Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

150

Die  Eisenbahnen:  Oberbau.

wurden  die  gußeisernen  Laschen  durch  schmiedeiserne  ersetzt.  Damit  war  um  das  Jahr
1849  eine  wesentliche  Verbesserung  im  Oberbau  erreicht  und  die  nach  Verlauf  von  50
Jahren  auch  heute  noch  verbreitetste  Form  des  Schienenstoßes  geschaffen.  Seine  Vorzüge: ­
  Elastizität  des  Gleises  und  infolgedessen  sanfteres  Fahren,  sowie  Schonung  der
Radreifen  und  Schienen  verdrängten  den  ruhenden  Stoß  nach  und  nach  fast  völlig.
Eine  wirksame  Verlaschung  konnte  allerdings  erst  Platz  greifen,  nachdem  die  birnenförmige ­
  Gestalt  des  Schienenkopfes  (Abb.  110  u.  121)  durch  die  scharf  unterschnittene
ersetzt  wurde;  denn  nunmehr  wirken  die  Laschen  wie  Keile  und  sichern  die  gegenseitige
Lage  der  beiden  Schienenenden,  wenigstens  so  lange,  wie  keine  Zerstörung  und  Verdrückung ­
  des  Eisens  oder  Stahles  am  Stoße  erfolgt  ist,  und  solange  die  Laschen  den
Schienensteg  nicht  berühren.  Anfangs  nur  dünn  und  kurz,  sind  die  Laschen  immer  länger
(bis  zu  90  ein)  und  kräftiger ­
  gestaltet  worden.
Die  einfache  Stabform
ist  bei  Hauptbahnen
ziemlich  allgemein  durch
die  viel  widerstandsfähigere ­
  Winkel-  und
Haken-  oder  Lasche
verdrängt  worden  (vgl.
Abb.  122  u.  131).  Die  Laschen  müssen  aus  gleichem  Material  wie  die  Schienen  bestehen
(Stahl),  damit  sie  ebenso  hart  wie  diese  sind  und  nicht  in  ihrer  Höhe  abgenutzt  werden.
Zur  Verbindung  dienen  mindestens  vier  Schrauben,  mitunter  auch  sechs.
Trotz  aller  Laschenverstärkung  und  des  verringerten  Abstandes  der  Stoßschwellen  sind
die  Schienenstöße  doch  nach  wie  vor  der  schwache  Punkt  im  Gleise.  Eine  anfangs  sehr
geringe  Senkung  des  einen  Schienenendes  gegen  das  andere  beim  Darüberrollen  der
Räder  tritt  dennoch  ein,  auch  beim  ruhenden  Stoß  (Abb.  124),  die  Folge  ist  ein  harter
Schlag  des  Rades  gegen  das  höherstehende  Schienenende.  Durch  die  ständige  Einwirkung
dieser  Schläge  tritt  allmählich  Lockerung  in  der  Stoßverbindung  ein,  und  die  Radschläge
werden  heftiger  und  hörbarer.  Es  ist  dieses  das  bekannte  „Tacke-Tacke"-Geräusch,  das
bei  der  Fahrt  von  den  Reisenden  wahrgenommen  wird,  das  tagsüber  die  Nerven  angreift, ­
  nachts  oft  den  Schlaf  raubt,  mindestens  aber  eine
sehr  unangenehme  Reisezugabe,  namentlich  in  den  nicht
gepolsterten  Personenwagen  ist.  Hunderte  von  Stoßverbindungen ­
  sind  schon  in  den  verschiedenen  Eisenbahnländern ­
  vorgeschlagen  und  auf  sie  teilweise  Patente  genommen, ­
  Hunderte  von  Verbesserungsvorschlägen  sind  schon
gemacht  und  in  großer  Zahl  ausprobiert.  Noch  haben  wir
keinen  allen  Anforderungen  auf  die  Dauer  standhaltenden
Schienenstoß.  Liegt  auch  neu  verlegt  das  Gleis  gut,  und
fährt  es  sich  sanft  über  dessen  Stöße,  mit  der  Zeit  kommt
doch  die  unvermeidliche  Abnutzung  hinein  und  der  alte  Zustand ­
  früherer  Gleise  ist  wieder  da.  Könnte  man  die  Stöße  ganz  vermeiden,  so  wäre
das  Übel  beseitigt.  Schon  Berkinshaw  wollte  durch  Zusammenschweißen  seiner  löfnßigen
Walzschienen  größere  Schienenlängen  zwecks  Verminderung  der  Stoßzahl  einbauen.  Diese
Verbindung  ist  aber  bei  Lokomotivbahnen  unstatthaft,  da  die  Gleise  sich  im  Sommer  stark
verwerfen  (krumm  werden)  und  im  Winter  häufig  abreißen  würden.
In  Amerika  hat  man  vor  wenigen  Jahren  auf  einzelnen  Straßenbahnen  die  Schienenstöße ­
  elektrisch  zusammengeschweißt.  Bei  diesen  Bahnen  liegen  die  Schienen  im  Gegensatz
zu  den  Lokomotivbahnen  bis  an  die  Kopffläche  in  dem  Straßenkörper,  sind  also  besser  gegen
die  Wärmeeinwirkung  geschlitzt.  Immerhin  ist  diese  doch  noch  so  stark,  daß  im  Winter  beim
Zusammenziehen  des  Schienenstranges  ein  Abreißen  desselben  an  mehreren  Stellen  eintritt,
dagegen  im  heißen  Sommer  ein  seitliches  Ausbauchen.  Letzteres  hat  Lockerungen  im  Pflaster,
Verdrückungen  in  der  Asphaltbahn  zur  Folge.  Auch  in  Lyon  und  1898  in  Berlin  hat  man
Versuchsstrecken  mit  verschweißten  Schienen  verlegt,  deren  Verhalten  abzuwarten  bleibt.  Das

I2g.  Schändender  Schienenstoß  oo»  Aridgcs  Adams,  1847.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.