§ 3. O. F. Knapps staatliche Theorie des Oeldes. 45
welche Erklärungen dürfen wir hier als ausreichend ansehen?
Verlangt unser wirtschaftliches Denken hier nicht
noch die Vorstellung einer schließlichen Einlösung? Und
dann: Einer Einlösung in Geld oder aber in Waren und
Diensten? Und können wir somit auch, wirtschaftlich gedacht,
die Scheine als etwas Definitives ansehen? Und wenn
wir dann, einer modernen Auffassung entsprechend, die Notwendigkeit
einer Einlösung in Metall leugnen und die Einlösung
in Waren und Diensten postulieren, kann dann das
Papiergeld in bezug auf seine Eigenschaften dem Golde gleichgestellt
werden, kann es als ebenso sicher, so unzerstörbar, so
erhaben über Zeit und Raum, über Nationalgrenzen, so allgemein
verwertbar und verwandelbar in andere Sachgüter
erscheinen wie das Gold? Kann es in unseren wirtschaftlichen
Vorstellungen so deutlich ein befriedigendes Ende für
jedes Geldsystem garantieren wie jenes Metall?
Auf alle solche Fragen werden wir bei Knapp vergebens
die Antwort suchen, und vielleicht hätte die »Staatliche
Theorie« in manchen Punkten revidiert werden müssen, wenn
diese Probleme ihren Autor beschäftigt hätten. Hier aber
soll nur gezeigt werden, wie die Gedankenreihen, die
zum Problem des Endes führen, als Konsequenzen einzelner
Ausführungen Knapps aufgefaßt werden könnten, Konsequenzen,
die aber nicht gezogen worden sind. —
Von besonderem Interesse ist nun aber der § 3 des
Knapp’ sehen Buches: »Die zirkulatorische Befriedigung«.
Man kann nach Knapp ein Zahlungsmittel technisch oder
zirkulatorisch verwenden. Für die technische (reale) Befriedigung
ist Menge und Beschaffenheit des Stoffes maßgebend;
für die zirkulatorische Befriedigung, die Verwendung durch
Weitergeben, nur die juristische Eigenschaft des Geldes
(Seite 37). Es ist selbstverständlich, daß Papiergeld eine technische
Befriedigung nicht gewährt, wohl aber Metallgeld;