142
Die Eisenbahnen: Oberbau.
101. goljkaljit zuMciocastle-on-Tinie int 17. bis 18. Jahrhundert.
Damals stand der deutsche Bergbau in hoher Blüte und überragte weit den eng
lischen bis zu dem für Deutschlands Wohlfahrt und Gewerbethätigkeit so verhängnis
vollen Dreißigjährigen Kriege. Deutsche Bergleute wurden Ende des 16. Jahrhunderts
nach England berufen, um dort nach deutscher Art die Kohlengewinnung in den reichen
Kohlenfeldern einzurichten. Damit wurden die Holzbahnen in Englands Bergwerken
bekannt und verbreitet. Sie wurden später auch — vielleicht von hier entlehnt, wahr
scheinlicher aber von anderer Seite selbständig erdacht — als einfache Bohlenbahu in
den Straßenkörper gelegt, um die Fortschaffung von Wagen- und Karrenlasten zu er
leichtern. Auf ihnen wurden durch Zugtiere Kohlen von einzelnen Orten des seeumgürteten
Jnselreiches bis an die Küste zu den Frachtschiffen geschafft. Auch in den Straßen der
Städte der englischen Kohlenreviere und deren Umgebung finden wir bald hölzerne Spur
wege für die Lastwagen.
Abb. 101 zeigt eine solche
Holzbahn, wie sie im 17. und
18. Jahrhundert in größerer
Ausdehnung in der noch heu-
tigestags durch ihren unge
mein großen Kohlenversand
berühmten Gegend von New-
castle-on-Tyne in Benutzung
stand. Diese Kohlenbahnen
wurden dasVorbild derEisen-
bahnen. Für die verkehrs
reicheren Wege nahm man in
der Folge Längsbalken statt der Bohlen und verkämmte sie der Spurerhaltung wegen
auf Querschwellen. Auch legte man die Langhölzer wohl in ganzer Breite etwas ver
tieft in das Straßenbett, so daß beiderseits vorstehende, durch Bohlen begrenzte Ränder
gebildet wurden, die den Rädern der schweren Kohlenkarreu zur Führung dienten.
Aber alle diese Holzbahnen, so kräftig man sie auch zuletzt baute, erwiesen sich
infolge ihrer Abnutzung und Vergänglichkeit doch recht teuer. Da kam, wie Nicholas
Wood in einer 1825 erschienenen „Abhandlung über Eisenbahnen" angibt, Reynolds,
Mitbesitzer der Coalbrookdale-Eisenwerke, 1767 auf den Gedanken, die Langhölzer einer
Bahn versuchsweise mit gußeisernen Platten belegen zu lassen. Der Preis des Guß
eisens stand damals gerade sehr niedrig, und die Eisenwerke verfügten über große Lager
bestände. Es wurden |_jsförmige Platten von etwa 1 1 j 2 m Länge, 11 cm Breite und
3 V 2 cm Dicke gegossen; jede hatte drei Löcher zwecks Befestigung auf den Längshölzern
(Abb. 102). Der Ver-
such brachte einen voll
ständigen Erfolg. Die
eiserne Spur war nicht
nur widerstandsfähiger
gegen Abnutzung, son
dern zeigte auch eine
geringere Reibung, so daß man mit einem Pferde größere Lasten als vordem und dabei
noch schneller befördern konnte. Die ersten Eisenbahnen waren geschaffen!
Die Schienenplatten fanden bald weitere Verbreitung. Sie hatten allerdings den
Übelstand, daß wegen ihrer niedrigen Ränder die Wagen leicht von der Spur abkamen.
Um dieses zu vermeiden, stellte Curr 1776 für die Spnrbahuen der Sheffielder Zechen
gußeiserne Winkelschienen her (Abb. 103), deren senkrechter Rand das Entgleisen wirksam
verhinderte. Auf manchen Bahnen lag dieser Rand nach innen, aus anderen umgekehrt
an der Außenseite. Anfangs lagen auch diese Schienen in ganzer Länge auf den Lang
hölzern auf, bis man beim Ersatz derselben an einzelnen Stellen durch Querhölzer
zufällig entdeckte, daß diese eine genügende Unterstützung der Schienen abgaben: der
Querschwellenobcrbau mit freitragenden Schienen war gefunden (Abb. 104). Noch
102. Ury»olds' sirsxrisrrner Schicnenkclag, 1767.