Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

Amerikanische Schleifen. 119 
in Colorado, jenem allbekannten, an wilden, tiefen und besonders langen Schluchten, erz 
reichen Minen, wie an kühnen Eisenbahnbauten merkwürdig reichen Lande. Durch fünf 
Stufen (Abb. 88) wird hier die Ostseite des in 3 500 in Meereshöhe gelegenen Hagerman- 
passes erstiegen*). Diese offene Schleifenbildung gehört einer Abzweigung der Denver 
und Rio Grande Bahn an, Nordamerikas berühmtester Bahnlinie**). Das Durchfahren 
der ziemlich scharfen Wendekurven wird durch die Bauart der amerikanischen Wagen (mit 
Drehgestellen) erleichtert. Die Linie liegt in 24 bis 33°/ 00 Steigung und mußte mehrfach, 
namentlich in den Gleisbögen, durch Gerüstbauten gestützt werden. Hierzu wird in den 
holzreichen Gegenden Amerikas vielfach das billige Holz genommen. Derartige Holzbauten 
werden drüben llrsstls works genannt. Sie bilden eine Eigentümlichkeit amerikanischer 
Eisenbahnen und Ursache, daß dort häufiger Brückeneinstürze zu verzeichnen sind als 
anderswo. Auch durch 
Brand werden solche 
Anlagen nicht allzu 
selten zerstört. Aufden 
wichtigeren Linien sind 
sie vielfach schon durch 
Eisenbrücken oder 
Erddämme ersetztwor 
den. Zur Zeit bestehen 
aber noch etwa 
117000 solcher Holz 
werke in einer Ge 
samtlänge von 
8000 km***). Zur 
Veranschaulichung 
dieser in Europa nicht 
üblichen Bauweise 
diene Abb. 83. Eine 
andere hierher ge 
hörige Sonderheit in 
der äußeren Erschei 
nung jener Bahnen 
bilden die zum Schutze 
derGleisegegenLawi- 
nensturz und Schnee 
verwehungen nach Art 
der Abb. 84 errichte- Si. Kchncedach ;um Kchutie btt Eisenbahnen, 
len Schneedächer. Dachbelag ist der Deutlichlett wegen fortgelassen. 
*) Die Kehren werden durch einen in der Abbildung angedeuteten Tunnel unterfahren, 
der von den Güterzügcn und bei Verspätung auch von Persouenzügen benutzt wird, 
**) So durchzieht z. B, diese Bahn zwischen Pueblo und Salida den 13 km langen 
Engpaß des Arkansas. In diesem schmalen Canon kämpfen überall Bahn und Fluß um den 
Platz. Die bis 800 ui senkrecht aufragenden Felswände scheinen überall den Weg zu sperren. 
An einer Stelle, wo der wildbrauscnde Fluß die ganze Breite dieser Ricsenklamm ausfüllt, kreuzt 
ihn die Bahn auf einer Brücke, die au zwei in die Bergwände eingelassenen Eisengerüsten auf 
gehängt werden mußte. Nachdenl die Bahn mit 40 Steigung den kurvenreichen Anstieg zum 
3309 m hoch gelegenen Marshallpaß und in gleicher Weise den Abstieg von da bewirkt hat, wo 
bei sehr lange Schneegalerien durchfahren werden, durchzieht sie sodann das Black Canon, eine 
24 km lange wildromantische und sehr enge Schlucht, die mit dem vorgenannten Canon an 
Schroffheit und Wechsel der Felsgruppcn eisert. Der Reiseilde kommt in dieser unvergleichlichen 
Gebirgswelt aus dem Staunen und Bewundern nicht heraus. 
***) Die Northern Pacificbahn ist besonders reich an diesen Holzbauten. Ihre 3312 um 
lange Hauptlinie Portland-St, Paul besitzt solche in einer Gesamtlänge von rund 80 km uno 
bis 40 m Höhe. Ein erheblicher Teil hiervon liegt auf den beiden Hängen des ^lscugebirges, 
die sie in vielen Serpentinen überwindet. Am Osthauge zählt mau auf einer 32 km langen 
Strecke 45 dieser hölzernen, vielfach in den Kehren errichteten Brückenwerke.
	        
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