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Eisenbahnen: Sigimlwesen und Weichciisicherinig.
Verschlußtafel. 1, Die Weichen- und Sigualhebcl erhalten die gleiche Bezeichnung
wie die zugehörigen Weichen und Signale im Gleisplan.
2. Die Spalten für die Weichenhebel werden nur für diejenigen Zugfahrten ausgefüllt,
bei denen ein Verschluß des betreffenden Weichenhebels stattfindet. Dieser Verschluß wird in
der Grundstellung durch „+", in der gezogenen Stellung durch " bezeichnet.
3. Die Spalten für die Signalhebel werden nur für diejenigen Zugfahrten ausgefüllt, bei
denen der Hebel entweder gezogen oder unter Verschluß gehalten wird. Der Verschluß eines
Signalhebels in der Grundstellung wird durch das Haltsignal angedeutet, die gezogene Stellung
des Signalhebels durch das eingezeichnete Fahrsignal. Erfolgt der Verschluß eines Hebels
ausschließlich durch das Ziehen eines anderen Signalhebels, so wird das betreffende Feld
schraffiert.
4. Fahrstraßenhebel werden durch kleine lateinische Buchstaben bezeichnet, welche den
großen Buchstaben der Signale entsprechen.
5. Zustimmnngshebel werden durch kleine Buchstaben bezeichnet, welche den großen der
verschlossen gehaltenen Signalhcbcl im Nachbarstellwerk entsprechen, gegebenenfalls wie bei 4.
unter Beifügung der Kennziffern des Signalhcbels.
6. Die Spalten für die Zustimmnngshebel werden nur für diejenigen Zugfahrten aus
gefüllt, bei denen ein Verschluß des betreffenden Zustimmungshebcls stattfindet. Der Ver
schluß wird in der Grundstellung durch „+", in der gezogenen Stellung durch bezeichnet.
Erfolgt der Verschluß eines Znstimmungshebels ausschließlich durch das Ziehen eines Signal
hebels oder eines anderen Zustinimungshebels, so wird das Feld schraffiert.
7. Blockverschlüsse der Hebel werden
im Kopf der Verschlußtafel angedeutet. Der
elektrische Verschluß ist durch O, der mecha
nische durch H, die Freigabe auf erstercnr
Wege durch O, auf letzterem durch □ dar
gestellt.
308. Einfache Meichr.
Die Durchsähet ist bei der Grundstellung für das gerade
Gleis geöffnet.
8. Stehen mehrere Stell- oder Block
werke in Abhängigkeit voneinander, so sind
die Vcrschlnßtafcln in gleicher Hohe neben
einander anzuordnen. Für die verschie
denen Zugfahrten wird dann die Reihen
folge, nach welcher die Veränderungen in
309. Ciusachc Meichr.
Die Turchsahrt ist bet der Grundstellung für das gekrümmte
Gleis geöffnet.
A
71/
O
811. Zweiflügeliger
Kignatmast.
Grundstellung.
sio. Doppelte Kreuzmigsweichc.
Die Durchfahrt ist bei der Grundstellung an jedem Ende für «in gerades
und ein gekrstmiuieS Gleis geöffnet.
den einzelnen Feldern herbeigeführt werden sollen, innerhalb der letzteren durch Ziffern
angegeben.
Der Leser versuche hiernach einmal die Verschlußtafel für den sehr einfachen Glcisplan
der Abb. 307 selbständig aufzustellen. Er wird daun die Summe von Arbeit und sorgfältigster
Überlegung ermessen, welche für die Anfertigung der Verschlußtafel eines großen Bahnhofs
aufzuwenden ist. Beispielsweise enthält diese Tafel für den durch zwei Stellwerke gesicherten
Bahnhof Hannover bereits 153 senkrechte und 29 wagcrechte Spalten. Wie viel umfang
reicher und mühseliger gestaltet sich nun gar der Fall für die Riescnstcllwerkc von Boston,
Brighton und London!
Einzelheiten zur Weichenücherung.
Die oben erwähnte Sicherung der Spitzweichen englischer Bahnen durch Druck
schienen wurde veranlaßt durch einen im Sommer 1873 stattgehabten, besonders schweren
Eisenbahnunfall. Der schottische Schnellzug der London und North Western-Bahn wurde
bei voller Fahrt in einer Spitzweiche zerrissen. Mährend sein vorderer Teil auf dem
Hauptgleise verblieb, rannten die sieben letzten Wagen in das Abzweiggleis. Sie wurden
nahezu gänzlich zertrümmert, wobei es zahlreiche Tote und Verletzte gab. Die Weiche
war vom Stellwerkswärter nach Einziehung des Fahrsignals umgelegt worden, während
der Zug sie gerade noch durchfuhr. Ein „Falschspuren" der hinteren Wagen, d. h. Ein
laufen in ein falsches Gleis, während die vorderen Wagen auf dem richtigen verharrten,
und eine Zugtrennung waren die unvermeidliche Folge. Dieser Unglücksfall gab damals