196 Eisenbahnen: Die Lokomotive.
und einiger anderer gründete er 1823 die später Weltruf genießende Lokomotivfabrik in
Newcastle-on-Tyne. Im September 1825 wurde die erste der vorgenannten drei Loko
motiven an die Stockton-Darlingtonbahn abgeliefert. Der Räderantrieb ist hier der
gleiche wie im Jahre 1815; die Kuppelung der Räder, bezw. die Aufrechterhaltung des
Kurbelwinkels von 90° ist jedoch nicht mehr durch die Kette bewirkt, die sich im Betriebe
bald reckte und dann ihre wichtige Aufgabe nicht mehr erfüllen konnte, sondern durch
außen an den Rädern angebrachte Kuppelstangen in Verbindung mit einer rechtwinkelig
abgebogenen Gegenkurbel. Abb. 192 gibt ihre äußere Ansicht wieder. Es ist das die
denkwürdige Lokomotive „Locomotion", später „Nr. 1" genannt.*) Noch liegt bei dieser der
Verbrennungsraum in dem einzigen, den Kessel nur einmal durchziehenden Flammrohr
von 560 mm Weite, das die winzige Heizfläche von 3 qm darbietet (gegen 60 — 325 qm
unserer heutigen Lokomotiven). Noch sind die beiden Dampfcylinder oben senkrecht in
3 92. Stephrnsons Lokomotive „Locomotion" (¡Sir. 1) für die Storkton-Dorlington Aatzn, 1825.
den Kessel eingebaut und treibt ein jeder von ihnen durch Gestänge unmittelbar die beiden
Räder je einer Achse an, eine Anordnung, die für den Dampf- und Kohlenverbrauch
höchst nachteilig war. Denn nun mußte der Zwischenraum zwischen der Endstellung des
Kolbens und dem Cylinderdeckel verhältnismäßig groß genommen werden, damit bei dem
während des Fahrens infolge der Federschwingungen veränderlichen Abstand des Kessels
gegen die Radkurbeln die Kolben nicht gegen die Deckel stießen und diese nebst den Cylindern
zertrümmerten. Infolge dieses mehrere Zentimeter hohen „schädlichen Raumes" war aber
der Dampfverbrauch bei einem Kolbenspiel ganz ungewöhnlich groß. Heutigestags
kann man bei der wagerechten Cylinderlage den Abstand zwischen Kolben und Deckel bis
auf wenige Millimeter beschränken und derart den Dampfverbrauch sehr herabmindern.
*) Sie ist der Nachwelt erhalten geblieben und steht jetzt auf kräftigem Steinsockel als
Denkmal ihres Schöpfers und der damaligen Werdezeit des Eisenbahnwesens in der durch Abb. 192
veranschaulichten Art vor dem Bahnhöfe zu Darlington. Auch das alte Stationsgebäude, an
dem einst die ersten Eisenbahnzügc abgefertigt wurden, ist noch erhalten geblieben. Einstöckig,
klein und unscheinbar ist dieses älteste Bahnhofsgebäude der Welt, nicht größer als unsere heutigen
mit einer Familienwohnung vereinigten Bahnwärterhäuscr.