Metadata: Logik des Geldes

44 Drittes Kapitel. Die Geldliteratur und der Versuch, zu Ende zu denken. 
Tiefen des statischen Geldproblems. Diese Fragen aber hat 
Knapp nicht aufgeworfen. Man braucht das gewiß nicht für 
einen Mangel dieses Buches zu halten, das absichtlich eine 
einseitige Fragestellung mit äußerster Konsequenz verfolgt 
hat. Knapp hat bestehende Geldverfassungen analysiert, aber 
die Fragen beiseite gelassen, die man mit den metaphysischen 
in der Philosophie vergleichen könnte. Der Nalionalökonom 
aber und auch der denkende Laie empfindet von Zeit zu 
Zeit jenes »metaphysische« Bedürfnis, er mu ß nach dem 
»Warum« fragen, nach der Causa, dem primum movens. 
Fragen wir einmal: Warum waren die deutschen Gold 
stücke »definitv«? Die Antwort ist nicht so leicht zu geben. 
Welches waren die echten Motive unserer Goldwährung? 
Die Vorliebe der großen Kaufleute und Bankiers für das 
Gold, d. h. für einen Zahlungsstoff von großem spezifischen 
Gewicht? Oder die übrigen bekannten und so oft aufgezähl 
ten technischen und wirtschaftlichen Eigenschaften des Gol 
des? Oder der Zwang, sich an die Währung der wirtschaft 
lich fortgeschrittensten Staaten (damals England) anzu 
schließen, um feste Wechselkurse gegen dieses mächtige 
Ausland zu erlangen (Knapp) ? Wirkte nicht im Unterbe 
wußtsein der Gesetzgeber die im Grunde metallistische Vor 
stellung mit, daß Gold heute und für absehbare Zeit diejenige 
Form des Besitzes sei, die am sichersten, am unzerstörbar 
sten, am unangefochtensten, am meisten über Zeit und Raum 
erhaben, international, praktisch überall verwertbar, stets 
verwandelbar in Sachgüter und Dienste, die allgemeinste und 
zuverlässigste Form von Reichtum und Macht bliebe? Daß 
das Gold somit die Vorstellung steter, allgemeinster, voll 
kommener Befriedigung in sich schließe? Daß es im wahren 
Sinne des Wortes auch wirtschaftlich definitiv, letzter Zweck 
jeder Wirtschaft sei? 
Und wenn in Österreich papierne Scheine definitiv waren,
	        
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