Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Das  Wandern  der  Gleise.

runden  Zähne  sind  in  diesen  Winkeleisen  vernietet.  Ihr  Abstand  von
Mitte  zu  Mitte  beträgt  100  mm,  welchen  Wert  die  meisten  Zahnbahnen
beibehalten  haben.
Beim  Bau  der  Rigibahn  1869/71  wandte  Riggenbach  hölzerne  Querschwellen ­
  an,  über  die  an  beiden  Enden  Langschwellen  aus  Qnadratholz
gestreckt  waren.  Das  ganze  Gleis  wurde  außer  durch  Schienen  und  Zahnstange ­
  auch  noch  durch  diese  verschraubten  Langschwellen  fest  zusammengehalten. ­
  Holz  ist  aber  nicht  nur  vergänglich,  sondern  verzieht  sich  auch
im  Freien.  Die  Lage  der  Zahnstange  zu  den  Fahrschienen  ist  daher  Änderungen ­
  unterworfen,  die  den  Eingriff  des  Zahnrades  ungünstig  beeinflussen.
Deshalb  verwendet  man  jetzt  für  Zahnbahnen  nur  eiserne  Querschwellen
und  hat  solche  demgemäß  auch  später  am  Rigi  unter  Fortlassung  der  hölzernen ­
  Langschwellen  eingebaut.  Das  Wandern  des  Gleises,  d.  i.  eine
Längsverschiebung  des  Gleises  infolge  der  Kräftewirkung  der  Fahrzeuge,
das  auch  bei  Reibungsbahnen  auf  wagerechter  Strecke,  und  zwar  beim
Oberbau  mit  hölzernen  Querschwellen,  namentlich  wenn  dieser  nur  in  einer
Richtung  befahren  wird,  vorkommt,*)  kann  auf  steilen  Rampen  in  verstärktem
Maße  auftreten,  und  zwar  ist  es  bergabwärts  gerichtet.  Die
eiserne  Zahnstange  gibt  wohl  eine  gute  Verankerung  aller
Querschwellen  ab,  doch  bringt  man  zur  größeren  Sicherheit
gegen  Rutschen  noch  Betonklötze  oder  Eisenstützeu  —  gewöhnlich
paarweise  und  senkrecht  zur  Gleisneigung  —  an  (Abb.  154).
Je  nach  der  Bahnneigung  liegen  diese  Sicherheitsstützen  in
größerem  oder  kleinerem  Abstande  voneinander.  Außerdem
sucht  man  durch  geeignete  Form  und  Länge  der  sich  an  die
Querschwellen  anlehnenden  Laschen,  sowie  durch  besondere
Stützwinkel  und  dergl.  das  Wandern  zu  verhindern.
Über  die  Form  der  Zahnstange  ist  im  vorigen  Abschnitt ­
  das  Wesentliche  schon  gesagt.  Bemerkenswerte  Einzelheiten ­
  in  ihrer  Bauart  ergeben  sich  aus  der  Zusammenstellung
in  Abb.  155,  in  der  die  Entwickelung  der  Zahnstange  mit
ihren  neueren  erprobten  Abarten  zeichnerisch  zur  Anschauung
gebracht  ist.

Solange  bei  der  Leiterzahnstange  runde  Zähne  benutzt
wurden,  genügte  ihre  Besestigung  in  den  beiden  Wangeneisen
durch  Vernieten  der  ebenfalls  kreisrunden  Zapfen.  Als  aber
Riggenbach  die  bessere  Evolventenverzahnung  einführte,  mußten  ^
die  trapezförmigen  Zähne  gegen  Verdrehen  geschützt  werden.  Er
erreichte  dieses  durch  die  in  Abb.  155  angedeutete  längliche  Form  der  Zapfenlöcher. ­
  Bissinger  und  Klose  verhindern  diese  Drehung  durch  eine  den
Waugeneiscn  angewalzte  Leiste,  auf  die  sich  die  Zähne  mit  ihrer  unteren  Fläche
legen.  Bei  Abt,  Locher  und  Strub  sind  dieselben  aus  der  vollen  Stange
herausgearbeitet.  Es  sind  dies  einheitliche  Zahnstangen  im  Gegensatze  zu
den  anderen,  die  aus  vielen  Teilen  zusammengesetzt  sind.  Abt  verwendet  je
nach  der  Bahnneigung  und  Zuglast  eine  oder  zwei  Zahnstangen  nebeneinander
(mehrteilige  Stange),  bei  älteren  Ausführungen,  wie  Harzbahn  u.  s.  w„  nahm
er  auch  drei.  Die  Treibachse  der  Lokomotive  trägt  dementsprechend  ein  oder
zwei  bezw.  drei  Zahnräder  nebeneinander.  Bei  mehrteiliger  Stange  sind  sie,  wie
Abb.  236  erkennen  läßt,  etwas  gegeneinander  verdreht,  so  daß  sie  sogenannte
Stufenräder  bilden;  ebenso  sind  die  Zahnstangen  entsprechend  versetzt.  Es
wird  hierdurch  nach  einem  alten,  in  der  Maschinenbaukunst  mehrfach  angewendeten
Mittel  der  Zahneingriff  verbessert,  hier  somit  der  Gang  der  Lokomotive  und
dadurch  auch  derjenige  der  Wagen  etwas  ruhiger  und  sanfter  gestaltet.
Wichtig  ist  die  Baulänge  und  Stoßfuge  der  Zahnstange.  Letztere
muß  sich  gleich  den  Fahrschienen  beim  Wärmewechsel  ungehindert  ausdehnen

*)  Bei  Eisenschwellen  wird  das  Wandern  durch  die  Klemmplättchen  verhindert, ­
  wenn  diese  nach  Abb.  131  in  einer  Ausklinkung  der  Laschen  liegen.
            
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