Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

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Dampfheizung. Lüftung und Beleuchtung. 
vernichtet wurden, sondern wo auch durch Nachlässigkeit bei der Bedienung des Ofens 
Wagen durch Feuer zerstört sind. Diese Verbrennungsgefahr ist um so größer, wenn 
die Wagen die sonst so vortreffliche Gasbeleuchtung besitzen. Wird der Gasbehälter 
bei einem Zusammenstoß undicht, so kann das unter namhaftem Drucke ausströmende 
Gas an den glühenden Kohlen sich entzünden und die Wagen brennen in unglaublich 
kurzer Zeit bis auf die Eisenteile ab. In einzelnen Fällen war es unmöglich, die in 
den brennenden Abteilen eingeklemmten Reisenden zu retten. Sie kamen eines qualvollen 
Todes um. 
Die deutschen Eisenbahnen übertreffen auch in der Heizung der Wagen die englischen 
und französischen Bahnen in bedeutsamer Weise. Der Dampfheizung gehört die Zukunft 
— bis sie durch die elektrische Heizung dermaleinst verdrängt wird, was vielleicht dann 
vor sich geht, wenn an Stelle der Dampflokomotive die elektrische Zugbeförderung getreten 
sein wird. — 
Lüftung. Der hohe Wert einer guten, zug- und staubfreien Lüftung, die einen 
ständigen Luftwechsel im Wageninneren sichert, bedarf wohl keiner näheren Begründung. 
Was darin von unseren Wohn- und Arbeitsräumen gilt, findet auch auf die Personen 
wagen Anwendung. Das wirksamste Lüftungsmittel bleibt das Fenster und die Wagen 
thür. Da aber hiermit oft Übelstände, wie Zugluft, Eindringen von Staub, Rauch und 
Kohlenteilchen verbunden sind, so bringt man vielfach besondere Luftöffnungen an der 
Wagendecke mit Saugkopf darüber au. Sie sind durch Schieber verschließbar und durch 
Drahtsiebe gegen Eindringen von Fremdkörpern geschützt. Derartige Siebe aus feinem 
Messingdrahtgewebe (Staubfänger) werden auch auf manchen Bahnen für die Thürfenster 
benutzt, um, wenn diese geöffnet, hochgezogen zu werden und den Staub möglichst fern 
zu halten. Eine wesentliche Verbesserung in der Lüftung wurde mit der in Deutschland 
zuerst getroffenen Einrichtung der Dachaufbauten, deren Seitenwände die bekannten 
jalousieartigen Lüftungsöffnungen besitzen, erzielt. Die schlechte Luft wird durch sie ab 
geführt. Auch Luftfänger, die Außenluft in das Innere leiten, stehen auf manchen 
Bahnen in Anwendung. 
Alle bisherigen Mittel genügen aber leider nicht den an eine gute Lüftung zu 
stellenden Anforderungen; diese läßt namentlich an trockenen, warmen Tagen auf Strecken 
mit sandiger Kiesbettung viel zu wünschen übrig. Die feinen Staubmengen, die dann 
durch alle Öffnungen des Wagens in das Innere dringen, sind leider eine ebenso lästige 
wie schädliche Beigabe des Reifens. 
Beleuchtung. Der Aufschwung, den die künstliche Beleuchtung in unserem täg 
lichen Leben zu verzeichnen hat und die ein stetig gesteigertes Lichtbedürfnis erzeugt, hat 
sich in ganz gleicher Weise in der Zngbeleuchtung abgespielt. Anfangs waren überhaupt 
keine Lichtquellen in den Wagen angebracht, da die Züge zur Nachtzeit noch nicht ver 
kehrten. Selbst als letzteres der Fall war, verstanden sich die Bahnverwaltungen nicht 
immer dazu. Mehrfach gingen sie erst durch behördliches Eingreifen gedrängt, in Preußen 
auf Veranlassung des Königs selbst, zur Beleuchtung der Wagen über. Zuerst waren 
nur kläglich brennende Rüböllampen oder Kerzen im Gebrauch. Das Leuchtgas eroberte 
sich derzeit nur langsam das Feld. Zur Zeit findet die trübselige Kerzenbeleuchtung 
wohl nur noch auf einigen deutschen Nebenbahnen Verwendung. Nach Einführung des 
Petroleumlichtes in den Städten und Wohnungen verbesserte sich auch die Wagenbeleuchtung 
wieder schrittweise. Petroleum- und heller brennende Rüböllampen kamen auf. Aber 
auch deren Leuchtkraft ließ noch immer zu wünschen übrig. In England und Amerika 
steht diese Beleuchtung auch jetzt noch stark in Benutzung. In letzterem Lande sucht man 
in den besseren Wagen die Helligkeit durch mehrflammige, oft reich verzierte Petroleum 
lampen (Abb. 261) zu steigern. Auch auf den Schweizer Bahnen ist das Petroleumlicht 
verbreitet; es bietet allerdings in vielen Durchgangswagen nur eine ganz kümmerliche 
Helligkeit. 
In den 60er Jahren wurden sodann ans französischen und belgischen Bahnen die 
ersten Versuche mit der Gasbeleuchtung gemacht. Sie ivaren nicht von dauerndem 
Erfolge. Um die hierbei erforderlichen Gasbehälter nicht zu umfangreich zu erhalten und
	        
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