200 Eisenbahnen: Die Lokomotive
197. Kackworttzs Lokomotiur „Kansparrit", 1829.
schlichen Genehmigungsurkunde der Bahn bereits vorgeschrieben. Die Ablieferung mußte
zum 1. Oktober 1829 in Liverpool bewirkt sein, und die Beschaffungskosten durften
11000 Mark nicht überschreiten. Für die beste Lokomotive war ein Preis von
10000 Mark ausgesetzt. Zum Wettbewerb wurden 5 Lokomotiven angemeldet, von denen
4 rechtzeitig erschienen und 3 zugelassen wurden.
Es waren dieses die: „Rocket" (Rakete) von
Robert Stephenson in Newcastle*), „Sanspareil"
(die Unvergleichliche) von Hackworth
in Darlington, „Novelty" (Neuheit) von
Braithwaite und Ericsson in London. Die
äußere Ansicht dieser drei denkwürdigen Lokomotiven
ist in den Abb. 196 bis 198 wiedergegeben.
Die „Rocket" und „Sanspareil"
waren mit besonderem Tenderwagen fürKoksund
Wasservorräte ausgestattet, die „Novelty"
dagegen führte dieselben auf ihrem Gestell
mit sich, den Koks in Körben, das Wasser in
einem unten am Gestell befestigten Behälter.
Sie war also eine Tenderlokomotive. Ihre
Maschine war wenig glücklich durchgeführt.
Die beiden Dampfcylinder standen aufrecht
und übertrugen in umständlicher Weise durch
Winkelhebel und Stangen ihre Arbeit auf die
am Feuerraum gelegene Achse. Die Anfachung
des Feuers erfolgte durch ein in dem
vorderen Behälter der Abb. 198 befindliches
Gebläse. Auch die „Sanspareil" hatte senkrechte Cylinder, während die der „Rocket"
unter 45" Grad geneigt waren. Die letztere allein besaß auch Röhrenkessel, den Stephenson
auf Anraten von Booth, Sekretär der Liverpool- und Manchesterbahn, gewählt
hatte. Ob Stephenson oder Booth von der Seguinschen 1 Jahr zuvor durch die
Patentschrift veröffentlichten
Erfindung Kenntnis
gehabt haben, ist unbekannt**).
Es zeigt aber
die Anordnung des vor den
Langkessel gesetzten Feuerraumes
bei der „Rakete"
Vorzüge gegenüber Segnins
Bauart, Vorzüge,
die die Beibehaltung ihres
Grundgedankens auch bei
den heutigen Lokomotiven
größter Art zur Folge gehabt
haben.
Einen senkrecht durch
den Verbrennungsraum
der „Rakete" geführten
Schnitt gibt Abb. 201 wieder. Wir erkennen darin die zwei kistenartigen, übereinander
gestülpten Kesselteile; die innere, unten durch den Rost abgeschlossene „Feuerbüchse" (englisch
*) Nach Ausweis der noch erhaltenen Geschäftsbücher sind in Stephensons Fabrik von
1824 bis Oktober 1829 19 Lokomotiven erbaut worden; die 19. war die weltgeschichtliche „Rakete".
**) Die Erfindung des Röhrenkessels ist seiner Zeit viel umstritten und erörtert worden.
Die ältesten Ansprüche hat der Amerikaner Nathan Read, der 1791 ein Patent ans einen Röhrenkessel
in seinem Vaterlande nahm. Die Bauart weicht jedoch erheblich von der Seguinschen und
198. Aroithwaitrs und Ericssons Lokomotiur „flourtty", 1829.