Wettfahrt bei Rainhill. Kessel der Rainhiller Lokomotiven.
fire-box) und die äußere „Feuerkiste". In dem schmalen Zwischenraum beider befindet sich
Wasser, das infolge seiner dünnen Schicht durch die heiße Feuerluft schnell zum Sieden
gebracht werden kann, während der von 25 kupfernen Heizröhren (von 76 mm Durch
messer) durchsetzte, 1,8 m lange Langkessel die Dampfentwickelung äußerst wirksam unterstützt.
Der Wasserraum des Langkessels stand mit demjenigen der Feuerkiste allerdings nur durch
2 Röhren in Verbindung, wie in der Abb. 201 erkennbar ist. — Die wagerechte Probe
strecke bei Rainhill war 2,4 km lang und sollte in jeder Richtung zwanzigmal durch
fahren werden, entsprechend der Entfernung zwischen Manchester und Liverpool (48 km).
Die Versuche begannen am 6. Oktober 1829, jedoch war nur die „Rakete" betriebsfähig, da
an den beiden anderen Lokomotiven sich kleine Schäden gezeigt hatten. Jene wurde mit
zwei durch Steine beschwerten Wagen belastet und erfüllte alle Bedingungen an diesem Tage.
Die „Novelty" fuhr am 10., die „Sanspareil" am 13. Oktober; beide konnten aber wegen
199. stationärer Nöbrenkessel von Krgnin, 1828.
200. Kegel der Lokomotive „Sonspareit"
von Kackwortk, 1829.
Querschnitt. Seitenansicht.
20 l. Nöhrcnkesset der Lokomotive „Nockrt"
von Kteptzcnson, 1829.
202. Kissel der Lokomotlvr „Novelty"
von Nroithivaitr nnd Eriksson, 1829.
Plötzlich eintretender Beschädigung der Kesselspeisepumpe die Fahrten nicht vollenden.
Hackworths Lokomotive hatte (nach Colburn) zudem noch das Mißgeschick, daß einer ihrer
Dampfcylinder eine Fehlstelle besaß, durch die der einströmende Dampf unmittelbaren
Ausgang in das Ausblaserohr und damit in den Schornstein fand. Die Cylinder waren
aus der Stephensonschen Fabrik bezogen, waren hier fünfmal beim Gießen mißlungen
und auch die abgelieferten waren nicht fehlerfrei, wie sich beim Probefahren zeigte.
Stephensonschen ab. In einem 1870 in New Dort von einem Verwandten Reads heraus
gegebenen Buche über dessen Verdienste um den Röhrenkessel wird nirgends erwähnt, daß jener
je einen solchen Kessel ausgeführt hat. Am 14. März 1826 erhielt der englische Ingenieur
Neville ein Patent auf einen Röhrcnkessel mit senkrecht stehenden Heizröhren, die aber nach
der Patentschrift unter Umständen auch wagerecht oder geneigt eingebaut werden sollten. Am
22. Februar 1828 wurde Seguin das französische Patent erteilt. In des letzteren Patentschrift
heißt es u. a : „Diese unsere Erfindung besteht, wie aus der Zeichnung (Abb. 199) ersichtlich, in
der Anwendung einer größeren oder kleineren Zahl von Röhren, durch welche die heiße Feuer
luft zieht. Diese Röhren sind von Wasser umgeben und bieten eine sehr ausgedehnte Heizfläche
dar." Im Sommer 1829 baute R. Stephenson auf Anraten Booths den Röhrenkessel seiner Prcw-
lokomotive, bei dem die Verbrennungskammer die gleiche Lage zum Langkessel hat wie beim
Seguin-Kessel der Abb. 199. Die Engländer halten Booth, einen Nichttechniker, für den Q
sinder dieser Kesselbauart.
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