letzten  Jahrhundertwende  großzügige,  einschneidende  Fortschritte  und
Verbesserungen  nicht  mehr  zu  verzeichnen  waren.  Im  Verkehr  mit  bestimmten  Gebieten
der  Erde  sind  zwar  durch  den  steten  Ausbau  des  Welteisenbahnnetzes  erhebliche  Abkürzungen ­
  des  Posttransports  ermöglicht  worden  —  es  sei  nur  erinnert  an  den  Verkehr  zwischen
Europa  und  Ostasien,  der  sich  jetzt  zum  überwiegenden  Teil  auf  der  Sibirischen  Bahn  in
ungefähr  der  Hälfte  der  früher  benötigten  Zeit  abspielt.  Im  übrigen  aber  beziehen  sich
die  Fortschritte  zumeist  auf  verhältnismäßig  untergeordnete  Fragen,  Portoermäßigungen,
Beschleunigungen  usw.  Auf  jedem  der  alle  paar  Jahre  stattfindenden  Weltpostkongresse
werden  einige  der  von  der  Handels-  und  Geschäftswelt  geäußerten  Wünsche  berücksichtigt,
die  meist  nur  nebensächlicher  Art  sind.  Die  einzige  große  prinzipielle  Angelegenheit  des
Weltvostverkehrs,  die  bisher  noch  nicht  verwirklicht  worden  ist  und  in  der  die  beteiligten  Regierungen ­
  den  Wünschen  des  internationalen  Handels  noch  nicht  nachzukommen  vermochten,  ist  die
.Forderung  des  einheitlichen  Welt-Pennhportos,  die  dahin  geht,  daß  man  für  10  Pfennig ­
  oder  10  Cts.  einen  Brief  in  jedes  dem  Weltpostgebiet  angehörende  Land  senden  kann,  wie
es  z.  B.  von  Deutschland  nach  Österreich,  nach  den  Vereinigten  Staaten  und  nach  den  deutschen
Kolonien  schon  heute  möglich  ist.  1906  wurde  auf  dem  Postkongreß  in  Rom  von  den  Vertretern ­
  Ägyptens  und  Neuseelands  ein  Antrag  auf  allgemeine  Einführung  des  Welt-Pennyportos
  gestellt,  doch  lehnten  die  führenden  Kulturländer  den  Antrag  einmütig  ab,  da  sie
von  der  Verwirklichung  zu  große  Einnahmeausfälle  befürchteten.  Auch  jetzt  noch  sind  die
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.