Kapitel V. Proudhon und der Sozialismus von 1848. 337
So der Vorschlag Proudhon’s und seine Konsequenzen. Um seine
Tragweite zu verstehen, müssen wir uns fragen: 1. Ob der Ersatz der
auf Sicht gegen Bargeld zahlbaren Banknoten durch Tauschbons prak
tisch möglich ist; — und 2. in der Annahme, daß dieser Ersatz möglich
sei: würde er die Folgen haben, die sein Urheber davon erwartet?
1. Proudhon stellt sein System als ein einfaches Mittel, den Wechsel
zu verallgemeinern, hin 1 ). Das ist richtig. Die Tauschbank setzt ihre
Unterschrift an Stelle der des Kundenwechsels, den sie diskontiert. Auch
heute tut der Aussteller einer Banknote nichts anderes. An die Stelle
des Wechsels, den die Banque de France kauft, und der nur einen be
schränkten Kredit genießt, setzt die Banque de France Banknoten, die
ihre überall anerkannte Unterschrift tragen und einen fast unbegrenzten
Kredit genießen. Worin unterscheidet sich nun der Umlaufbon Proudhon’s
von der Banknote? Einfach dadurch, daß die Bank zu ihrer Unterschrift
das Versprechen einer Einlösung in Metallgeld fügt, d. h. in einer allge
mein angenommenen und nachgefragten Ware, während Proudhon die
Unterschrift der Tauschbank durch keine andere besondere Verpflich
tung dieser Art ergänzt, sondern einzig dadurch, daß alle ihre Kunden
Sle an Zahlungsstatt annehmen.
Theoretisch mag dieser Unterschied unbedeutend erscheinen, da
beiden Fällen die Zahlungsfähigkeit der Aussteller des Kundenweehsels
! le wirkliche Garantie der Banknote, wie des Tauschbons ist. Praktisch
ls t der Unterschied aber außerordentlich groß! Die Sicherheit, die Bank
er 0 gegen Bargeld Umtauschen zu können, gibt ihr die große Kraft ihrer
dbreitung, und auf Grund dieser Sicherheit wird sie von der großen
enge Unbekannter angenommen, die sie einzig infolge des Vertrauens,
jw ihnen die Bank einflößt, annehmen. Sie brauchen sich nur um die
( jUng s fähigkeit ^ er Uank zu kümmern. Ein „Umlaufbon“, abgesehen
a von, daß er nur ein Anrecht auf gewisse Waren (wie sie die Kunden
er Tauschbank hersteilen) gibt, setzt aber voraus, daß der Besitzer
wtrauen in die Gesamtheit der Kunden hat, ein Vertrauen, dessen
iikhche Begründung er nur schwer mit Sicherheit nachprüfen kann.
I' n f derartiger Bon wird daher nur unter den Kunden der Bank um-
fa 6l1 ’ anstatt w ' e die jetzige Banknote das ganze Publikum zu um-
ssen. Aber auch die Kunden der Tauschbank können ihre Verpflich-
nUr d ann einhalten, wenn diese Bank nur Wechsel erster Sicher-
xt diskontiert und niemals am Verfalltage eine Zahlungsverweigerung
? ag , e , Ihnen dami t mein Glaubensbekenntnis, das ich mir ernsthaft und reiflich
Uch wenn ich auch in jeder Weise ein Freund der Ordnung bin, so bin ich
m der vollen Bedeutung des Wortes Anarchist.“
d. h i ”. le ganze Frage des Umlaufs liegt in der Verallgemeinerung des Wechsels,
3 tändif? ann ’ ihn zu einem auf den Inhaber lautenden Wertpapier zu machen, das be-
od Pr .».^getauscht werden kann und auf Sicht rückzahlbar ist, aber nur gegen Waren
* , Ulenste “ (Organisation du crfedit, (Euvres, Bd. VI, S. 113-114).
e and Rist, Gesch. d. Volkswirtschaft!. Lehrmemungen. 2. Aufl. 22