Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

:

Entwickelung  der  Luftschiffahrt.

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hervorragendes  Verkehrsmittel  werden  können,  aber  gegenwärtig  kann  man  in  ihnen,  auch
bei  optimistischer  Beurteilung,  nicht  mehr  sehen  als  ein  wahrscheinlich  ausnehmend  zukunftsreiches ­
  Mittel  sportlicher  Betätigung,  und  die  verschiedenen  Versuche,  einen  regelmäßigen
Luftverkehr  der  einen  oder  andren  Art  ins  Leben  zu  rufen,  halten  bis  jetzt  zumeist  nur  einen
Kuriositätswert.  —  Die  Luftschiffe  werden  sich  ja  wohl  noch  zuerst  in  den  Dienst  der
regelmäßigen  Verkehrsabwickelung  stellen,  obwohl  einstweilen  die  notwendigerweise  noch
sehr  hohen  Benutzungskosten  die  Fahrt  darin  zu  einem  Luxusvergnügen  stempeln,  das  sich
recht  merklich  von  jeder  andren  Benutzung  irgendwelcher  Verkehrsmittel  unterscheidet.
Das  Ideal  des  Zukunftsverkehrs  sind  aber  doch  dieFlugapparate,  und  mancher  schwärmte
schon  in  Gedanken  von  einer  nahen  Zukunft,  wo  jeder,  der  über  einen  entsprechenden  Geld
beutel  verfügt,  sich  einen  eignen  Flugapparat  würde  anschaffen  können,  wie  man  sich  in  den
letzten  Jahren  wohl  ein  Zweirad  oder  ein  Automobil  kaufte.  Nun,  mit  der  Verwirklichung  dieser
Träume  hat  es  noch  gute  Weile.  Einstweilen  werden  die  Flugapparate  nach  wie  vor  rein
sportliche  Instrumente  bleiben,  und  obwohl  sie  in  mannigfacher  Hinsicht  geradezu  ideale
Verkehrsmittel  darstellen,  obwohl  ihre  Geschwindigkeit  und  Landefähigkeit  sich  außerordentlich ­
  rasch  vervollkommnet  haben,  so  fehlen  ihnen  doch  noch  einige  Eigenschaften,  die
vollkommen  unentbehrlich  für  ein  richtiges  Verkehrsmittel  sind,  vor  allem  die  unbedingt
sichere  Gleichgewichtshaltung,  die  zurzeit  in  Luftwirbeln  und  Böen  doch  zuweilen  noch  recht
fühlbar  versagt,  und  die  unvermeidliche  Unzuverlässigkeit  der  Motoren.  Gefahren  bringtjeder
neu  aufkommende  Fortschritt  anfangs  in  hohem  Maße  mit  sich,  und  Todesopfer  heischt  jede
großartige  Verbesserung  im  Verkehrsleben  zunächst  in  nicht  geringer  Anzahl  —  dennoch  aber
übersteigen  die  Gefahren  des  Flugsports  alle  andren,  aus  mannigfachen  Gründen,  recht
erheblich,  und  die  erschreckend  große  Hekatombe  von  Leichen,  die  der  Tod  alljährlich  aus  der
Schar  der  Jünger  dieses  Sports  fordert,  lehrt  zur  Genüge,  daß  den  Flugapparaten  eben
noch  eine  Voraussetzung  jedes  ordnungsmäßigen  Verkehrsmittels  fehlt:  die  leidliche  Betriebssicherheit. ­
  Dennoch  wäre  es  mehr  als  Unrecht,  wenn  man  an  diese  offenbar  vorhandenen  Mängel
pessimistische  Betrachtungen  knüpfen  wollte.  Wie  Rom  nicht  in  einem  Tage  erbaut  worden  ist,
so  wird  auch  der  Flugapparat  nicht  von  heute  auf  morgen  ein  vollwertiges  Verkehrsmittel  werden
können;  aber  die  Anfänge  hierzu  sind  glücklich  gemacht  worden,  viel  schöner  und  herrlicher
gemacht,  als  es  noch  vor  wenigen  Jahren  die  üppigste  Phantasie  zu  hoffen  wagte.  —  Daher
ist  es  auch  an  dieser  Stelle  angebracht,  wenigstens  die  bedeutsamsten  Tatsachen  zu  erwähnen,
die  in  der  bisherigen  Geschichte  eines  so  wichtigen  Weltverkehrsmittels  der  Zukunft  zu  verzeichnen ­
  waren.
Die  ersten  Bemühungen  zur  Herstellung  eines  Lenkballons  gehen  bis  auf  das
große  Epochejnhr  der  Luftschiffahrt,  1783,  zurück.  Zahlreiche  bald  mehr  bald  minder  ernste
Projekte  haben  die  nachfolgenden  Jahrzehnte  gezeitigt.  Der  erste  größere  Erfolg  wurde
von  den  französischen  Offizieren  Renard  und  Krebs  am  9.  August  1884  erreicht:  mit  einem
Motorluftschiff  von  50,42  m  Länge,  8,4  m  Durchmesser  und  1864  cbm  Inhalt  gelang
es,  eine  Fahrt  von  25  Minuten  Tauer  am  Ausgangspunkte  wieder  enden  zu  lassen.  Die  mit
Unterstützung  der  Regierung  vorgenommenen,  sehr  verheißungsvollen  Fahrten  mußten  aber
nach  Jahresfrist  eingestellt  werden,  als  neue  Männer  ans  Ruder  kamen,  die  kein  Verständnis ­
  für  die  Bedeutung  der  Sache  hatten  und  die  Gelder  nicht  weiter  bewilligten.  Auch
in  Deutschland  regten  sich  ähnliche  Bestrebungen.  Von  den  ziemlich  unbedeutenden  Leistungen
Ganswindts  abgesehen,  ist  hier  der  Buchhändler  Wolfert  aus  Leipzig  zu  erwähnen,  der  seit
1887  dem  Problem  des  lenkbaren  Ballons  nachging.  Er  unternahm  am  28.  und  29.  August
1896  auf  der  Berliner  Gewerbeausstellung  mit  gutem  Erfolg  kleine  Probefahrten,  die  im
nächsten  Jahr  wiederholt  wurden.  Auf  einer  Fahrt  aber,  am  12.  Juni  1897,  geriet  das
Luftschiff  in  Brand,  und  Wolfert  kam  ums  Leben.  Etwa  gleichzeitig  führte  der  ungarische
Holzhändler  David  Schwarz  mit  einem  von  ihm  ersonnenen  Aluminiumluftschiff  zwei  erfolgreiche, ­
  kleine  Fahrten  in  Petersburg  aus.  Als  ihm  aber  glaubhaft  hinterbracht  wurde,
daß  die  russische  Regierung,  wenn  die  entscheidende  dritte  Probefahrt  gelang,  sich  des  Luftschiffs ­
  bemächtigen  und  ihn  selbst  als  Spion  verschwinden  lassen  wolle,  zerstörte  er  sein
Luftschiff  und  flüchtete  aus  Rußland  nach  Deutschland.  Hier  nahm  er  seine  Arbeit  wieder
XI  1204
            
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