Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Fettgasbeleuchtung.  Elektrische  Wagenbeleuchtuiig.

255

Die  preußischen  Staatsbahnen  allein  besitzen  die  Einrichtung  zur  Gasbeleuchtung  an
26  000  Wagen  und  an  mehr  als  3500  Personenzuglokomotiven.  Sie  nehmen  bis  heute
nicht  nur  in  Deutschland,  sondern  auch  den  ausländischen  Eisenbahnen  gegenüber  den  unbestrittenen ­
  Vorrang  in  der  Wagenbeleuchtung  ein.
Mit  der  Einführung  des  elektrischen  Lichtes  steigerten  sich  die  Ansprüche  des
reisenden  Publikums  aufs  neue.  Eine  Anzahl  Verwaltungen  stellten  schon  Anfang  der
80er  Jahre  Versuche  mit  dieser  neuen  Zugbeleuchtung  an.  Auf  den  Reichseisenbahnen
in  Elsaß-Lothringen  (bereits  im  Winter  1882),  der  London  und  North-Western  Bahn  und
anderen  wurde  die  Dynamomaschine  durch  eine  auf  der
Lokomotive  bezw.  dem  Tender  untergebrachte  kleine
schnelllaufende  Brotherhood-Dampfmaschine  angetrieben.
—  Zwei  Drahtleitungen  verteilten  die  elektrische  Energie
auf  die  verschiedenen  Lampen  des  Zuges.  Das  Verfahren ­
  bewährte  sich  nicht  sonderlich,  die  Lampen  brannten ­
  nicht  ruhig,  auch  wurde  das  ohnehin  schon  stark  in
Anspruch  genommene  Lokomotivpersonal  durch  die  Bedienung ­
  der  Lichtmaschinerie  noch  mehr  belastet.  Man
ging  nun  dazu  über,  eine  im  Gepäckraume  aufgestellte
Dynamo  von  einer  Wagenachse  aus  mittels  Riemens
zu  betreiben.  Da  aber  dann  die  Lampen  während  des
Stillstandes  des  Zuges  nicht  brannten,  so  mußte  eine
Sammelbatterie  zu  Hilfe  genommen  werden,  die  während ­
  der  Aufenthalte  mit  ihrem  Energievorrate  einsprang, ­
  im  übrigen  auch  das  gleichmäßige  Brennen  der
Lampen  sicherte.  Bei  zu  großer  Zuggeschwindigkeit  hob
ein  Regler  die  Riemenübertragung  auf,  und  die  Batterie
allein  versorgte  die  Lampen.  Dieses  Verfahren  hat  sich
im  allgemeinen  bewährt.  Die  englische  Midlandbahn
führte  es  1889  bei  einer  Anzahl  ihrer  Schnellzüge  ein;
jeder  Wagen  besaß  seine  Sammelbatterie.  Die  Beleuchtung ­
  der  Abteile  erfolgte  durch  je  zwei  Glühlampen; ­
  sie  war  reichlich  und  von  angenehmer  Wirkung,
aber  infolge  der  hohen  Anlagekosten  nicht  billig.  Im
Jahre  1892  wurde  die  Einrichtung,  weil  zu  viel  Wartung ­
  erfordernd,  wieder  beseitigt  und  durch  das  Ölgaslicht ­
  ersetzt.  Auch  die  Great  Northernbahn  hat  die  elektrische ­
  Beleuchtung  ihrer  Untergrundzüge  seit  1891
durch  Ölgas  ersetzt,  da,  wie  Verfasser  verwaltungsseitig
seiner  Zeit  mitgeteilt  wurde,  dieselbe  sich  als  zu  teuer  erwies. ­
  Einige  englische  Bahnen  benutzen  elektrisches  Licht,
größtenteils  jedoch  nur  in  wenigen  Luxuswagen  (Speisewagen). ­
  Die  Energie  ist  hier  in  einzelnen  Sammelzellen ­
  aufgespeichert,  die  unter  die  Sitze  geschoben  werden.  Das  Laden  und  Auswechseln
erfolgt  auf  den  Abgangsstationen.  Bon  einer  ausgedehnten  Anwendung  des  elektrischen
Lichtes  in  den  Personenzügen  Englands  kann  keine  Rede  sein.  In  den  Vereinigten
Staaten  von  Nordamerika  hatten  im  Jahre  1897  insgesamt  nur  etwa  140  Wagen  und
zwar  in  Luxuszügen  elektrische  Beleuchtung.
Nach  dem  eben  genannten,  bei  englischen  Luxuswagen  benutzten  Verfahren  beleuchtet
auch  die  deutsche  Reichspost  seit  kurzem  etwa  1200  Eisenbahn-Postwagen.  Die  Ölgas-Beleuchtung,
  die  die  Staatsbahnverwaltung  lieferte  (1  Mark  für  ein  Kubikmeter  Gas),
stellte  sich  zu  teuer.  Sie  wurde  deshalb  vor  einigen  Jahren  postseitig  durch  die  elektrische ­
  ersetzt.  Die  Postwagen  führen  etwa  44  kg  schwere  Sammelbatterien  mit  sich,  zu
deren  Ladung  16  verschiedene  Ladestellen  auf  verschiedenen  deutschen  Bahnhöfen  angelegt ­
  sind.

262.  Inlrnstvtmnpr  für  Fcttgas.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.