Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

290  Eisenbahnen:  Signalwesen  und  Weichensichernng.
die  Aufstellung  aller  Hebel  au  einem  Orte  (Weichenzentralisierung)  und  sodann  ihre
gegenseitige  Abhängigkeit  voneinander  derart,  daß  bei  falscher  Weichenlage  kein  Fahrsignal ­
  gezogen  und  bei  gezogenem  Fahrsignal  keine  Weiche  umgelegt  werden  kann.
Diese  Vorrichtung  heißt  Stellwerk.  Seine  Bedienung  erfordert  in  den  meisten  Fällen
nur  einen  Mann,  bei  größeren  Anlagen  auch  zwei,  vereinzelt  drei  bis  vier  Leute.
Man  ist  also  nicht  mehr  abhängig  von  einer  Schar  von  Weichenstellern,  und  das  Stellwerk ­
  arbeitet  wie  eine  Maschine:  schnell  und  zuverlässig.  In  dem  obigen  Beispiel
einer  englischen  Gleisabzweigung  darf  also  das  Stellwerk  nur  die  13  allein  zulässigen
Hebelgruppierungen  ermöglichen.  Die  hierfür  in  Frage  kommenden  Signalhebel-Kombinationen
  sind  durch  die  ersten  8  Figuren  der  Abb.  297  bezw.  durch  Abb.  296  dargestellt.
Hiervon  gestattet  die  1.  Figur  (Haltsignal)  alle  vier  Weichenhebelstellungen,  die  2.  bis  4.  die
drei  durch  Abb.  296  Nr.  2  bis  4  näher  erläuterten  Fälle,  in  denen  gleichzeitig  zwei  Gleise
jener  Kreuzung  von  Zügen  befahren  werden  können,  während  die  5.  bis  8.  sechs  Hebelstellungen ­
  möglich  machen,  also  insgesamt  13.

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12  13  14
297.  Signatflügrtgrnppen.

15

Zur  weiteren  Beleuchtung  diene  das  Beispiel  eines  großen  Bahnhofs.  In  der
Abb.  298  ist  das  auf  hoher  Gleisbrücke  angeordnete  Stellwerkhaus  des  Londoner  Kopfbahnhofes ­
  „Cannon  Street-Station"  mit  seinem  ungewöhnlich  großen  Signalgruppenbilde ­
  wiedergegeben.  In  der  Bahnhofshalle  liegen  9  Bahnsteiggleise.  Das  Stellwerk
enthält  hier  rund  70  Signal-  und  Weichenhebel,  die,  willkürlich  bewegt,  Millionen  verschiedener ­
  Hebelkombinationen  zulassen  würden.  Aus  dieser  Riesenschar  heben  sich  rund
800  als  betriebssicher  gegen  Zusammenstöße  ab.  Das  Stellwerk  benutzt  diese  letzteren
Gruppierungen  und  verhindert  gleichzeitig  durch  seine  Einrichtung  alle  die  anderen  gefährlichen ­
  Fälle.  Der  Verkehr  dieser  Station  ist  ein  gewaltiger.  Schon  vor  Jahren  liefen
in  drei  Vormittagsstunden  über  130  Züge  ein  und  aus  und  fast  ebensoviele  gegen  Abend.
Die  gesamte  Zugzahl  beläuft  sich  an  Werktagen  auf  etwa  700,  an  manchen  Tagen  sogar
auf  rund  800.  Ein  Aufenthalt  ans  der  in  Abb.  298  dargestellten  Gleisbrücke  gibt  ein
packendes  nachhaltiges  Bild  von  den  riesenhaften  Verhältnissen  des  Londoner  Eisenbahnbetriebes. ­
  Der  Beschauer  blickt  hier  staunend  auf  ein  scheinbar  wirres  Gedränge  von
Zügen,  die  alle  dank  dem  sichereren  Arbeiten  des  Stellwerks  und  der  angeschlossenen
Weichen-  und  Signaleinrichtungen  bei  Tage  und  bei  Nacht,  im  Nebel  oder  Sonnenschein
ungefährdet  ihren  Weg  über  die  wenigen  Gleise  der  an  die  Halle  anstoßenden  Themsebrücke ­
  nehmen.  Ohne  das  Stellwerk  wäre  dieser  Verkehr  undenkbar.
Die  Wirkungsweise  eines  Stellwerkes  kann  man  sich  etwa  wie  diejenige  einer  Orgel
denken.  Bei  dieser  müssen  verschiedene  Teile  wie  Tasten,  Register,  Pedale  u.  s.  w.  in
ganz  bestimmter  Weise  mittels  ihrer  Verbindungsstangen,  Wellen  u.  s.  w.  zusammenwirken,
um  gewisse  Töne  hervorzurufen.  Nur  wenn  diese  jeweilige  Zusammenwirkuug  gewahrt
ist,  kann  durch  das  Niederdrücken  einer  bestimmten  Taste,  z.  B.  Ist  in  allen  zugehörigen
U-Pfeifen  der  Ton  §  erzeugt  werden.  Der  geübte  Orgelspieler  wird  nur  harmonische
Tongruppen  erklingen  lassen;  ein  des  Orgelspiels  Unkundiger  wird  lauter  Disharmonien
hervorrufen.  Bei  einem  Stellwerk  würden  die  Stellhebel  der  Signale  und  Weichen  die
Klaviatur  bilden,  die  Querstücke,  Verschlüsse  u.  s.  >v.  die  Register  und  Pedale.  Ein  gewünschtes ­
  Signal  kann  wie  ein  gewisser  Ton  der  Orgel  auch  nur  dann  gezogen  werden,
            
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