Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Steigungsverhältnisse  der  Zahnbahnen.

deshalb  ohne  Zahnstange  als  Reibungsbahn  mit  gewöhnlicher  Lokomotive  betrieben.  Die
Verwendung  zweier  verschiedener  Lokomotiven  bei  so  leichten  Zügen  und  aus  so  kurzer
Strecke  wie  hier  am  Rigi  macht  den  Betrieb  umständlich  und  teuer,  läßt  sich  aber  nur
dann  zweckmäßig  umgehen,  wenn  die  Zahnstangenrampen  weniger  steil  angelegt  sind.  In
solchem  Falle  kann,  nach  Riggenbachs  Vorgang  im  Jahre  1875*)  auf  der  Rorschach-Heiden
Bahn,  gemischter  Betrieb  eingeführt  werden,  d.  h.  die  entsprechend  gebaute  Lokomotive
arbeitet  auf  den  schwach  geneigten  Strecken  als  gewöhnliche  Reibungslokomotive,  wirkt
dagegen  auf  den  Steilrampen  als  Zahnradlokomotive,  unterstützt  durch  die  Reibung  zwischen
den  glatten  Treibrädern  und  Fahrschienen.  In  dieser  Weise  wird  z.  B.  auch  die  Gebirgsstrecke
  Giswyl-Meiringen  der  1888  eröffneten  Brünigbahn  betrieben  (vergl.  Abb.  62).  Die
Riggenbachschen  Lokomotiven  vermögen  jedoch  auch  auf  den  Reibungsstrecken  infolge  ihrer
Met.üb.  Meer

Bauart  nur  mit  mäßiger  Geschwindigkeit  zu  fahren,  was  sie  für  Bahnen  mit  starkem
Verkehre  weniger  geeignet  macht.
Es  war  deshalb  ein  erheblicher  Fortschritt,  als  im  Jahre  1882  Roman  Abt  in
Luzern  eine  Lokomotive  ersann,  die  auf  der  Zahnstrecke  recht  kräftig  zu  arbeiten,  auf  der
Reibungsstrecke  schnell  zu  fahren  vermochte.  Damit  war  die  Anwendung  von  Zahnradbahnen ­
  auch  auf  Strecken  stärkeren  Verkehres  ermöglicht.  Um  aber  diese  „gemischte"
Lokomotive  stets  voll  ausnutzen  zu  können,  was  wirtschaftliche  Vorteile  ergibt,  ist  freilich
Vorbedingung,  daß  die  Steilrampen  eine  gewisse,  sich  nach  der  Verkehrsstärke  richtende
Steigungsgrenze  nicht  überschreiten.  Im  allgemeinen  kann  man  als  ihren  ungefähren
Wert  annehmen:  1)  für  stark  benutzte  Touristenbahnen  125  °/ 0P ,  2)  für  Bahnen  mit  lebhaftem
Personen-  und  Güterverkehre  60  bis  80  o / 00 ,  3)  für  Bahnen  mit  starkem  Personen-  und

*)  Die  erste  vereinigte  Zahnrad-  und  Reibungslokomotive  hat  Riggenbach  bereits  1870  für
eine  V/ 2  km  lange  Steinbruchbahn  bei  Ostermundingen  (Bern)  entworfen  und  ausgeführt,  w  o
Bauart'hat  aber  keine  Nachahmung  gefunden.  Die  Zahnstange  ist  hier  ^e  von  Marsh.  e,
Lokomotive  nebst  einer  beweglichen  Zahnstangeneinfahrt  ließ  sich  Riggenbach  1872  m  umerim
patentieren.  In  seinem  ersten  Patente  von  1863  ist  bereits  der  Gedanke  zu  einer  solchen  Lokomottv
art  niedergelegt.
            
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