Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Die  Eisenbahnen:  Oberbau.

1854  von  Adams  als  „Trägerschiene"  zur  Ausführung  gebracht  ist.  Im  Jahre  1865  erstand
sie  neu  durch  Hartwich,  der  eine  Breitfußschiene  mit  sehr  hohem  Stege  verwendete.  Dieselbe ­
  ruhte  unmittelbar  in  der  Bettung.  Die  Spurweite  wurde  nach  Abb.  138  durch  Querstangen ­
  gesichert.  Die  Hartwich-Schienen  sind  am  Rhein  und  in  Snddeutschland  mehrfach  in
Benutzung  genommen,  erfüllten  aber  die  aus  sie  gesetzten  Hoffnungen  ebensowenig  wie  ihre
englischen  Vorläufer  .  .  .  „da  es  hart  sich  fuhr  auf  ihnen,  und  das  Gleis  zur  Seite  wich".
Dasselbe  Los  teilte  eine  dreiteilige  Schwellenschiene  von  Scheffler  in  Braunschweig.
Ebenso  hat  sich  auch  die  zweiteilige  Schwellenschiene  von  Haarmann  1884  erfunden
und  später  verbessert  —  trotz  ihrer  Vorzüge  bis  jetzt  keinen  nennenswerten  Eingang  verschaffen ­
  können  und  ist  auf  Hauptbahnen  ein  interessanter  Versuch  geblieben,  ebenso  die
1892  von  demselben  in  Vorschlag  gebrachte  einteilige  Schwellenschicne,  die  sogenannte
Herkulesschiene,  welche  63  kg/m  wiegt  und  eine  Fußbreite  von  200  mm  besitzt.
Bei  allen  Schwellenschienen  ist  die  erforderliche  gute  Entwässerung  der  Bettung  eine
schwierige  Sache.  Wegen  der  großen  Höhe  dieser  Schienen  (150—200  mm)  lassen  sich
auf  Strecken,  die  gepflastert  werden  müssen,  die  Pflastersteine  sicher  und  gut  bis  dicht  an  die
Schiene  legen  (Abb.  139).  Sie  haben  deshalb  auch  bei  Straßen-  und  Hafenbahnen  (Hannover,
Hamburg,  Köln,  Triest)  häufiger  Verwendung  gesunden.  Die  hier  erforderliche  Spurkranzrille
wird  durch  eine  Schutz  schiene  gebildet,  der  in  den  Gleisbögen  durch  stärkere  Zwischenstücke
leicht  der  nötige  größere  Abstand  von  der  Hauptschiene  gegeben  werden  kann.  Der  Zwischenraum ­
  beider  Schienen  wird  mit  Zement  n.  s.  w.  vergossen.  Vielfach  wird  sür  solche  Bahnen
auch  die  Phönix  schiene
benutzt,  bei  der  die  Rille  gleich
eingewalzt  ist  (Abb.  i40).
Diese  Form  ist  aus  der  englischen ­
  Rillenschwellenschicne
von  Winby  &  Levick  hervor  ^
gegangen,  die  Ende  der  70  er
Jahre  zuerst  auf  der  Straßenbahn ­
  in  Chemnitz  verlegt
wurde.  Die  älteste  Form  einer
Rillenschiene  für  Straßenbahnen ­
  stammt  von  B.  Adams.
Die  Rillenbreite  ist  für  diese
Bahnen  im  geraden  Gleis
meistens  etwa  30  rau,.  Sie
muß  so  gewählt  sein,  daß  die
Hufe  der  Tiere  nicht  darin
eingeklemmt  werden.
Da  in  Tropengegenden,
wie  schon  erwähnt,  Holzschwellen ­
  durch  Termiten
und  Witterungseinflüsse  schnell  zerstört  werden,  so  verwendet  man  dort  vielfach  auch  eiserne
Einzelunterlagen  in  Glocken-  oder  Plattenform.  Sie  wurden  zuerst  1846  von
Greaves  als  gußeiserne  Glocken  und  fast  gleichzeitig  von  Poncelet  in  flacher  Form,
beide  für  Stuhlschienen,  in  Vorschlag  gebracht.  Letzterer  verlegte  sie  1848  auf  der
Mecheln-Antwerpener  Bahn,  Greaves  1859  in  Ägypten.  Beide  Bauarten  haben  bis  in
die  Neuzeit  eine  ganze  Schar  von  Nachahmungen  gefunden.  In  den  70  er  Jahren
stellte  Livesey  solche  Unterlagen  aus  gepreßtem  Eisenblech  für  eine  ostindische  Bahn  her.
Die  plattenförmigen  Anordnungen  erleichtern  das  Unterstopfen  mit  Bettungsmaterial)
bei  den  Glocken  wird  es  zudem  durch  Regengüsse  leichter  ausgespült.  Einzelunterlagen
liegen  aber  nie  so  fest  in  der  Bettung  wie  Schwellen,  namentlich  Holzschwellen,  die  nach
Ansicht  alter,  erfahrener  Eisenbahningenieure  immer  noch  den  besten  Oberbau  bei  sachgemäßer ­
  Herstellung  ergeben.  Jene  müssen  deshalb  nach  Abb.  141,  die  die  erste  Ausführung ­
  von  Greaves  mit  ruhendem  Stoß  und  einfacher  Keillasche  zeigt,  paarweise  durch
Querstangen  in  ihrer  gegenseitigen  Stellung  gesichert  werden,  damit  die  Spurweite
nicht  verloren  geht.  Dieser  Oberbau  hat  große  Verbreitung  in  Ägypten,  Indien,
Argentinien  u.  s.  w.  gefunden.
Spurerweiternng.  Um  das  Durchfahren  der  Gleisbögen  zu  erleichtern  und  gleichzeitig ­
  die  Abnutzung  der  Räder  und  Schienen  herabzuziehen,  gibt  man  den  Gleiskrümmungen ­
  unter  1000m  Halbmesser  auf  vielen  Bahnen  eine  Spurerweiterung,  d.  h.  vergrößert ­
  den  Schienenabstand  durch  Hinausrücken  eines  Schienenstranges  um  ein  bestimmtes

141.  Greavrs'  Glockenunterlagrn,  1859.
            
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