Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Heizung  der  Wagen.  Wärmflaschen  und  Preßkohlenheizung.

Wasser,  essigsaurem  Natron  oder  Sand,  werden  sie  zu  zweien,  bei  starker  Besetzung  auch
wohl  zu  dreien,  in  ein  Abteil  geschoben,  so  daß  die  Reisenden  ihre  Füße  darauf  stellen
und  diese  eine  kurze  Zeit  lang,  2—3  Stunden,  warm  halten  können.  Deshalb  werden
sie  auch  Fußwärmer  genannt.  Von  einem  Erwärmen  des  Wageninneren  kann  keine  Rede
sein,  und  zur  Winterszeit,  zumal  bei  Nacht  in  einem  solchen  Wagen  zu  reisen,  gehört
nicht  zu  den  Annehmlichkeiten.  Bleibt  dann  gar  ein  Zug  vielleicht  noch  im  Schnee
stecken,  so  ist  der  lange  Aufenthalt  darin  so  ungemütlich  wie  möglich.  Am  wirksamsten
ist  noch  die  genannte  Natronfüllnng.  Die  Heizkörper  werden  in  kochendes  Wasser  getaucht, ­
  wodurch  die  Füllung  schmilzt  und  eine  erhebliche  Wärmemenge  bindet.  Beim
späteren  Abkühlen  im  Wagen  wird  diese  Wärme  nach  und  nach  wieder  frei,  so  daß  eine
längere  Wirkung  gesichert  ist.  Ein  Wagen  mit  5  Abteilen  erfordert  10—15  Wärmflaschen. ­
  Ein  aus  8  Wagen  bestehender  Zug  benötigt  also  etwa  100  Flaschen,  ihre  Auswechselung ­
  auf  den  Füllstationen  bedingt  entweder  viele  Bedienungsmannschaften  oder

unnötig  langen  Zugaufenthalt.  In  milden  Gegenden,  wie  in  Frankreich  und  Italien
mag  die  Sache  gehen;  wir  finden  die  Fußwärmer  aber  auch  in  Holland,  England  und
Schottland.
In  Deutschland  wurde  in  den  70er  Jahren  und  zwar  zuerst  (1870)  auf  der  vormals ­
  Rheinischen  Eisenbahn  durch  den  Ingenieur  Fenten  die  weit  bessere,  freilich  auch  teuere
Preßkohlenheizung  eingeführt.  Hierbei  liegt  unter  jeder  Sitzreihe  ein  Blechkasten,  in
den  von  außen  ein  eiserner  Einsatz  mit  glühenden  Preßkohlen  geschoben  wird.  Die  erforderliche ­
  Verbreunungsluft  wird  den  Kohlen  durch  Öffnungen  in  der  Verschlußthür
zugeführt.  Die  Brenndauer  der  Preßkohle  beträgt  etwa  6  Stunden.  Auf  bestimmten
Stationen  werden  die  Kasten  frisch  aufgefüllt.  Eine  Regelung  der  Verbrennung  während
der  Fahrt  ist  ausgeschlossen  und  nur  auf  den  Haltestationen  möglich.  Die  Heizung  hat
deshalb  vielfach  zu  Klagen  über  Überhitzung  Anlaß  gegeben.  Die  aus  Holzkohle,  salpetersaurem ­
  Kali  und  Stärke  in  Ziegelform  hergestellte  Preßkohle  ist  nicht  billig.
In  mancher  Hinsicht  besser  stellt  sich  die  in  verschiedenen  Eisenbahnländern  benutzte
Luftheizung.  Der  Feuerherd  —  Füllofen  für  Steinkohle,  Koks-  oder  Preßkohle—
liegt  unter  dem  Wagenkasten  und  wird  von  einer  Außenseite  desselben  beschickt.  An  ihn
ist  ein  Heizcylinder  angeschlossen,  durch  den  die  Feuergase  streichen  und  der  von  einem
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