Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Die  Luftschiffahrt.

sinkende  Schiff  abgab,  wurden  von  den  Kriegsschiffen  „Iowa"  und  „Hamilton"  aufgefangen. ­
  Die  „Iowa"  war  zuerst  zur  Stelle;  sie  ließ  ihre  Boote  herab,  um  die  zweihundert ­
  Reisenden  nebst  der  Mannschaft  zu  bergen,  was  ihr  auch  glücklich  gelang.
So  könnte  man  in  langer  Kette  Erfolg  an  Erfolg  reihen.  Immer  zeigt  sich,  daß  die
Funkentelegraphie  den  gehegten  Erwartungen  als  Retter  in  Seenot  entspricht.  Fürwahr,
die  Technik  hat  uns  wunderbar  weit  gebracht.  Aber  noch  stehen  wir  inmitten  der  Entwickelung. ­
  In  der  Zukunft  Schoße  ruhen  noch  ganz  andere  Erfolge.  Wem  fiele  bei  solchen
Betrachtungen  nicht  jenes  Zukunftsbild  ein,  das  Professor  Ayrton  von  der  einstigen  Gestaltung ­
  des  menschlichen  Gedankenaustausches  in  folgende  Worte  kleidet:  „Einst  wird
kommen  der  Tag,  wenn  wir  alle  vergessen  sind,  wenn  Kupferdrähte,  Guttaperchahüllen
und  Eisenband  nur  noch  im  Dunkel  der  Museen  ruhen,  da  wird  das  Menschenkind,  das
mit  dem  Freunde  zu  sprechen  wünscht  und  nicht  weiß,  wo  er  sich  befindet,  mit  elektrischer
Stimme  rufen,  die  allein  nur  jener  hört,  der  das  gleichgestimmte  elektrische  Ohr  besitzt.
Er  wird  rufen:  „Wo  bist  du?"  Und  die  Antwort  wird  erklingen  in  sein  Ohr:  „Ich  bin
in  der  Tiefe  des  Bergwerks",  „auf  dem  Gipfel  der  Anden"  oder  „auf  dem  weiten  Ozeane".
Oder  vielleicht  wird  keine  Stimme  antworten,  und  er  weiß  dann,  sein  Freund  ist  tot."  —
Die  Luftschiffahrt.
Die  Großartigkeit  der  Erfolge  der  drahtlosen  Telegraphie,  so  allgemeine  Anerkennung
sie  finden,  ist  doch  nicht  ohne  weiteres  im  ganzen  Umfange  im  großen  Publikum  gewürdigt;
die  drahtlose  Telegraphie  entbehrt  gewissermaßen  der  Popularität,  was  nicht  zum  wenigsten
daran  liegt,  daß  die  technischen  Einzelheiten  dem  Laienverständnis  nicht  ganz  leicht  zugänglich ­
  sind,  in  erster  Linie  aber  darauf  zurückzuführen  ist,  daß  diese  technische  Großtat
so  ganz  und  gar  nicht  eine  sportliche  Auswertung  möglich  macht.  Wo  das  sportliche  Interesse ­
  geweckt  wird,  das  jetzt  auch  schon  in  Deutschland  einen  fast  gar  zu  breiten  Raum  einnimmt, ­
  da  treten  die  epochemachenden  technischen  Neuerungen  von  vornherein  viel  mehr  in
den  Brennpunkt  der  öffentlichen  Aufmerksamkeit  und  werden  dementsprechend  ungleich  mehr
gewürdigt.  Das  zeigt  sich  nirgends  deutlicher  als  in  der  Lösung  des  Problems,  das  seit
Jahrtausenden  unzählige  phantasiereiche  Köpfe  mit  magischer  Gewalt  angezogen  hat  und
dessen  stolze  Überwindung  zwar  noch  nicht  vollständig  gelungen,  aber  doch  in  glückverheißendster ­
  Weise  angebahnt  worden  ist:  in  der  Lösung  des  Flugproblems.
Man  kann  schon  heute  mit  einiger  Sicherheit  behaupten,  daß  die  Kunst  des  Fliegens
voraussichtlich  dem  ganzen  zwanzigsten  Jahrhundert,  so  jung  es  noch  ist,  das  charakteristische
Gepräge  in  technischer  Beziehung  aufdrücken  wird.  Die  Verwirklichung  eines  der  ältesten
und  holdesten  Ideale  der  Menschheit,  die  Erfüllung  eines  unzählig  oft  geträumten,  lieblichen ­
  Traumes,  die  sich  in  den  allerletzten,  wenigen  Jahren  vor  unsren  staunenden  Augen
vollzogen  hat,  sie  stellen  einen  so  handgreiflichen,  auch  dem  blödesten  Verstand  einleuchtenden
Fortschritt  dar,  daß  man  wirklich  nicht  weiß,  welchen  sonstigen  technischen  Fortschritt  das
zwanzigste  Jahrhundert  noch  sollte  bringen  können,  der  cs  an  Volkstümlichkeit  und  Begeisterungskraft ­
  mit  der  Luftschiffahrt  in  ihren  beiderlei  Gestalten,  dem  Lenkballon  und  dem
Flugapparat,  sollte  aufnehmen  können.
Für  beide  Zweige  der  Luftschiffahrt  ist  ein  und  dasselbe  Jahr  als  das  eigentliche
Epochejahr  zu  bezeichnen:  1908.  Nicht  mit  einem  Schlage  wurden  die  sentationellen  ersten
Erfolge  jenes  denkwürdigen  Sommers  erreicht;  schon  in  den  vorausgegangenen  10  oder
20  Jahren  waren,  von  der  Öffentlichkeit  weniger  bemerkt,  beachtenswerte  Leistungen  vollbracht ­
  worden.  Aber  was  damals  in  rascher  Aufeinanderfolge  Graf  Zeppelin  und  die
beiden  Brüder  Wright  sowie  manche  andren  Vorkämpfer  der  Eroberung  der  Luft  der  staunenden ­
  Mitwelt  offenbarten,  das  war  der  Angel-  und  Ausgangspunkt  einer  unerhört  raschen
und  glänzenden  Entwickelung,  auf  die  wir  schon  heute,  obwohl  ihre  Geschichte  erst  wenige
Jahre  zurückreicht,  mit  fast  ehrfürchtiger  Bewunderung  zurückblicken  müssen.
Mit  den  Fragen  des  Weltverkehrs  hat  die  Luftschiffahrt,  streng  genommen,  noch
nichts  zu  tun.  Wir  glauben  und  hoffen,  daß  die  Luftschiffe  und  Flugapparate  dereinst  ein
            
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