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Eisenbahnen: Die Zahnradlokomotive.
Erzielung derselben Leistung müßte daher die Druckfläche für den Dampf, das ist die
Kolbenfläche, erheblich vergrößert werden, wodurch die ganze Maschine groß und teurer
würde. Ein zweiter Nachteil wäre aber noch der, daß die Verbrennung auf dem Roste
infolge der geringeren Zahl der Dampfauspuffe oder „Dampfschläge" eine weniger
lebhafte, die Dampfentwickelung des Kessels und damit die Leistungsfähigkeit der Loko
motive also vermindert sein würde. Eine Ausnahme von vorstehender Regel machen
nur die S. 233 genannten neueren Lokomotiven der Padangbahn (Sumatra). Hier
wird das Zahnrad ohne Verlangsamung der Kolbengeschwindigkeit angetrieben. Die
Dampferzeugung hat man dafür durch eine verhältnismäßig große Rostfläche zu ver
stärken gesucht.
Hohe Kolbengeschwindigkeiten beherrschen heutigestags den gesamten Dampfmaschinenbau,
ebenso sind hohe Umlaufszahlen der Arbeitswellen in Fabriken und an den Arbeitsmaschinen
in allen Industrieländern jetzt üblich, nachdem Amerika, dann England hiermit bahnbrechend
vorangegangen sind. Wie auf Seite 173 näher erläutert wurde, kann die Leistung einer
233. Uirrrylindrige Lokomotive mit einarmiger Kchwinge der Pikes Peak Bahn, 1898.
Erbaut von der Baldwtn-Lotomotivfabrik in Philadelphia.
Maschine, die durch das Produkt Kraft mal Sekundengeschwindigkcit dargestellt wird, erreicht
werden sowohl durch große Geschwindigkeit, dann ist die Kraft klein, als auch durch kleine
Geschwindigkeit, dann fällt die Kraft groß aus. Die Größe der Kraft ist aber für die Ab
messungen aller dieselbe übertragenden Teile maßgebend. Je großer jene ist, desto krustiger
müssen die letzteren ausgeführt sein. Auch die Lager, Gestcllrahmen u. s. w. werden dann
schwerer. Kraftmaschinen mit geringen Umlaufgeschwindigkeiten bauen sich daher für dieselbe
Nutzleistung teurer und schwerer, als solche mir großer Geschwindigkeit. Zwei Beispiele ein
fachster Art mögen das Gesagte erläutern.
1) Soll eine Arbeitsleistung von zehn Pferdestärken durch eine schmiedeiscrne Welle von
einer Kraftmaschine auf eine Arbeitsstelle geleitet werden, so erhält diese Welle bei einer
minütlichen Umdrehungszahl von
n= 50 150 400 24 000
einen Durchmesser von 85 65 50 8 mm.
Je nach der Geschwindigkeit, mit der man die Welle laufen läßt, erhält man also eine wesentlich
größere oder schwächere Abmessung. Läßt man umgekehrt die 85 mm starke Welle mit 400
Umdrehungen in der Minute laufen, so verniag sic 100 Pferdestärken, also das 10fache zu
übertragen. Umdrehungszahlen von 24 000 in der Minute kommen bei den Dampfturbinen vor.
2) Die Dampfmaschine von Torpedobooten, welche die Schiffsschraube antreibt, und deren
Kurbelwclle bis 350 Umläufe in der Minute macht, wiegt durchschnittlich nur 6 bis 8,5 Kg auf
eine Pferdestärke. Bei langsam lausenden Land-Dampfmaschinen beträgt aber dieses auf
jede geleistete Pferdestärke entfallende Eigengewicht je nach Bauart das 10 bis 25sache.