Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

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Die Eisenbahnen: Oberbau. 
101. goljkaljit zuMciocastle-on-Tinie int 17. bis 18. Jahrhundert. 
Damals stand der deutsche Bergbau in hoher Blüte und überragte weit den eng 
lischen bis zu dem für Deutschlands Wohlfahrt und Gewerbethätigkeit so verhängnis 
vollen Dreißigjährigen Kriege. Deutsche Bergleute wurden Ende des 16. Jahrhunderts 
nach England berufen, um dort nach deutscher Art die Kohlengewinnung in den reichen 
Kohlenfeldern einzurichten. Damit wurden die Holzbahnen in Englands Bergwerken 
bekannt und verbreitet. Sie wurden später auch — vielleicht von hier entlehnt, wahr 
scheinlicher aber von anderer Seite selbständig erdacht — als einfache Bohlenbahu in 
den Straßenkörper gelegt, um die Fortschaffung von Wagen- und Karrenlasten zu er 
leichtern. Auf ihnen wurden durch Zugtiere Kohlen von einzelnen Orten des seeumgürteten 
Jnselreiches bis an die Küste zu den Frachtschiffen geschafft. Auch in den Straßen der 
Städte der englischen Kohlenreviere und deren Umgebung finden wir bald hölzerne Spur 
wege für die Lastwagen. 
Abb. 101 zeigt eine solche 
Holzbahn, wie sie im 17. und 
18. Jahrhundert in größerer 
Ausdehnung in der noch heu- 
tigestags durch ihren unge 
mein großen Kohlenversand 
berühmten Gegend von New- 
castle-on-Tyne in Benutzung 
stand. Diese Kohlenbahnen 
wurden dasVorbild derEisen- 
bahnen. Für die verkehrs 
reicheren Wege nahm man in 
der Folge Längsbalken statt der Bohlen und verkämmte sie der Spurerhaltung wegen 
auf Querschwellen. Auch legte man die Langhölzer wohl in ganzer Breite etwas ver 
tieft in das Straßenbett, so daß beiderseits vorstehende, durch Bohlen begrenzte Ränder 
gebildet wurden, die den Rädern der schweren Kohlenkarreu zur Führung dienten. 
Aber alle diese Holzbahnen, so kräftig man sie auch zuletzt baute, erwiesen sich 
infolge ihrer Abnutzung und Vergänglichkeit doch recht teuer. Da kam, wie Nicholas 
Wood in einer 1825 erschienenen „Abhandlung über Eisenbahnen" angibt, Reynolds, 
Mitbesitzer der Coalbrookdale-Eisenwerke, 1767 auf den Gedanken, die Langhölzer einer 
Bahn versuchsweise mit gußeisernen Platten belegen zu lassen. Der Preis des Guß 
eisens stand damals gerade sehr niedrig, und die Eisenwerke verfügten über große Lager 
bestände. Es wurden |_jsförmige Platten von etwa 1 1 j 2 m Länge, 11 cm Breite und 
3 V 2 cm Dicke gegossen; jede hatte drei Löcher zwecks Befestigung auf den Längshölzern 
(Abb. 102). Der Ver- 
such brachte einen voll 
ständigen Erfolg. Die 
eiserne Spur war nicht 
nur widerstandsfähiger 
gegen Abnutzung, son 
dern zeigte auch eine 
geringere Reibung, so daß man mit einem Pferde größere Lasten als vordem und dabei 
noch schneller befördern konnte. Die ersten Eisenbahnen waren geschaffen! 
Die Schienenplatten fanden bald weitere Verbreitung. Sie hatten allerdings den 
Übelstand, daß wegen ihrer niedrigen Ränder die Wagen leicht von der Spur abkamen. 
Um dieses zu vermeiden, stellte Curr 1776 für die Spnrbahuen der Sheffielder Zechen 
gußeiserne Winkelschienen her (Abb. 103), deren senkrechter Rand das Entgleisen wirksam 
verhinderte. Auf manchen Bahnen lag dieser Rand nach innen, aus anderen umgekehrt 
an der Außenseite. Anfangs lagen auch diese Schienen in ganzer Länge auf den Lang 
hölzern auf, bis man beim Ersatz derselben an einzelnen Stellen durch Querhölzer 
zufällig entdeckte, daß diese eine genügende Unterstützung der Schienen abgaben: der 
Querschwellenobcrbau mit freitragenden Schienen war gefunden (Abb. 104). Noch 
102. Ury»olds' sirsxrisrrner Schicnenkclag, 1767.
	        
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